Buchen

Aero-Club Buchen Gründungsvorsitzender Walter Jaegle erinnert sich an den Verein aus den 1950-er Jahren

Sturmböe leitete Ende des Vereins ein

Archivartikel

Buchen.Gründungsvorsitzender Walter Jaegle erinnert sich an den Verein, dessen Ende plötzlich und tragisch eintrat. Von Jugend auf ist Walter Jaegle flugbegeistert. Der heute 93-Jährige war Mitglied der Hitler-Fliegerjugend, absolvierte einen Segelfluglehrgang und wurde als junger Rekrut an der Luftkriegsschule I in Dresden-Klotzsche sowie an der Jagdfliegerschule Schussenrieth zum Jagdflieger ausgebildet. Er war Teil des Jagdfluggeschwaders 21, bis er Ende 1944 in britische Gefangenschaft geriet.

Nach dem Krieg mussten Flugbegeisterte bis zum Jahr 1950 warten, bis Deutschland wieder die Lufthoheit erhielt und das Fliegen erlaubt war. Bei einem Treffen ehemaliger Jagdflieger im Jahr 1951 in Frankfurt lernte Jaegle den ebenfalls flugbegeisterten Götzinger Lehrer Alfred Hammer kennen. Mit diesem gründete er zunächst den „Club der Modellflieger“. Aus diesem entstand im Jahr 1951 der „Aero-Club Buchen“ mit 15 segelflugbegeisterten Mitgliedern und Walter Jaegle als Vorsitzendem. Dem jungen Verein fehlte es an allem, vor allem an einem Fluggelände und einem Segelflugzeug. So bat man Buchener Firmen und Geschäftsleuten um Spenden, bis man 3000 Mark für einen fabrikneuen Schulgleiter SG 38 zusammen hatte. Landwirt Heinrich Lauer stellte ein Grundstück südlich vom Alten Limbacher Weg zur Verfügung. Stand dort das Gras zu hoch, durften die Segelflieger auf ein Wiesengelände in der Hainsterbach ausweichen, wo sich heute das gleichnamige Wohngebiet befindet.

Am 1. Mai wurde der neu angeschaffte Schulgleiter des Aero-Clubs Buchen auf dem Marktplatz in Buchen eingeweiht. Dazu zerlegten die Vereinsmitglieder diesen in seine Einzelteile, bauten ihn vor dem Alten Rathaus zusammen, zerlegten ihn nach der feierlichen Weihe wieder und transportierten ihn ab. Dem feierlichen Akt wohnten Bürgermeister Dr. Fritz Schmitt und Regierungspräsident Professor Dr. Adalbert Seifritz bei.

Nun verfügte der Verein über einen Schulgleiter und ein Fluggelände. Doch wie kam das Fluggerät in die Luft? Wie Walter Jaegle erläuterte, arbeitete man mit dem Flugsportclub in Wertheim zusammen. Dieser verfügte über eine Motorwinde, die man sich für Flugtage in Buchen auslieh. So konnte der Fluggleiter auf eine Höhe von 300 Meter emporgezogen werden und seine Platzrunden drehen. Flieger aus Wertheim und Bad Mergentheim nahmen an Flugtagen in Buchen teil. Im ersten Jahr des Flugbetriebs in Buchen zählte der Verein 242 Starts. Später gründete sich in Hainstadt unter Dagobert Berberich die Fluggruppe Hainstadt, die ebenfalls dem Aero-Club Buchen angehörte. Diese kaufte einen eigenen Fluggleiter. Walter Jaegle vermutet, dass dieser von der Hainstadter Baronin finanziert wurde. Deren Tochter Sigrid war ebenfalls Vereinsmitglied.

Ein Höhepunkt in der kurzen Vereinsgeschichte war ein Flugtag, den der Club im Rahmen des Buchener Schützenmarkts im Jahr 1956 ausrichtete. Dazu hatte man mit Heini Dittmar einen international bekannten Segelflieger nach Buchen geladen. Dieser hatte vor dem Krieg mehrere Weltrekorde im Segelfliegen aufgestellt. Wegen Regens und stürmischen Winds drohte der Flugtag auszufallen, doch am Sonntag klärte der Himmel auf, und Dittrich begeistere das Publikum mit dreifachen Loopings. Auch der Fliegerball am Abend in der Schützenhalle fand großen Zuspruch.

Nicht gesichert

An Pfingsten des Jahres 1958 war plötzlich Schluss mit dem Verein. Die Buchener Segelflieger waren mit ihren beiden Gleitern nach Wertheim zum Fliegen gefahren. Bevor Walter Jaegle am Samstagabend vor Pfingsten nach Buchen zurückkehrte, wies er seine Vereinskollegen darauf hin, die Schulgleiter mit Seilen und Heringen vor einem heranziehenden Unwetter zu sichern. An Pfingstsonntag musste der Vereinsvorsitzende die schockierende Nachricht entgegennehmen: Die Flieger hatten es versäumt, den Buchener Gleiter zu sichern. Eine Windböe hatte ihn erfasst und erheblich beschädigt. Jaegle trat verärgert von seinem Amt zurück. Beide Schulgleiter wurden im Hainstadter Schloss eingelagert, das Vereinsleben kam zum Erliegen. Erst als der Walldürner Unternehmer Richard Rohlf in Walldürn den heutigen „Flugsportclub Odenwald Walldürn“ mitgründete, erinnerte man sich an die beiden Segelgleiter und holte sie nach Walldürn. Walter Jaegle verfügt über Aufzeichnungen, Flugkladden und Bilder des Vereins. Diese will er in den nächsten Wochen an Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler übergeben, damit dieser Teil Buchener Vereinsgeschichte nicht in Vergessenheit gerät.

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