Buchen

Kirchenchor St. Oswald Mitglieder haben am Dienstag im Museumshof erstmals wieder geprobt / Horst Berger hat die Zeit zum Komponieren genutzt

Quartett trägt am Sonntag neues Rochus-Lied vor

Archivartikel

Für die rund 70 Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors St. Oswald gehört die wöchentliche Probe einfach dazu. Umso härter traf Corona die Chorgemeinschaft.

Buchen. Die Singstunde entfiel während der letzten Wochen für die Mitglieder des Kirchenchors St. Oswald ebenso wie jegliche Zusammenkünfte. Das hat nun ein Ende: Nachdem neue Regularien wieder einen Probebetrieb ermöglichen, traf sich der Chor am Dienstag im Museumshof zur ersten Probe seit März. Die Fränkischen Nachrichten wohnten dem etwas anderen Abend bei und unterhielten sich vorab mit dem zweiten Vorsitzendem Lukas Schäfer.

Was ist das für ein Gefühl, wieder proben zu dürfen?

Lukas Schäfer: „Das bringt gemischte Gefühle hervor. Zum einen freut man sich, endlich wieder gemeinsam Musik machen zu dürfen und gute Freunde wieder zu sehen. Andererseits erscheint es fast unwirklich, dass man nun plötzlich doch so schnell wieder proben darf.“

Welche Gefühle begleiteten Sie und den Chor unmittelbar nach der coronabedingten Aussetzung der Proben?

Schäfer: „Auf dem Höhepunkt des Lockdowns hatte man sich für eine längere Zeit gewappnet. Wir haben wie die meisten Erwachsenenchöre viele Mitglieder im gefährdeten Alter. Da war man froh, diese schützen zu können. Natürlich haben wir es aber sehr bedauert, auf Musik und Gemeinschaft verzichten zu müssen.“

Wirkte sich diese „Zwangspause“ in irgendeiner Weise auf den Chor oder das Vereinsleben aus?

Schäfer: „Gerade durch die Altersstruktur kam das Vereinsleben fast vollständig zum Erliegen. Wie viele Gruppierungen nahm zwar auch der Kirchenchor St. Oswald an der ,Klopapier-Challenge’ teil, bei der kurze Videosequenzen rund um eine Klopapierrolle ausgetauscht wurden, jedoch beschränkte sich das bei uns auf einen kleinen Teil smartphone-affiner Mitglieder. Darüber hinaus haben wir versucht, per E-Mail und einer Postkartenaktion in Kontakt zu bleiben, den Zusammenhalt zu stärken und das Vereinsleben zu erhalten. Dafür haben wir sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Gut getan hat uns auch die Gestaltung einer Meditationseinheit im Livestream der katholischen Seelsorgeeinheit Buchen. Dabei konnten wir auf tiefe gemeinschaftliche Erfahrungen sowie Texte und Melodien aus unserem letzten musikalischen Großprojekt ,The Wall’ im Herbst 2019 zurückgreifen.“

Was schreibt das Hygienekonzept der Erzdiözese Freiburg vor?

Schäfer: „Wesentliche Punkte sind neben den Hygieneregeln – Händehygiene, Husten- und Niesetikette und dergleichen – vor allem feste Sitzplätze mit zwei Metern Abstand und geeignete Proberäume, die groß genug sind, um die Abstandsregel zu ermöglichen und ein großes Luftvolumen haben. So sollen die Decken mindestens dreieinhalb Meter hoch sein. Am sichersten ist die Probe im Freien. Um mögliche Infektionswege zurückverfolgen zu können, muss jeder Teilnehmer ein Anmeldeformular ausfüllen.“

Welche organisatorischen Herausforderungen birgt die Wiederaufnahme der Proben in sich?

Schäfer: „Die Hauptschwierigkeit bestand darin, einen geeigneten Raum zu finden. Buchen bietet aber mit dem Museumshof einen optimalen Open-Air-Proberaum. Bei schlechtem Wetter hätten wir in die Stadtkirche St. Oswald ausweichen müssen. Die Probe mit dem großen Abstand und unter freiem Himmel wird eine musikalische Herausforderung, da der Klang ein ganz anderer sein wird als gewohnt. Ein logistisches Problem war, wie wir unsere Stühle vom Wimpinahaus zum Museumshof bringen würden. Hier ist uns die Stadtkapelle, die hier ihren Proberaum hat und zu der wir schon lange eine gute Partnerschaft pflegen, beigesprungen und stellt uns ihre Stühle für die Probe zur Verfügung. Bedauerlich ist, dass unser gemeinsam mit der Stadtkapelle veranstaltetes Vorsommerfest im Museumshof dieses Jahr pandemiebedingt nicht stattfinden konnte.“

Gibt es eine zugelassene Maximalanzahl von Sängern in diesen Zeiten?

Schäfer: „Die zulässige Maximalzahl orientiert sich an der Abstandsregel. Der Museumshof bietet genügend Platz, dass alle Sängerinnen und Sänger, die teilnehmen möchten, mit ausreichendem Abstand teilnehmen können.“

Erschwert die vorübergehende Einstellung der Proben die Vorbereitung auf das Fest zu Ehren des Heiligen Rochus?

Schäfer: „Es sieht so aus, dass statt dem ganzen Chor nur ein Quartett beim Gottesdienst am kommenden Sonntag singen wird. Ein Grund ist, dass die Anzahl der Gottesdienstteilnehmer und der Sänger wegen der erhöhten Aerosolabgabe reduziert werden musste. Zum anderen sind wir nach der Pause etwas aus der Übung. Bevor wir uns wieder mit allen Sängerinnen und Sängern an die Gestaltung eines öffentlichen Gottesdienstes wagen, brauchen wir doch noch eine etwas längere Probephase.“

Können nach dieser vergleichsweise langen Pause und in so kurzer Zeit neue Stücke einstudiert werden?

Schäfer: „Unser Chorleiter, Kirchenmusiker Horst Berger, hat die Pause gut genutzt und ein neues Rochus-Lied komponiert, zu dem Christof Kieser den Text verfasste. Dieses wird unser Quartett am Sonntag im Gottesdienst vortragen. Darüber hinaus werden Auszüge aus der Messe „Missa Katharina“ von Jacob de Haan unter Begleitung der Stadtkapelle Buchen gegeben, was in leicht veränderter Form schon länger geplant war.“

Wie und wann geht es nach der Sommerpause weiter; spielen auch dann Corona-Richtlinien noch eine Rolle?

Schäfer: „Tatsächlich haben wir für die Zeit nach der Sommerpause keine fixen Termine. Wir warten ab, wie sich die Situation, die Rechtslage und die Empfehlungen der Erzdiözese Freiburg bis dahin entwickeln und dann reagieren. Anvisierte Auftritte sind dann erst ein Gottesdienst zum Christkönigfest am 22. November oder Weihnachten. Daher haben wir bis dahin dann noch genügend Vorbereitungszeit.“

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