Buchen

„Marienhöhe“ in Buchen Landwirt Michael Schüssler kritisiert geplantes Baugebiet / „Für verlorene Ackerfläche gibt es keinen Ausgleich“

„Natur- und Erholungsraum geht verloren“

Archivartikel

„Am Schluss bleibt nur der Schrott übrig“, befürchtet Landwirt Michael Schüssler aus Hainstadt. Er bewirtschaftet eine 6,5 Hektar große Fläche auf der Marienhöhe, wo ein Neubaugebiet entstehen soll.

Buchen. Michael Schüssler baut seit Jahren auf einer gepachteten Fläche auf der Marienhöhe Rüben und Getreide an. Derzeit liegen zwei große Haufen Zuckerrüben auf dem Acker. „Das war ein sehr gutes Jahr für Zuckerrüben“, stellt er fest. Von der Kuppe der Höhe aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt mit Kirchturm und Stadtturm. Spaziergänger laufen mit Hunden vorbei. „Am Wochenende gehen hier Leute ohne Ende spazieren“, sagt der Landwirt. „Einige wollten auf meinem Rübenroder mitfahren.“

Mit der Erschließung des Baugebiets verlieren die Landwirte nicht nur eine Ackerfläche mit überdurchschnittlich guter Bodenqualität. Nach Meinung von Schüssler geht den Bürgern auch Natur- und Erholungsraum verloren. Spaziergänger und Jogger müssten in wenigen Jahren dort durch ein Wohngebiet laufen. „Das tut mir weh, wenn das mal nicht mehr da ist.“ Im nächsten Jahr wird Schüssler hier Sommerweizen anbauen. Wann der von ihm gepachtete Acker für das Baugebiet erschlossen wird, weiß Schüssler nicht. Noch habe der Eigentümer die Fläche nicht an die Stadt Buchen verkauft.

„Nicht wählerisch.“

„Wir reden alle von Biodiversität“, meint Schüssler. „Unser Landkreis nennt sich Bio-Musterregion. Aber bei der Auswahl von Bauland ist man nicht wählerisch.“ Guter Boden wie der auf der Marienhöhe mit einer Qualität von 65 bis 70 Bodenpunkten speichere nicht nur besser Wasser, was vor allem bei trockenen Sommern wichtig sei. Nach den Worten von Schüssler bindet er auch mehr Kohlendioxid (CO2). Für die verlorene Ackerfläche gebe es keinen Ausgleich. Denn was bisher Wiese ist, müsse Wiese bleiben und dürfe nicht als Acker genutzt werden.

Nach- und Umdenken

„Wir Landwirte werden an den Pranger gestellt“, klagt der Bauer. Dabei könne die Landwirtschaft CO2 binden. Dazu brauche man allerdings gut funktionierende Böden für den Humusaufbau. „Das ist zum Beispiel am Wartturm nicht so gegeben wie auf der Marienhöhe“, erläutert Michael Schüssler. Er appelliert deshalb an Bürger, sich über diese Zusammenhänge Gedanken zu machen und sich zum Beispiel in Leserbriefen öffentlich zu Wort zu melden. „Unser Potenzial an Biodiversität geht immer mehr verloren. Am Schluss bleibt nur der Schrott übrig.“ Der Landwirt will zum Nachdenken und schließlich zum Umdenken anregen. „Es gibt auch Leute, die anders denken“, sagt er.

Auf der Marienhöhe soll ein Baugebiet mit einer Gesamtfläche von über 35 Hektar entstehen. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, werde man dieses in drei Abschnitten realisieren. Mit dem ersten Ausbauabschnitt mit einer Fläche von 20,4 Hektar werde man in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres beginnen. Voraussichtlich würden dort 181 Bauplätze ausgewiesen. Die ersten Wohnhäuser könnten schon im Laufe des Jahres 2021 entstehen. Der Stadtverwaltung liegen bereits über 200 Reservierungen für die geplanten Bauplätze vor.

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