Buchen

Konzert im Klösterle Die Leipziger Jazzsängerin Karolyna Trybala und das Stuttgarter „Sophisticated Orchestra“ begeisterten das Publikum

Lebensfreude, positive Gefühle und Zuversicht

Buchen.Worte sind Worte. Und Töne? Die sind Töne. Ganz besondere Töne – instrumental und vokal – läuteten am Freitag im Buchener Beginenklösterle das Wochenende ein: Die Leipziger Jazzsängerin Karolyna Trybala präsentierte in kongenialer Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter „Sophisticated Orchestra“ eine ausgesprochen interessante Melange mit den Bestandteilen „Chanson“, „Swing“ und „Klezmer“ sowie polnisch und jüdisch inspirierten „Zuckerstückchen“.

Eröffnet wurde der Abend nicht durch das gesungene, sondern das gesprochene Wort – und zwar von und mit Dani Arnold. Die Hardheimer Singer-Songwriterin lernte Karolina Trybala 2013 im Museumshof kennen, ehe der Funke spontan übersprang und sich bis heute regelmäßig auf Gesangsworkshops im Hardheimer „Bahnhof 1910“ überträgt. So kurz wie herzlich begrüßte auch Karolina Trybala ihre Fans, ehe sie – perfekt begleitet von Andrew Andrews (Schlagzeug) und Sascha Kommer (Klavier und Kontrabass) – mit „Heute nacht oder nie“ eine nonchalante Aufforderung an sanfte, aber gleichwohl stimmungsvoll zum Himmel „gejazzte“ Gefühle zum Besten gab. Auf Django Reinhardts Frühlingslied „Coucou“ folgte die Moritat von „Mackie Messer“ aus der „Dreigroschenoper“. Aber Karolina Trybala wäre nicht sie selbst, hätte sie das bekannte Stück auf eine so eigentümliche wie charakterstarke Art interpretiert: Zwei polnisch gesungene Strophen wurden in deren Dreie mit deutschem Texte eingebettet. Begeisternd und voller Leidenschaft zog schließlich mit gleichnamigem Werk der „Caravan“ durch das Klösterle – oder doch die Wüste? Jedenfalls folgte ihm das Publikum mit großer Freude und reichem Beifall.

Klassische Jazzklänge

Nachdem mit „I Got Rhythm“ klassische Jazzklänge unter die Haut gingen, folgte ein auf Polnisch gesungenes Rezept für die als Gegenstück zur süddeutschen Maultasche anzusehenden Pierogi. Sie werden aus Eiern, Mehl, Wasser und weiteren Zutaten hergestellt, die jedoch mancher Musiker eher in seine Lieder gibt: Das Wichtigste nämlich sei Lebensfreude in Verbindung mit positiven Gefühlen, Zuversicht und guter Gesellschaft. Und genau das drückte der Abend in jeder Note aus, wie auch „Quizas, quizas, quizas“ bewies, ehe „Sous le ciel de Paris“ von Edith Piaf die Zuhörer zu einem musikalischen Spaziergang durch die „Stadt der Liebe“ mitnahm.

Dafür freilich musste niemand das Klösterle verlassen: Es reicht bekanntlich vollkommen, mit geschlossenen Augen die Macht der Träume auf sich wirken zu lassen. Das konnte man auch beim jüdischen Klezmer-Chanson „Bei mir biste schön“ tun, um sich zu den getragenen Takten von „Paris sera toujours Paris“ – ursprünglich vom legendären Maurice Chevalier interpretiert und 2014 durch die junge Sängerin Zaz wieder entdeckt – emotional wieder zwischen dem Eiffelturm und einer kleinen Patisserie wieder zu finden. Einen ähnlichen Werdegang wies „Puttin’ On The Ritz“ auf: Von nicht wenigen als Erkennungsmelodie des niederländischen Pop-Crooners Taco Ockerse und Kulthit des Jahres 1982 vermutet, ist das Lied weitaus älter und wurde bereits 1929 von Irving Berlin verfasst. Auch diesen mitreißenden Swing-Song hatte Karolina Trybala mit der deutschen Passage „wo es auch sei, Liebe ist dabei“ wirkungsvoll veredelt.

Kaum war der letzte Ton verklungen, legte sich die ausgesprochen sympathisch durch den Abend führende Musikerin erneut die Gitarre um den Hals und stimmte „Je ne veux pas travailler“ an – eine hemmungslose und ebenso charmante Ode an eine hedonistische Lebensart, die das Herz erfreut und dem Alltag viel Hektik abhanden kommen lässt. Mystische Klänge inklusive der von Hardheimer Auftritten bestens bekannten Shrutibox servierte sie mit „Miserlou“, während alle Chansonliebhaber mit „Ne me quitte pas“ umso intensiver auf ihre Kosten kamen: Hier standen sich voll subtiler Raffinesse drei europäische Sprachen – französisch, polnisch und deutsch – gegenüber, um von stilvoller Musik regelrecht in den Arm genommen zu werden.

Beste Unterhaltung

Das ist sie eben, die hohe Schule der Abendunterhaltung; vom Publikum genossen, perfektioniert und auf die Spitze getrieben von Karolina Trybala und dem „Sophisticated Orchestra“, das den Abend nach der Ode auf die „Schwarzen Augen“ mit der frenetisch er- und bejubelten Zugabe „Besame Mucho“ abrundete. Auf sehr persönliche Weise verabschiedeten sich die drei Künstler schließlich von ihren Fans, die nicht nur nach diesen 90 Minuten längst zu Freunden geworden waren. ad

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