Buchen

Freude bei allen Beteiligten Projekt „Hochwasserschutz, Renaturierung und naturnahe Gestaltung am Hiffelbach“ in Bödigheim ist fertiggestellt

Roland Burger: „Wir haben viel erreicht“

Archivartikel

Das Projekt „Hochwasserschutz, Renaturierung und naturnahe Gestaltung am Hiffelbach“ in Bödigheim ist fertiggestellt. Bei der offiziellen Übergabe gab es zufriedene Gesichter trotz Nieselregens.

Bödigheim. „Wir freuen uns über diese offizielle Übergabe, auch wenn noch nicht alle Hochwassermaßnahmen in Bödigheim erledigt sind – schließlich handelt es sich hier um einen zentralen Punkt“, so Bürgermeister Roland Burger am Donnerstag auf dem neuen Parkplatz am Hiffelbach in Bödigheim. „Wir haben viel erreicht“, zeigte er sich mit Blick auf die lange Vorgeschichte zufrieden. Der Parkplatz gehört zum Projektteil der Stadt Buchen und ermöglicht in unmittelbarer Nähe die Ansiedlung eines Dorfladens. In rund um die Uhr zugänglichen Automaten werde ein breites Sortiment angeboten.

„Ein Gesamtkunstwerk“

Laut Dr. Gregor Kühn von der Firma Wald und Corbe war der Hiffelbach an dieser Stelle nicht leistungsfähig. Das Bachbett sei immer enger geworden und der Verlauf sei ungünstig gewesen. Bei den Maßnahmen habe man nicht nur das Jahrhunderthochwasser im Blick gehabt, sondern auch die klimatische Entwicklung. „Unser technischer Hochwasserschutz ist ein Gesamtkunstwerk“, meinte der Verbandsvorsitzende Bürgermeister Thomas Ludwig vom Zweckverband „Hochwasserschutz Einzugsbereich Seckach-Kirnau“. Er bestehe aus den überörtlich wirkenden Hochwasserrückhaltebecken und den ergänzenden Maßnahmen in den Ortslagen. Der Hiffelbach ist eines von drei Fließgewässern, die sich ihren Weg durch die Gemarkung Bödigheim in die Seckach bahnen. Mehr noch als der Wolfsgrund- und der Hägenichbach ist er das ortsbildprägende Gewässer im Herzen von Bödigheim. Nicht erst bei den Jahrhunderthochwassern im Dezember 1993 und Januar 1995 wurde deutlich, dass die besagten Bachläufe eine zu geringe „Leistungsfähigkeit“ aufweisen. Die im Jahre 1997 fertiggestellte Flussgebietsuntersuchung des Ingenieurbüros Wald und Corbe (Hügelsheim) kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die hydraulischen Verhältnisse verbessert werden müssen. Ziel bei den Berechnungen ist stets der Schutz vor einem rechnerisch alle 100 Jahre vorkommenden Hochwasserereignis.

Akuter Handlungsbedarf

Speziell am nun fertig umgestalteten Teil des Hiffelbachs östlich der Hauptstraße (L 519), der noch bis letztes Jahr lediglich ein statistisch alle 20 Jahre auftretendes Hochwasser schadlos abführen konnte, bestand akuter Handlungsbedarf. Durch eine starke Verkrautung des Gewässerlaufs, eine fast rechtwinklige Richtungsänderung direkt nach dem Brückenbauwerk sowie einer Fußgänger- und einer Privatzufahrtsbrücke war der Abflussquerschnitt schwer eingeschränkt – in der Folge war die Leistungsfähigkeit für den Ernstfall bei Weitem zu gering. Mit einer Überschwemmung hätte gerechnet werden müssen.

Nach langwierigen Grundstücksverhandlungen konnte im August 2017 die wasserrechtliche Genehmigung für das Vorhaben erteilt werden. Die Baumaßnahmen wurden im ersten Halbjahr 2019 ausgeschrieben, den Auftrag erhielt als günstigster Bieter die Firma Kretz aus Mosbach. Baubeginn war am 29. Juli 2019. Maßnahmenträger sind die Stadt Buchen und der „Zweckverband Hochwasserschutz Seckach/Kirnau“.

Zunächst wurde ab dem ehemaligen Kindergarten gegen die Fließrichtung der Querschnitt des Gewässers vergrößert, die Böschung neu angelegt sowie die Sohle naturnah umgestaltet. Um dem Leitziel der Wasserbehörde, dem „Erlebbarmachen von Gewässern“, gerecht zu werden, wurde gleichzeitig auch ein Fußgängerweg in Fließrichtung links entlang des Hiffelbachs angelegt, dessen linke Begrenzung die neue Hochwasserlinie bildet. Nicht nur der alte Steg und die Stahlbe-tonbrückenplatte mussten dem Hochwasserschutz weichen, sondern auch die einfassenden Mau-ern rechts und links des Bachlaufs. Oberhalb der Privatzufahrt wurde die scharfe Kurve im Gewässerlauf entschärft und so dem Abfluss mehr Raum gegeben.

Ansprechend und naturnah

Optisch ansprechend und naturnah gestaltet wurde außerdem der obere Teil der Sohle sowie die Böschungen und einzelne Störsteine tragen zu einem tierfreundlichen Strömungszustand bei. Die besagte Hochwasserlinie wechselt ungefähr auf Höhe der ehemaligen Stahlbetonbrücke auf die rechte Seite des Fußgängerwegs und wird am rechten Ufer durch eine massive Muschelkalkmauer ergänzt. Die verbleibenden Entwässerungen in den Hiffelbach wurden wasserbaulich korrekt eingefasst und mit Rückstauklappen versehen, um auch im Extremfall ein sogenanntes „Hinterlaufen“ zu verhindern. Abschließend wird rund um „künstlerisch wertvolle“ abgestorbene Wurzeln die künftige Bepflanzung im Herbst durch die Stadt Buchen vorgenommen. Neben den notwendigen „reinen“ Hochwasserschutzmaßnahmen wurde in der Ortsmitte Bödigheim so ein „naturnaher Erlebnisbereich Gewässer“ geschaffen. Verbessert wurde auch die innerörtlichen Fußweg- und Parkplatzsituation, „was insgesamt eine große Aufwertung des gesamten Bereiches bedeutet“, wie Ortsvorsteher Martin Heyder unterstrich.

Geändert werden muss nun die Gefahrenkarte für diesen Bereich. Es hat sich bisher um rechtskräftiges Überschwemmungsgebiet gehandelt, in dem nur unter sehr erschwerten Bedingungen gebaut werden durfte. Durch die Maßnahme entfällt dies, und eine innerörtliche Entwicklung wird möglich.

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