Buchen

Ausstellung im Buchener Rathaus eröffnet Werke der Buchener Künstlerin Lisa Pfündel sind bis 22. November im Foyer zu sehen

„Motive und Szenen, die es nicht mehr gibt“

Selten haben so viele Besucher an einer Ausstellungseröffnung im Rathausfoyer teilgenommen wie am Dienstagabend. Dort sind bis zum 22. November Werke von Lisa Pfündel zu sehen.

Buchen. Die Buchener Malerin Lisa Pfündel wäre am Dienstag 90 Jahre alt geworden. Jetzt ist ihr eine Ausstellung im Buchener Rathaus gewidmet. „Buchen hat eine große Tradition in gegenständlicher Malerei“, stellte Bürgermeister Roland Burger in seiner Ansprache fest. Er schätze zwar auch abstrakte Kunst, wie sie häufig im Kulturforum „Vis-à-vis“ gezeigt werde. „Dennoch habe ich mich auf diese Ausstellung besonders gefreut“, sagte Burger. Gern verzichte er für die kommenden sechs Wochen auf das Gemälde „Schweinemarkt in Buchen“, das normalerweise in seinem Dienstzimmer hängt, jetzt aber in der Ausstellung gezeigt wird.

Romantischer Realismus

Lisa Pfündel habe sich der Malerei im Stil des romantischen Realismus’ gewidmet. Die Werke zeigten „Momentaufnahmen von Motiven und Szenen, die es nicht mehr gibt“ aus Buchen, Walldürn, Miltenberg und aus Urlaubsorten. Lisa Pfündel habe „detailreich und charmant“ gemalt. „Sie hat es verstanden, Stimmungen zu transportieren“, betonte Burger. Er dankte der Familie Pfündel und den Leihgebern für die Ausstellung und dem Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler für seine Unterstützung.

Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger Josef Frank ging zunächst auf die Biografie der Künstlerin ein. Lisa Pfündel wurde am 8. Oktober 1929 in Rabenau in Sachsen geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Porzellanmalerin in der Sächsischen Porzellanmanufaktur Freital-Potschappe. Danach arbeitete sie in der weltbekannten Porzellanmanufaktur Meißen. Im Jahr 1956 siedelte sie mit ihrem Mann nach Buchen über. Bald befasste sie sich autodidaktisch mit Graphik und Ölmalerei. Sie wählte als Kunstgattung den Realismus. „Bei ihren Bildern muss man nicht den Künstler fragen, was das Bild darstellt, sondern das Bild sagt es einem selbst“, stellte Frank fest. Anfangs habe Pfündel hauptsächlich Blumen und Landschaftsbilder gemalt, später Architektur und Figürliches.

Nahe an der Wirklichkeit

„Durch ständige Verfeinerung der Technik kam Lisa Pfündel zu einer größtmöglichen, fast fotografischen Annäherung an die Wirklichkeit“, sagte Frank. Sie sei Gründungsmitglied der Kunstmalgemeinschaft Heidelberg und Mitglied des Kunstvereins Neckar-Odenwald gewesen. Sie erhielt für ihre Bilder zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem für ihr Bild „Schweinemarkt in Buchen“. Frank wies darauf hin, dass bis in die 70-er Jahre hinein in der Kellereistraße vierwöchentlich ein Schweinemarkt stattgefunden habe. Deshalb regte er an, dort einen „Säulesbrunnen“ aufzustellen.

„Für mich war Lisa Pfündel eine Wegbegleiterin in meiner Arbeit der Stadtsanierung“, erinnerte sich Josef Frank. Sie habe viele Fachwerkhäuser und Brunnen von Buchen gemalt. Er lobte das „hohe Maß an Können“ der Künstlerin, der es gelungen sei, die Betrachter ihrer Bilder „stimmungsmäßig in ihren Bann zu ziehen“. Besonders erwähnte Frank das Gemälde „Narrenhände beschmieren Tische und Wände“, mit dem sie das Verunstalten der Fassade an der Alten Universität in Heidelberg in den 70-er Jahren kritisierte.

Als Pfündel aus gesundheitlichen Gründen die Malerei aufgeben musste, widmete sie sich der Ahnenforschung. Innerhalb von 17 Jahren entstand ein Werk mit 1500 Seiten, über sechs Kilogramm schwer, das nicht nur über die 17 Generationen der Familie Pfündel informiert, sondern die Lebensweise in Plauen über 400 Jahre hinweg darstellt.

Josef Frank sieht Lisa Pfündel in einer Reihe mit Buchener Künstlern wie Emelé, Schnarrenberger, Schwerin, den Hollerbacher Malern, Gegenbauer, Tschamber, Reum und Frank. Der Alt-Bürgermeister regte an, das Areal um das „Klösterle“ in der Obergasse für ein Malerhaus zu nutzen, um dort die Werke hiesiger Künstler zu zeigen.

„Meine Mutter hatte in Kunst immer eine Eins“, erinnerte sich Henry Pfündel in seiner Ansprache. Wegen ihrer ruhigen Hand sei sie auch als Porzellanmalerin sehr gefragt gewesen. Nach ihrer Ankunft in Buchen habe sie ihren Malstil ständig verfeinert. „Sie saß von morgens bis abends mit ihre Reisestaffelei in der Natur und in vielen Städten“, sagte Pfündel. Ihre letzte Ausstellung erlebte sie im Jahr 2006 im Rahmen der Buchener Kultnacht in der Mittelmühle. Von dem großen Besucherzuspruch sei sie überwältigt gewesen.

Seit dem Jahr 1993 habe sie sich der Ahnenforschung gewidmet. Von April bis Oktober habe sie in Archiven Material gesammelt, das sie in den Wintermonaten ausgewertet habe. So entstand ein Buch mit 1500 Seiten. Ein Exemplar davon stehe im Stadtarchiv Plauen, ein weiteres im Sächsischen Staatsarchiv in Dresden. Das dritte blieb bei der Familie und kann im Rahmen der Ausstellung besichtigt werden. Henry Pfündel bedankte sich bei der Stadt Buchen für die Organisation der Ausstellung und bei den beiden Rednern für ihre Ansprachen sowie bei dem Akkordeonspieler Vincent Fichtler für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung. mb

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