Buchen

Forum „Seitenbacher“ in Buchen Matthias Holtmann sprach bei einer AOK-Veranstaltung über seine Krankheit Parkinson

Jeden Tag als Training verstehen

SWR- Kultmoderator Matthias Holtmann sprach im Forum „Seitenbacher“ über seine Krankheit Parkinson und machte damit vielen Betroffenen Mut.

Buchen. Das Jahr 2006 war für ihn ein großer Einschnitt in seinem Leben. Da ereilte Matthias Holtmann die Diagnose seiner Parkinsonkrankheit und viel zunächst aus allen Wolken. Zwölf Jahre später hat er sich mit seiner Krankheit längst arrangiert, Selbstmitleid und Resignation bei Seite geschoben und den Weg nach vorne angetreten. Am Dienstagabend sprach Matthias Holtmann im Rahmen einer Veranstaltung der AOK von seiner Krankheit. Mit auf der Bühne sein behandelnder Arzt Dr. Klaus Schreiber aus Stuttgart, die SWR-Moderatorin Stefanie Anhalt, sowie sein musikalischer Begleiter am Piano Randy Lee Kai, die für einen kurzweiligen Abend sorgten.

Nach der musikalischen Begrüßung war es Geschäftsführer Stefan Strobel von der AOK Rhein-Neckar-Odenwald vorbehalten, die Gäste willkommen zu heißen und einleitende Worte zu dem Vortrag zu äußern, ehe sich Matthias Holtmann, getragen vom Applaus der Zuhörer, in die Talkrunde einreite. Rund 280 000 Betroffene gibt es wohl in Deutschland, so die offizielle Statistik – nicht eingerechnet die geschätzten dreißig Prozent, die mit ihrer Krankheit in Geheimhaltung leben, so die Moderatorin Stefanie Anhalt eingangs der Veranstaltung. Als ehemalige Kollegin kennt Sie ganz genau seinen Krankheitsverlauf aus der jahrelangen Zusammenarbeit im Studio und lauschte gespannt wie alle Anwesenden den Schilderungen von Matthias Holtmann hinsichtlich der neurodegenerativen Krankheit Parkinson.

Flucht in Alkohol

Der Anfangsverdacht hat sich nach dem Besuch bei Dr. Klaus Schreiber letztlich bestätigt und damit musste sein prominenter Patient sein Leben zukünftig in vielen Bereichen völlig neu ausrichten. Der anfänglichen Resignation mit der Flucht in den Alkohol, folgte sehr schnell die Neuausrichtung seines zukünftigen Lebens, das mit der Akzeptanz seiner Krankheit unter den Kollegen wesentlich erleichtert wurde. Damit hatte er schnell auch wieder seinen Humor gefunden, um sich nach der anfänglichen Verdrängung wieder völlig neu auszurichten und die Flucht nach vorne anzutreten. Die Behandlung bei Dr. Klaus Schreiber brachte zudem schnelle Erfolgserlebnisse und somit einen weiteren Motivationsschub, den zukünftigen Alltag mit all den kleineren Einschränkungen zu meistern.

Das Leben meistern

Und damit beschloss er zugleich, nicht nur sein Leben zu meistern, sondern auch darüber aufzuklären, was es mit dieser Krankheit auf sich hat. Zu den Therapien gehört neben der körperlichen Ertüchtigung auch der Gesang, so Dr. Klaus Schreiber, und davon konnte Matthias Holtmann die Zuhörer erstmals bei einem umgeschriebenen Song von Janis Joplin „Mercedes Benz“, begleitet von Randy Lee Kai am Piano, überzeugen und der lang anhaltende Applaus sollte ihm Recht geben, dass zumindest bei seinen Gesangskünsten noch keine Einbußen erkennbar sind. „Ich kann alleine leben“, so der Moderator, der jeden Tag als Training versteht und stets versucht, auch noch so filigrane Dinge wie Knöpfe schließen zu bewerkstelligen, um möglichst unabhängig von Pflegepersonal zu bleiben.

Konkrete Aussagen

Auf die Frage nach der Entstehung können die Forscher mittlerweile viele konkrete Aussagen treffen. So haben diese bereits Vorzeichen aus der Kindheit entdeckt und experimentieren mittlerweile bereits mit einem „Hirnschrittmacher“ zur Einschränkung der Krankheit, so Dr. Klaus Schreiber dessen Einsatz allerdings noch großen Risiken unterliegt. Auch die Erwartungen für eine Heilung in naher Zukunft dämpft der Experte zunächst, auch wenn hierbei wesentliche Fortschritte gemacht worden seien. Für die Betroffenen sei es immens wichtig, die Feinmotorik zu üben und dabei zeige sich auch der Umgang mit dem Computer nebst Computerspielen als durchaus wirksam, so Dr. Klaus Schreiber, der sich anschließend den zahlreiche Fragen der Anwesenden stellte.

Für Matthias Holtmann gilt auch in Zukunft die Devise aus einem Part des „Zigeunerbaron“ wo es heißt: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr veränderbar ist“ und damit endete zugleich die kurzweilige Veranstaltung im Forum „Seitenbacher“.