Buchen

Jüdischer Friedhof in Bödigheim Informationstag am Sonntag, 15. September / Veranstaltung der Stadt Buchen und der Sitftung Bücherei des Judentums

Restaurierter jüdischer Leichenwagen wird präsentiert

Bödigheim.Ein Informationstag rund um den jüdischen Friedhof in Bödigheim findet am Sonntag, 15. September, statt. Hierbei wird auch der restaurierte jüdische Leichenwagen präsentiert. Der jüdische Bezirksfriedhof, ein heute mystisch wirkendes Kleinod am Ortsrand von Bödigheim an der Straße nach Waldhausen gelegen, ist im Raum Buchen eines der wenigen noch sichtbaren Relikte einer vergangenen jüdischen Kultur.

Der Infotag wird um 14 Uhr von Bürgermeister Roland Burger und Landrat Achim Brötel eröffnet. Der Vorsitzende der Stiftung Bücherei des Judentums Hermann Schmerbeck hält einen Vortrag „Der jüdische Leichenwagen von Bödigheim“. Reinhardt Lochmann berichtet von der Geschichte des jüdischen Bezirksfriedhofs. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zur Besichtigung des jüdischen Leichenwagens, sowie die Teilnahme an Führungen über den jüdischen Friedhof durch Gerlinde Trunk und Reinhart Lochmann.

Der jüdische Leichenwagen wurde vermutlich um 1911 vom israelitischen Begräbnisverein Bödigheim angeschafft. Er diente der Beförderung der gestorbenen Personen der 20 Mitgliedsgemeinden des jüdischen Bezirksfriedhofs Bödigheim. Der heutige Besitzer ist die israelitische Religionsgemeinschaft Baden. Umfangreiche Onlinerecherchen haben gezeigt, dass sich nur sehr wenige israelische/jüdische Begräbnisleichenwagen beziehungsweise -kutschen im gesamten europäischen Raum erhalten haben.

Schlechter Zustand

Von Mitte 2017 bis Ende 2018 wurde der Leichenwagen mit Zuschüssen des Landesamts für Denkmalpflege und der Stadt Buchen sowie Spendengeldern im Auftrag der Stiftung Bücherei des Judentums durch die Firma Immel Restaurierung in Ilshofen restauriert. Es erfolgte unter anderem eine Schädlingsbehandlung, konservatorische Reinigung der Oberflächen und Korrosionsentfernung. Der Zustand des Wagens vor der Restaurierung war schwierig. Der Großteil der Holzbauteile war vom gemeinen Nagekäfer (anobium punctatum) befallen und die Metallteile waren mit Rost überzogen. Die rechte Bohle des Bodenrahmens im Bereich der Federbefestigung und die rechte Türe waren aufgrund des Anobienbefalls durchgebrochen. Die Balustersäulen waren entweder ebenfalls gebrochen oder wiesen erhebliche Fehlstellen auf. Dies alles machte verschiedene Restaurierungsmaßnahmen notwendig. Ende März 2019 wurde der Leichenwagen schließlich nach erfolgreicher Restaurierung wieder zu seiner ursprünglichen Stätte auf dem Friedhof in Bödigheim zurücktransportiert, wo er auch in Zukunft stehen soll.

Hinweis für die Veranstaltung: Auf jüdischen Friedhöfen ist es üblich, dass männliche Besucher eine Kopfbedeckung tragen. Besucher sollten dies berücksichtigen. Einige Kippas (traditionelle jüdische Kopfbedeckung) liegen vor Ort aus. Zwecks besserer Koordinierung sollten sich Interessierte anmelden.

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