Buchen

„Herz statt Hetze“ 150 Teilnehmer bei einer Gedenkveranstaltung in Buchen / Kundgebung auf dem Marktplatz gegen Rechtsterror und Antisemitismus

Klare Position für Toleranz und Ehrlichkeit bezogen

Buchen.Rund 150 Menschen bezogen am Samstagabend eine klare Position gegen das Vergessen und drohende Gefahren von rechts: Der Kerzenschein-Gedenk-Umzug „Gesicht zeigen im Kerzenschein“ der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis“, brachte die Angst vieler Bürger, aber auch deren Verständnis von Toleranz, Ehrlichkeit und Offenheit auf den Punkt.

Am Musterplatz begrüßten Alexander Weinlein und Markus Dosch die zahlreichen Teilnehmer, entzündeten Fackeln und Kerzen und erklärten die eigentliche Absicht: „Der Druck von rechts wächst“, hielt Weinlein fest und erinnerte daran, dass der Marsch letztlich die Folge eines traurigen Rechtsrucks und gefährlicher Tendenzen sei, denen man die Stirn bieten müsse.

So werde man nicht akzeptieren, dass Rechtsterrorismus und Antisemitismus wieder Juden in unserem Land bedrohen.

Derartige Angriffe auf die Freiheit von Gesellschaft und Demokratie fänden ihren Nährboden in markigen Aussagen rechter Parteien, die sich lediglich volkstümlich und bieder präsentierten, aber in Wahrheit große Gefahren mit sich brächten. „Was war, darf sich nie wiederholen - offensichtlich wissen das viele nicht“.

Im Stillen wanderte der Tross über die Haag- und Schüttstraße in die Vorstadtstraße und hielt an der Gedenkstätte am Jakob-Mayer-Platz inne, wo mit Gedichten und Zitaten an grausame Taten erinnert und zur Schweigeminute gebeten wurde. Über die Marktstraße ging es zum Alten Rathaus.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz fanden verschiedene Redner nachdenklich stimmende, manchmal fast beklemmende Worte.

Alexander Weinlein erinnerte zunächst an die getöteten Juden, Sozialdemokraten, Kommunisten, Pazifisten, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten, Gläubigen und religiös motivierte Regimegegner, Künstlern und allen, „die per NS-Definition nicht zum sogenannten Volkskörper oder zur Volksgemeinschaft gehörten“.

Ebenso rief Weinlein zum Gedenken an die Opfer links- und rechtsextremer Gewalt auf. „Wir sehen den heutigen Tag als Mahnung für Gegenwart und Zukunft, aber auch als Auftrag an, unsere Arbeit in der politischen Bildung und Aufklärung weiter anzunehmen und als Auftrag an die Demokratie und die bunte Gesellschaft, in der wir leben“, führte Weinlein aus und bemerkte, dass die Initiative „Herz statt Hetze“ bereits viele Menschen erreiche. Gerade die „Schulfilmwochen“ sensibilisierten viele. 2020 werde der Dokumentarfilm „Hassjünger“ von Max Damm religiösen Menschenhass in den Vordergrund rücken.

Amelie Pfeiffer kam auf „erschütternde Anwandlungen“ zu sprechen und rief zur Solidarität auf. „Wir werden Rechtsterrorismus und Antisemitismus nicht akzeptieren“, betonte Amelie Pfeiffer. Zwar sei latenter Fremdenhass schon lange feststellbar gewesen, jedoch durch den gezielten Aufbau greifbarer Feindbilder durch rechte Populisten einer neuen Eigendynamik unterworfen.

„Sicher aber machten nicht nur die Menschen, sondern auch die Politik Fehler“, räumte sie ein.

Weitere Ansprachen kamen von Dr. Klaus Lampe und Jens Schwingel. Sie stuften gesellschaftliche Werte wie Toleranz und die Akzeptanz Andersdenkender als „unbedingt wichtige“ ein.

Auf das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Auswirkungen bezog sich Kaplan Julian Donner, ehe man sich nach einem berührenden Abschlussgebet voneinander trennte. ad

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