Buchen

Leserbrief Zum offenen Brief von Josef Frank „Buchen darf Identität nicht verlieren“ (FN, 9. Januar)

Keine identitätsstiftenden Sanierungstaten geleistet

Als freiberuflicher Baudenkmalpfleger, der seit nunmehr zehn Jahren in Buchen die voranschreitenden Arbeiten an verschiedenen Baudenkmalen gestaltend begleiten durfte und darf sowie als Verfasser des Gebäudeinventars der Kernstadt Buchens, muß man einigen Darstellungen Herrn Franks doch klar widersprechen.

Die Identität Buchens wurde in den 70er und 80er Jahren nicht in Stein gemeißelt. Identität ist wandelbar und erlebt generationenübergreifend Veränderungen, welche auch als „Identitätsstiftend“ bezeichnet werden können.

Jede Generation hat hier ihr Recht auf Gestaltung ihrer Heimat und wird dabei neben Erfolgen auch den einen oder anderen Fehler begehen. Zumindest aus den Fehlern der früheren Generationen zu lernen und bessere Lösungswege zu erkunden, sollte dabei eine gute Basis sein.

Die angesprochenen Gebäudesanierungen der 70er, 80er und 90er Jahre sind durchweg gekennzeichnet von kompletten Entkernungen der Gebäude, bei denen sogar die Hüllen, sprich die Fassaden komplett modernisierend überarbeitet wurden. Hier handelt es sich im Ergebnis um Neubauten denen nachträglich, nahezu vollzählig, die Denkmaleigenschaften inhaltlich wie auch rechtlich, aberkannt wurden . Dies als erfolgreiche, identitätsstiftende Sanierungstaten hervorzuheben, entbehrt jeglicher Grundlage. Die Authentizität beziehungsweise die „Gesamtheit der Eigentümlichkeiten“ der Gebäude ist dabei nahezu vollständig auf der Strecke geblieben und damit eine inhaltslose Identität geschaffen worden. Diese methodischen Fehler wurden allerdings – in unterschiedlicher Intensität – überall gemacht. Die Kehrtwende weg von einer resoluten Abrissmentalität zu einem wesentlich sensibleren Umgang mit den überkommenen Baudenkmalen in den 80er Jahren, ließ in Buchen allerdings etwas länger, nämlich um mehr als eine Dekade verschoben, auf sich warten.

Entkernte Hüllen, begradigte Fassaden mit einem vollkommen falsch verstandenen Fachwerkkult, heute als „Altdeutschtümelei“ belächelt, ist heute an vielen Örtlichkeiten innerhalb der Stadt zu „bewundern“. Damit erreicht der nachkriegszeitliche Verlust an Altbausubstanz innerhalb der Kernstadt Buchens tatsächlich etwas mehr als 60 Prozent. Dass es wie bei der betreffenden Häuserzeile in der Obergasse dennoch zu einem der mittlerweile selten gewordenen Abbrüche kommt, ist nicht nur den heutigen, wesentlich höheren Abriss-Hürden seitens der staatlichen Denkmalpflege geschuldet, sondern der einfachen Tatsache, dass die wenigen noch erhaltbaren Denkmalobjekte in Buchen während der 2000er Jahren in dem gesteigerten Bewusstsein ihrer Einmaligkeit behutsamer, ja einfach professioneller behandelt wurden und werden. Wie bedeutsam und stadtbildprägend die betreffende Gebäudereihe tatsächlich ist oder sein soll, vermag jeder aus reiner, möglichst objektiver Betrachtung heraus, selbst zu entscheiden.

Letztendlich klammert der geplante Abriss die benachbarten Scheunen entlang der Stadtmauer aus, hier gibt es tatsächlich noch weiteren Klärungsbedarf bezüglich der Denkmalqualität. Die Frage Herrn Franks „quo vadis Buchen“ kann sich ebenfalls jede Buchenerin und jeder Buchener und Gast der Stadt selbst beantworten, indem er sich bei seinem Rundgang durch die Stadt mittels der zahlreichen Hinweistafeln an den in der Bearbeitung befindlichen Objekte informiert und einiges über die jeweilige Hausgeschichte erfahren kann – ohne dass der Abriss droht, sondern letzlich ein vorzeigbares Sanierungsergebniss ein echtes, unverfälschtes Kulturdenkmal für die Stadt dauerhaft erhalten wird. Für die Abbrüche der vorangegangenen Dekaden sind diese Primärquellen mangels vorhandener Abriss-Dokumentationen leider für immer verloren gegangen. Dies ist der eigentliche Identitätsverlust durch die daraus resultierenden Lücken in der Stadtgeschichte Buchens. Dies alles hat die jetzige, von Herrn Frank heftig kritisierte Stadtspitze beziehungsweise -räte nicht zu verantworten, da alle diese Vorgänge vor Ihrer Wirkungszeit geschehen sind.

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