Buchen

Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr tagte Gutachten zur Madonnenlandbahn / Vier Varianten für eine spannende Entwicklungsachse

Landrat Dr. Brötel: „Wir haben viele gute Argumente gehört“

Buchen.Intensiv mit der Zukunft der Madonnenlandbahn beschäftigte sich der Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr bei einer Sitzung im Kompetenzzentrum der AWN in Buchen.

„Wenn sich das Angebot auf dieser spannenden Entwicklungsachse nicht verbessert, verliert die Madonnenlandbahn noch mehr an Attraktivität und damit auch weitere Fahrgäste“, erläuterte Landrat Dr. Achim Brötel eingangs. Dabei verwies er auf die Hintergründe der Untersuchung: Im Rahmen des Positionspapiers des Kreistags „Zukunft Schiene – Mehr Takt und Qualität für den Neckar-Odenwald-Kreis“ habe man im Dezember 2017 unter anderem auf die unbefriedigende Situation auf der Madonnenlandbahn Bezug genommen. Bei einem Gespräch im Frühjahr 2018 mit dem Amtschef des Verkehrsministeriums, Professor Dr. Uwe Lahl, sei dann vereinbart worden, eine Zukunftsuntersuchung zur Madonnenlandbahn in Auftrag zu geben. Das Land sagte die Übernahme der hälftigen Kosten zu, die andere Hälfte trugen der Landkreis Miltenberg und der Neckar-Odenwald-Kreis gemeinsam.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden nun den Ausschussmitgliedern durch Projektleiter Marten Maier vom beauftragten Beratungsbüro SMA aus Frankfurt vorgestellt. „Was wir nicht bieten können, ist eine genaue Prognose zu den Fahrgastzahlen. Aber wir sagen Ihnen, mit welchen Varianten die Bahn die beste Aussicht auf Zuwächse hat“, erklärte Maier.

Fahrplan berücksichtigt

Für das methodische Vorgehen habe das Büro zunächst einen Bezugsfall definiert, so Maier, also denjenigen Fall, der ohnehin durch die vorherrschenden Rahmenbedingungen mit dem Zielhorizont 2030 zu erwarten ist. Dabei habe man den ab Mitte Dezember vorliegenden Fahrplan genauso berücksichtigt wie den sogenannten 0-Knoten in Miltenberg. Dort treffen die Züge von Wertheim einerseits und von Aschaffenburg andererseits im Stundentakt zur Minute 0 aufeinander.

Maier präsentierte dann auf Basis der Untersuchung insgesamt vier konkrete Varianten, die zu einer Verbesserung beitragen: In einer Variante ist lediglich vorgesehen, die Fahrzeit des Nordastes zwischen Miltenberg und Walldürn durch Infrastrukturmaßnahmen (überwiegend Bahnübergangsmaßnahmen) um insgesamt vier Minuten zu verkürzen, um damit bessere Anschlussmöglichkeiten zu schaffen.

Diese Fahrtzeitverkürzung ist auch für die weiteren Varianten notwendig. Diese gehen allerdings von zusätzlichen Maßnahmen aus. So ist in einer weiteren Variante vorgesehen, die Abfahrtszeit in Walldürn grundsätzlich um 30 Minuten zu drehen und die Bahn entweder weiter nach Neckarelz zu führen oder sie in Seckach enden zu lassen und alternativ die S 2 von Mosbach nach Osterburken zu verlängern.

Ideale Anschlüsse

Diese Maßnahmen hätten den Vorteil, dass die Madonnenlandbahn künftig sowohl nach Osterburken als auch nach Mosbach ideale Anschlüsse hätte. Nachteil dieser Variante ist allerdings, dass damit deutliche Zugmehrleistungen nötig sind und die Maßnahme entsprechend teuer ist. Außerdem muss sowohl in Mosbach beziehungsweise in Osterburken und Seckach die Signaltechnik umgebaut werden, was zwangsläufig zu weiteren hohen investiven Kosten führt. In einer anderen Variante könnte die Madonnenlandbahn von Miltenberg nach Seckach direkt durchgebunden und weiter nach Neckarelz geführt werden. Auch diese Variante ist mit erheblichen Mehrleistungen verbunden und benötigt ebenfalls in Mosbach eine neue Signaltechnik. Außerdem ist der Anschluss nach Osterburken dadurch nicht mehr ideal. Die Gutachter gehen aber davon aus, dass genau diese Variante den größten Mehrwert bietet.

Die letzte Variante geht von einem völlig anderen Ansatz aus. Auch hier soll die Abfahrtszeit in Walldürn um 30 Minuten gedreht werden, was ideale Anschlüsse nach Osterburken bedeutet. Die Raumschaft in Mosbach soll aber nicht über die Madonnenlandbahn, sondern durch einen Schnellbus von Buchen nach Mosbach bedient werden. Allerdings entstehen durch den Schnellbus erhebliche Mehrkosten und es wäre eben keine „Schienenlösung“. Diese Variante wäre aber sehr schnell umsetzbar, da keine weiteren infrastrukturellen Maßnahmen notwendig sind. Insofern eignet sie sich als Übergangslösung, bis fehlende infrastrukturelle Voraussetzungen hergestellt wären. Damit könne man im günstigsten Fall bis 2025 rechnen, so Maier. Abschließend gab der Verkehrsplaner den Kreisräten mit, dass man insbesondere im Nordast zwischen Walldürn und Miltenberg die Bahnübergangsmaßnahmen möglichst rasch umsetzen müsse. Auch unterstrich er noch einmal, dass die vorgestellten Varianten sich nicht ausschließen, sondern zum Teil aufeinander aufbauen.

Gespräche mit dem Land

Die Mitglieder des Ausschusses nahmen das Gutachten mit großem Interesse zur Kenntnis, wovon die Nachfragen des Gremiums zeugten. Insbesondere wiesen sie darauf hin, dass man alles tun müsse, um die vorhandenen Fahrgastpotenziale abzurufen. Sie beauftragten die Verwaltung daher wie vorgeschlagen, mit dem Land Verhandlungen aufzunehmen. „Wir haben viele gute Argumente gehört. Nun ist es an uns, entsprechende Gespräche mit dem Land, dem für die Madonnenlandbahn verantwortlichen Aufgabenträger, zu führen“, unterstrich Brötel.

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