Buchen

Bezirksmuseum Buchen Das „beschauliche Buchen“ kann man in einer Sonderausstellung im Steinernen Bau erleben

Spannender künstlerischer Spaziergang

Archivartikel

Einen künstlerischen Spaziergang durch das „beschauliche Buchen“ bietet seit Mittwoch die gleichnamige, im Steinernen Bau eröffnete Sonderausstellung des Bezirksmuseums Buchen.

Buchen. Eine gewisse Beschaulichkeit kann man Buchen – freilich im Positiven – nur schwer absprechen. Das „beschauliche Buchen“ kann man nun in einer Sonderausstellung des Bezirksmuseums Buchen erleben. Konzipiert von Dieter Steigleder, zeigt sie Werke von Professor Friedrich Brand, Josef Corregio, Wilhelm Guntermann, Dr. Hermann Güterbock, Rose Heß, Eugen Mellert, Dénes von Szebeny, Istvan von Somogyi und Karl Tschamber.

Museale Basisarbeit

Als Vorsitzender des Vereins Bezirksmuseum begrüßte Dr. Wolfgang Hauck die Gäste und freute sich über deren reges Erscheinen, ehe er an Dieter Steigleders Engagement für die museale Basisarbeit erinnerte und die Kooperation mit den Buchener Schulen würdigte. Danach ging Landrat Dr. Achim Brötel als Schirmherr auf die Ausstellung ein. Nachdem er aus Erwin Thomas „Heimatgedicht, II. Teil“ zitierte, bezeichnete er sie im Einklang damit als „wunderbare Liebeserklärung an Buchen“, die man einem Zufallsfund zu verdanken hatte: Auf der Suche nach Daten zu Arthur Grimm fiel Dieter Steigleder ein Veranstaltungsführer für die Heimattage des Landkreises Buchen im Jahr 1948 in die Hände, in dem die Abteilung „Malerei und Plastik“ mit 13 Künstlern erwähnt wurde. In diesem Sinne dankte er Steigleder sowie Dr. Wolfgang Hauck, auf deren Initiative die Ausstellung zurückgeht, die als „Gegenentwurf zur immer lauter werdenden Welt“ gelten könne.

Liebe zur Heimat

Die Bilder beschreiben auf ureigene Weise die Liebe zur Heimat, die in Buchen durch das Zutun von Ehrenbürger und Bürgermeister a.D. Josef Frank mehrheitlich in ihrer ursprünglichen Form erhalten sei. Bürgermeister Roland Burger freute sich über „gleich zwei mit Arthur Grimm zusammenhängende Veranstaltungen innerhalb eines Jahres“ und eine Ausstellung von besonderem Charisma, die nicht nur alte Buchener Ansichten, sondern viel mehr „äußerst wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente“ präsentiere. Das richtige Augenmaß für Veränderungen auch baulicher Art ergebe sich jedoch oft erst mit den Jahren, wobei man Buchens Stadtbild „eine relative Kontinuität, die wiederum Heimatgefühle begünstigt“ attestieren könne. Sein Dank galt Dieter Steigleder, dessen Einsatz als Ansporn dafür gesehen werden könne, häufiger ins Archiv zu blicken.

Den letzten Wortbeitrag des Abends steuerte Kurator Dieter Steigleder bei. Er sei „stolz darauf, sich ins Bezirksmuseum einbringen zu dürfen“ und freue sich gleichsam über das im Februar vorgestellte Buch zum Leben und Wirken des Arthur Grimm. 1948 gehe nicht zuletzt durch die Währungsreform als besonderes Jahr in die Geschichte ein. „Es mutet durchaus ungewöhnlich an, in solch unsicheren Zeiten Heimattage auszurichten – aber Kunst und Kultur waren schon damals wichtiger als oft angenommen“, erklärte Steigleder und ging in alphabetischer Reihenfolge auf die ausgestellten Maler Prof. Friedrich Brand, Josef Corregio, Wilhelm Guntermann, Dr. Hermann Güterbock, Rose Heß, Eugen Mellert, Dénes von Szebeny, Istvan von Somogyi und Karl Tschamber ein.

Die sieben Aquarelle von Güterbock stammen aus dem Geschenk von Gerd Grein und Hubert Alles; ins Auge stechen sicher auch die von Dénes von Szebeny gezeichneten Karikaturen der Pfarrer Heinrich Magnani und Helmuth Galda. Aus dem Schaffen des als Multitalent in die Buchener Geschichte eingegangenen Karl Tschamber wurden nicht nur seine typischen Aquarelle der 1930er-Jahre berücksichtigt, sondern auch bis ins Jahr 1907 zurückgehende Skizzen. Bis vor wenigen Jahren weitestgehend unbekannt war das Wirken der aus Hettingen stammenden Rose Heß, das jedoch qualitativ absolut bemerkenswert sei. Auch Josef Corregios Werke nehmen einen besonderen Stellenwert ein: In Frankfurt am Main ausgebombt, kam er durch in Hardheim und Buchen lebende Verwandtschaft in die Region und lernte sie lieben, ehe er 1961 zurück in die Main-Metropole ging.

Nach seinen informativen Ausführungen lud Steigleder zum kleinen Umtrunk ein und beantwortete während des ersten Rundgangs bereitwillig die Fragen der kunst- und heimatlich interessierten Besucher. Für die würdevolle musikalische Umrahmung sorgte Melanie Probst (Joseph-Martin-Kraus-Musikschule) an der Harfe.