Buchen

Mariä Himmelfahrt

Archivartikel

Am Donnerstag steht im Kalender ein Fest, das gar nicht zu unserem Selbstverständnis passen will: Im Volksmund heißt es „Mariä Himmelfahrt“. Diese Formulierung bringt uns aber auf gedankliche Abwege. Sie legt nämlich für manche nahe, Maria habe am Ende ihres Lebens nach Art eines UFO abgehoben, habe sich kraft eigener Möglichkeiten unter Missachtung der Erdanziehung nach oben hin abgesetzt. Das Hochfest heißt mit richtigem Namen „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Darin kommt zum Ausdruck, dass nicht Maria die Handelnde ist, sondern dass Gott an ihr handelt.

Bibelfeste werden sagen: Das steht doch nirgends im Neuen Testament! Wie kann es dann zu einer solchen Lehre kommen? Auch ohne Schrifthinweis hat die Ostkirche bald nach dem Konzil von Ephesus (431) das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel gefeiert. Gelehrt wurde die Aufnahme Mariens in den Himmel zumeist seit dem 10. Jahrhundert. Am 1. November 1950 dogmatisierte Papst Pius XII. folgendes: „…es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist“.

Dieses Dogma mag zu Missverständnissen Anlass geben. Sollten wir annehmen, im Himmel säße eine alte Frau namens Maria, gewissermaßen für die Ewigkeit konserviert? Der Himmel verkäme zum Mausoleum.

Unser Leib ist vom Stoffwechsel abhängig und Alterungsprozessen ausgesetzt. Das kann doch wohl nicht gemeint sein mit der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Ein Himmel, in dem sich unsere Gebrechlichkeit und Abhängigkeit fortsetzte, wäre die verewigte Erdenqual und das Gegenteil von himmlisch. Gemeint ist der verklärte Leib, der von den Leiden der Zeit befreit ist. Auch die Vorstellung von Himmel als einen Ort ist abwegig.

Himmel ist kein Ort, sondern ein Zustand, und zwar den Zustand vollkommenen Aufgehobenseins, beseligender Geborgenheit in Gott.

Aber warum heißt es dann „mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen“? Diese Formulierung will besagen, Maria ist ganz und gar zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen. In unserem Sprachgebrauch sagen wir doch auch oft, jemand „sei mit Leib und Seele bei der Sache“.

Die Mutter Jesu ist in vollkommener und beseligender Weise in Gott geborgen und zeitlos in Gott vollendet. Letztendlich sagt es also nur das, was viele für sich, ja für alle erhoffen, als an Maria bereits geschehen, aus: „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“. Dass Maria vollendet ist, schon jetzt, das hat die Kirche auch ohne das Dogma geglaubt. Angesichts des unauslotbaren Geheimnisses Gottes und seines uns zugewendeten Heils vermag die zeitbedingte Sprache der Dogmen nur eine klägliche Ahnung zu vermitteln.

Aber wir können jenseits dieser Begrenzung etwas von Gottes unsäglicher Weite und Güte erahnen.

Pfarrer Klaus Vornberger, Seelsorgeeinheit Buchen

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