Buchen

Katholische Fachschule für Sozialpädagogik in Buchen Auswirkungen des Berufsalltags auf Erzieher in Fachvortrag „Zwischen Viren, Stress und Lärm“ beleuchtet

„Sozial mit dem eigenen Körper umgehen“

Archivartikel

Buchen.Von April bis Juli ist Leonie Senft als Projektstudentin an der katholischen Fachschule für Sozialpädagogik in Buchen und hat das Projekt „Zwischen Viren, Stress und Lärm – Macht der Berufsalltag ErzieherInnen krank?“ ins Leben gerufen. Im Zentrum dieses Projekts stehen die Erzieherinnen und Erzieher sowie ihre Gesundheit.

Die Projektleiterin Senft hat selbst vor fünf Jahren die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin an der FSP Buchen absolviert und danach gleich Berufserfahrung gesammelt. Schnell sind ihr, selbst als junge motivierte Erzieherin, Belastungen sowie Auswirkungen dieser Stressoren im Alltag aufgefallen. Reflexiv berichtet Senft davon, dass diese Belastungen sowohl psychisch als auch physisch im Ausbildungsalltag kaum bis keine Rolle im Unterricht gespielt haben und demnach nicht zum Thema gemacht wurden. Dies war für die junge Studentin der sozialen Arbeit Motivation und Antrieb, ein Projekt ins Leben zu rufen und sich genau mit diesem Thema zu beschäftigen. Ziel war es, Fachkräfte mit multiplen Professionen einzuladen, welche die Möglichkeiten und Chancen bezüglich ihres Fachgebiets aufzeigen, um präventiv als pädagogische Fachkraft etwas für sich selbst zu tun.

Positiv in den Tag starten

Als die Auszubildenden die Schule betraten, begrüßte sie gleich ein Aushang an der Eingangstüre. Mit dem ausgehängten Kompliment „Dein Lächeln steht dir besonders gut!“, sollten alle positiv in den Tag starten. Denn wie die Projektleiterin auch bei Ihrem Vortrag erwähnte, ist der Start in den Tag eine Situation, die bewusst wahrgenommen und positiv gestaltet werden soll. Die Auszubildenden wurden der Corona-Verordnung folgend in zwei Gruppe aufgeteilt, weshalb jeder Dozent zwei Mal sein Fachwissen gepaart mit Erfahrungen und Übungen weitergab. Den Anfang machte Hörgeräteakustikermeister Marc Donner aus Buchen, der zunächst über das Ohr an sich und seine Funktionen referierte. Welche Schwierigkeiten bei Kindern auftauchen können und wann Erzieher sie sensibel erkennen und bearbeiten müssen, war ebenfalls Thema. Im Anschluss übernahm Logopädin Regina Stapf das Wort und führte einige Übungen vor. Durch verschiedene Methoden zeigte die Expertin den Auszubildenden auf, was sie präventiv zur Gesunderhaltung ihrer Stimme tun können. Es sei, so Stapf, keine Seltenheit, dass Erzieher ihr Sprechverhalten verändern und eine Logopädie aufsuchen müssen.

Darüber hinaus bekamen die zwei Gruppen von Roland Throm aufgezeigt, welche grundsätzlichen Leistungen es von einer gesetzlichen Krankenkasse gibt. Dabei stellte sich heraus, dass es weitaus mehr präventive Maßnahmen für den Rücken gibt. Throm gab außerdem auch ganz praxisnah einen guten Einblick, wann genau Belastungen im Tagesablauf einer pädagogischen Fachkraft möglich sind.

Mit der Physiotherapeutin Kistner kamen die Auszubildenden nochmal in Bewegung und waren nicht nur besonders interessiert, sondern hatten auch sichtlich Spaß. Mit einem Kinderstuhl und verschiedenen Kissen wurden verschiedene Sitzmöglichkeiten für die Fachkräfte im Alltag sowohl auf dem Boden wie auch an kleinen Tischen in den Einrichtungen demonstriert. Zudem legte die Therapeutin den Fokus auf ein rückenschonendes Aufstehen. Auch verschiedene Übungen für Zuhause und den Alltag bekamen die Teilnehmer mit auf den Weg.

Abgeschlossen wurde der Fachtag von der Projektleiterin. Leonie Senft gab zunächst einen Einblick in die Auswertung ihrer Umfrage zum Thema Belastungen im Berufsalltag pädagogischer Fachkräfte, welche sie sowohl mit 50 Auszubildenden durchführte als auch mit 50 Erziehern.

Im Anschluss war es Senft noch wichtig, auf die Work-Life-Balance zusprechen zukommen. Denn ihrer Meinung nach schlummern hier viele versteckte Belastungen. Angefangen von WhatsApp-Gruppenchats über Pausen, die eigentlich keine Pausen sind, bis zum Feierabend, in dem trotzdem noch Dinge für die Einrichtung gemacht werden. Ihr Ziel war es, den Auszubildenden Mut zu machen, von den Rechten als pädagogische Fachkräfte Gebrauch zu machen, diese aber erstmal zu kennen, wahrzunehmen. sie sollten diszipliniert genug sein, um auch sozial mit dem eigenen Körper umzugehen und demnach auch mit den eignen Ressourcen hauszuhalten.

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