Buchen

Spende des Lions-Clubs Buchen Arbeit des Frauen- und Kinderschutzhauses wird mit 1000 Euro unterstützt / Leiterin Saskia Emmenecker informierte über die Arbeit

Ruhe und Sicherheit vor gewalttätigen Männern

Buchen.Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Nach verschiedenen Erhebungen erleidet in Deutschland jede vierte Frau körperliche oder psychische Gewalt. Häufig kommen beiden Gewaltformen zusammen vor und häufig sind auch Kinder betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch, da viele Frauen sich schämen über das zu reden, was sie erleben, oder weil sie aus Angst vor der Reaktion des Mannes nicht zur Polizei zu gehen. Nachbarn, Freunde und Verwandte ahnen oft nicht, was sich in den Wohnungen der betroffenen Frauen und Kinder abspielt, weil die gewalttätigen Männer ein Doppelleben führen und nach außen hin als freundliche Ehemänner und liebevolle Väter auftreten.

Standorte bleiben anonym

Saskia Emmenecker, die Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses des Neckar-Odenwald- und des Main-Tauber-Kreises, berichtete beim Lions-Club Buchen über das Schicksal der Frauen und Kinder, die oft nach Monaten oder Jahren des Leidens im Frauen-Haus schließlich eine sichere Unterkunft und Hilfe finden. Der Vortrag von ihr ging bei den Zuhörern unter die Haut, entsprechend angeregt war die anschließende Diskussion. In Deutschland finden Emmenecker pro Jahr etwa 400 000 misshandelte Frauen Schutz in Frauenhäusern. Die Adresse der Frauenhäuser bleibe anonym, um das Auffinden der Frauen durch die Männer möglichst zu verhindern – nicht immer gelingt das. Ein Problem in diesem Zusammenhang sei die Ortung über das Handy.

Keine zeitliche Obergrenze

Das Frauenhaus des Neckar-Odenwald- und Main-Tauber-Kreises bietet elf Betten, verteilt auf fünf Zimmer. Das bedeutet, dass maximal fünf Frauen gleichzeitig im Haus Unterkunft finden können. Im Jahr 2019 waren laut der Leiterin insgesamt über das Jahr verteilt 24 Frauen und 27 Kinder untergebracht. Die Frauen können so lange bleiben, wie sie Schutz brauchen, erklärte Emmenecker. Es gebe keine zeitliche Obergrenze. Wenn die Frauen das Haus verlassen, gehen manche von ihnen zurück zu ihrem Partner – um oft nach kurzer Zeit erneut in das Frauenhaus zu „flüchten“. Andere kämen bei Bekannten oder Verwandten unter oder können eine eigene Wohnung beziehen.

Die Aufnahme von Frauen und ihrer Kinder sei an bestimmte Kriterien gebunden. So dürfe keine Suchterkrankung oder keine psychische Erkrankung vorliegen. Auch Obdachlosigkeit sei ein Ausschlusskriterium. Es dürfen auch keine Jungen ab 14 Jahren aufgenommen werde, so Emmenecker. Jungen ab 14 Jahren wirken in Körperbau und Gehabe oft schon sehr männlich was bei den Frauen Ängste auslösen kann, erklärte sie den Grund dafür. Flüchtlingsfrauen dürfen nur aufgenommen werden, wenn sie zuletzt in einem der beiden Landkreise gewohnt haben und wenn sie eine Kostenübernahmebescheinigung vorlegen können. Das Überprüfen der Kriterien sei oft schwierig. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses müssten darauf vertrauen, dass die Frauen die Wahrheit sagen.

Im Frauenhaus teilen sich drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen 1,5 Stellen. Alle Mitarbeiterinnen haben ein psychologisch und pädagogisch orientiertes Studium absolviert. Im Haus sollen die Frauen und Kinder zunächst Ruhe und Sicherheit finden. Sie werden zur Wiedergewinnung des seelischen Gleichgewichts durch die fachlich gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen betreut. Es werden Beratungen in familien- und sozialrechtlichen Fragen und auch Hilfestellung für die Zeit nach dem Frauenhaus angeboten. Für die Kinder im schulpflichtigen Alter werden Unterrichtsmöglichkeiten in benachbarten Schulen organisiert. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen werden unterstützt durch derzeit 18 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die in den Abendstunden den Bereitschaftsdienst übernehmen.

Der Präsident des Lions-Clubs Buchen, Klaus Holderbach, und die Vorsitzende des Fördervereins, Inge Evertz, bedankten sich bei Saskia Emmenecker für den eindrucksvollen Einblick in das Aufgabenspektrum des Frauenhauses und überreichten zur Unterstützung der Arbeit einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

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