Buchen

Serie über Buchener Heimatvereine (Teil 4) Heimatverein Bödigheim engagiert sich über die satzungsgemäßen Ziele hinaus für das Zusammenleben im Ort

In 19 Jahren vielfältige Aufgaben bewältigt

Archivartikel

Der Heimatverein Bödigheim mit seinen aktuell rund 80 Mitgliedern ist seit der Gründung im Dezember 2000 ein Aktivposten in dem Buchener Stadtteil.

Bödigheim. Waidsteine statt Bildstöcke: Weil Bödigheim evangelisch ist, befinden sich auf seiner Gemarkung keine religiösen Kleindenkmäler. Die Waidsteine im Grauen Forst sind jedoch eine historische Besonderheit.

Die Steine, die an einen Streit vor mehr als 450 Jahren zwischen ihren Vorfahren und Bauern aus Waldhausen erinnern, liegen nur wenige hundert Meter vom Wohnhaus der Heimatverein-Vorsitzenden entfernt. Helga Rüdt von Collenberg schreitet kräftig aus. Sie wohnt in dem ehemaligen Forsthaus am Rosshof. Der Weg führt in den Grauen Forst in Richtung Bundesstraße 27.

Ein Schild weist auf die sogenannten „Waidsteine“ hin, auf über 20 behauene Sandsteine, die jeweils mehr als zwei Meter groß sind und über 700 Kilogramm wiegen. Diese wurden auf Beschluss eines Schiedsgerichts im Jahr 1565 aufgestellt. Damit wurde ein Streit zwischen dem Geschlecht Rüdt von Collenberg aus Bödigheim und den Einwohnern von Waldhausen beendet. Die Grenzmale im Grauen Forst zeugen von einer historischen Besonderheit.

Zähe Verhandlungen

Gerlinde Trunk, die frühere Stadtarchivarin, schilderte in einem Artikel für das Bödigheimer Heimatbuch die Entstehungsgeschichte dieser Steine. So schwelte im 16. Jahrhundert über Jahre ein Streit zwischen dem Bödigheimer Adelsgeschlecht und der bäuerlichen Bevölkerung aus Waldhausen.

Die Waldhausener trieben ihre Schweine und ihr Vieh zum Weiden in den Grauen Forst, welcher der Familie Rüdt von Collenberg gehörte. Das war den Bauern gestattet, allerdings nur bis zum Einbacher Weg. Die Tierhalter hielten sich nicht an diese Vereinbarungen und trieben ihre Tiere tiefer in den Wald hinein. Zwei Verträge mussten vor einem Schiedsgericht in Lauda geschlossen werden, bevor beide Parteien eine verbindliche Regelung trafen. Und so wurden im Jahr 1565 die Waidsteine aufgestellt, die den Waldhausenern Bauern signalisierten: Bis hierhin und nicht weiter!

Steine vermessen

Im Jahr 2003 hatte der Heimatverein gemeinsam mit dem Forstamt und Vertretern des Bezirksmuseums Buchen viele der umgefallenen und in Schräglage stehenden Steine wieder aufgerichtet. Eine Steinmetzfirma säuberte deren Oberflächen. Im Jahr 2018 vermaß Professor Siegfried Schenk mit Studenten der „Hochschule für Technik Stuttgart“ den Verlauf der ehemaligen Weidegrenzlinie. Somit ist der Standort eines jeden einzelnen Steins genau dokumentiert. Die vergangenen 16 Jahre hinterließen ihre Spuren an manchen Waidsteinen. Sie haben Moos angesetzt oder neigen sich wieder in Richtung Waldboden. „Ich werde den Vereinsmitgliedern vorschlagen, die Steine regelmäßig zu überprüfen“, sagt Helga Rüdt von Collenberg.

Der Heimatverein Bödigheim wurde im Dezember 2000 auf Anregung des damaligen Buchener Bürgermeisters Achim Brötel gegründet. Denn ein gemeinnütziger Verein kann anders als die Kommune für Projekte im Dorf Zuschüsse und steuerbegünstigte Spenden empfangen.

Zahlreiche Aufgaben

Nach seiner Satzung erhält und pflegt der Verein Denkmäler, setzt sich für die Dorfverschönerung und den Naturschutz ein, erhält heimatliches Brauchtum und die heimische Mundart und erstellt eine Dorfchronik. Mitglieder des Heimatvereins errichteten und pflegen Ruhebänke, sie errichteten eine Dorfbrunnenanlage, pflegen mit Pflanzarbeiten Friedhof, die gräfliche Gruft und den Judenfriedhof, sie bauten Spielgeräte und halfen beim Bau des Jugendhauses mit. Außerdem pflegen sie die innerörtlichen Gewässer und verschiedene Biotope. Zum Dorfjubiläum gab der Verein ein Heimatbuch heraus.

Der Heimatverein stellt im Wechsel mit anderen Vereinen den Maibaum auf. Er beteiligte sich am Weihnachtsmarkt vor dem Jugendhaus, unterstützte den Bau der Flurkapelle und kümmert sich um Backhaus. Der Verein organisiert jährlich einen Ausflug und zeigt monatlich bei einem Kaffeenachmittag der evangelischen Kirchengemeinde Lichtbildvorträge.

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