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Im Anfang war das Wort

Archivartikel

Wie kein anderes christliches Fest berührt Weihnachten unsere Herzen. Deshalb leiden wir in diesem Jahr auch darunter, dass Feiern und Gemeinschaft – durch Corona – nur eingeschränkt möglich sind. Vielleicht entdecken wir dadurch wieder mehr den alten guten Brauch, einander mit Karten, Telefonaten und E-Mails den Segenswunsch zuzusprechen. All das ist vom schlichten Wunsch beseelt, Menschen, die wir schätzen, erfahren, dass wir an sie denken.

„Im Anfang war das Wort.“ Mit diesem Satz beginnt Johannes sein Evangelium. Viele Worte sind es im Laufe des Lebens, die wir miteinander wechseln. Ein ermutigendes Wort richtet auf; ein verzeihendes Wort befreit uns von der Last der Schuld und ein liebevolles Wort schenkt neuen Mut. Worte, das wissen wir alle, können auch verletzen. Damit ist das Wort Waffe und Trost zugleich. „Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ Worte können etwas bewirken. Ein gutes Wort kann uns aufrichten, ein böses uns in die Tiefe ziehen. Wir sind uns oft über den schweren Schaden, den wir hervorrufen können, wenn wir herabsetzende Worte ausstreuen, die uns vielleicht harmlos erscheinen, nicht bewusst. Und das Wort „kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen es nicht auf.“ Wer kennt nicht die schmerzliche Erfahrung, dass ein Wort ganz anders ankommt, als es gemeint war. Worte werden missverstanden und überhört, weil der Hörer die eigentliche Absicht nicht erkennen konnte. Und dann gibt es die Not, dass wir manchmal überhaupt keine Worte finden. Das alles können Worte sein und bewirken. Ein solches Wort, von dem man sagen kann, dass es uns aufrichtet, Mut und Hoffnung macht und uns Lebenskraft schenkt in allem Auf und Ab des Lebens – feiern wir an Weihnachten. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ In diesem Wort, das den Namen Jesus trägt, finden wir Gott. Durch dieses Wort „Jesus“ erfahren wir im Tiefsten und Letzten, wer und wie Gott ist.

Gott ist einer von uns geworden. Das heißt, dass wir vor Gott keine Angst zu haben brauchen und uns ihm anvertrauen dürfen mit allem, was uns auf dem Herzen liegt und uns umtreibt. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Sehr nüchtern beschreibt der Evangelist Johannes die Wirklichkeit unserer Welt; die Wirklichkeit des eigenen Herzens. Wie viele Barrieren gibt es in uns, die es verhindern, dass Gottes Liebe Gestalt annimmt? Da ist nicht nur die Sorge, selbst zu kurz zu kommen, sondern auch das Bedürfnis, sich durchzusetzen – auch wenn das zulasten des anderen geht. Und dann sind wir ganz schnell wieder bei dem Wort, das oft eher trennt anstatt zu verbinden. „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Wenn dieses göttliche Wort von Weihnachten aber in uns eingeht, dann verwandelt sich unser eigenes Wort. Dieses Kind von Betlehem ist das Wort, in dem die überwältigende Liebe Gottes Hand und Fuß bekommen hat. Es wird als das Wort erfahrbar, das uns ermutigt, stärkt und aufbaut.

In einem Lied heißt es: „Worauf sollen wir hören, sag uns, worauf? So viele Geräusche, welches ist wichtig? So viele Beweise, welcher ist richtig? So viele Reden! Ein Wort ist wahr.“

Ich wünsche uns von Herzen, dass dieses göttliche Wort im Kind, in unserem Alltag seinen Platz findet. Ich wünsche Ihnen ein gnadenreiches Weihnachtsfest, Gesundheit und Gottes Segen für das neue Jahr.

Dekan Johannes Balbach, Dekanat Mosbach-Buchen

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