Buchen

Sibylle Ostien feierte 70. Geburtstag Lehrerin mit Herz und Seele / Nicht nur im Verein „Bezirksmuseum Buchen“ aktiv

„Ich mag Buchen unheimlich gern“

Archivartikel

Buchen.„Als Außenstehende hat man zwei Optionen, sich einzubringen: Entweder über kommunalpolitisches oder ehrenamtliches Engagement“, sagt Sibylle Ostien. Sie wählte beide Möglichkeiten und feierte am Donnerstag ihren 70. Geburtstag. Obwohl nicht mehr an vorderster Front aktiv, schäumt die pensionierte Lehrerin und langjährige SPD-Stadträtin nur so vor Elan und Tatendrang. Sicher auch, weil sie sich in Buchen längst heimisch fühlt: „Ich mag Buchen unheimlich gern“, sagt sie.

Geboren am 24. September 1950 in Heidelberg, wuchs sie mit zwei Schwestern in Waldangelloch auf und studierte nach dem Abitur Deutsch und Englisch an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Unmittelbar danach erfolgte ein für sie und auch Buchen bis heute prägender Ortswechsel: Kaum hatte Sybille Ostien die erste und zweite Dienstprüfung mit Erfolg absolviert, wurde sie 1974 an die Abt-Bessel-Realschule versetzt. Dort unterrichtete die Jubilarin ganze Generationen von Schülern – neben ihren Studienfächern auch in Mathematik, Geschichte, Biologie, Bildender Kunst und HTW. „Später saßen dann Kinder vor mir, deren Eltern ich auch schon unterrichtet hatte“, bemerkt sie amüsiert. Darüber hinaus war sie sich nie zu schade, aktiv Verantwortung zu übernehmen: Sowohl in der Schulkonferenz als auch in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) brachte sie sich mit ein und initiierte als große Anhängerin der angelsächsischen Kultur auch den Schüleraustausch der ABR mit der Stanley High School Southport. Im Sommer 2014 wurde Sybille Ostien als „pädagogisches Urgestein“ pensioniert.

Prägendes Gesicht

Auch außerhalb der Schule war Sibylle Ostien über mehrere Jahrzehnte hinweg ein prägendes Gesicht der Stadt Buchen und ist noch heute bei zahlreichen wichtigen kulturellen, geschichtlichen und kommunalen Anlässen vertreten. So kandidierte sie erstmals 1980 für die Gemeinderatswahlen und wurde prompt in das Gremium gewählt, dem sie bis 2011 angehörte. In dieser Zeit erlebte die engagierte und überzeugte Sozialdemokratin die drei Bürgermeister Josef Frank, Dr. Achim Brötel und Roland Burger mit; zusätzlich gehörte sie dem SPD-Kreisvorstand an. Mit 61 Jahren schied sie auf eigenen Wunsch aus dem Rat aus: „Man muss gelegentlich loslassen und dem Nachwuchs eine Chance geben können – es bringt trotz aller Kompetenzen nichts, wenn immer die selben Leute da sind und wieder gewählt werden!“, betont sie heute. Wer Sibylle Ostien kennt, der kennt jedoch auch ihre unermüdliche Kreativität und ihr großes Interesse, ihre eigenen Kenntnisse und Lebenserfahrungen stetig weiter zu geben. Das tut sie beispielsweise im Verein „Bezirksmuseum Buchen“, in dem sie seit 2014 intensiver denn je mitarbeitet. So führt die quirlige „Siebzigerin“ den Aufsichtskreis und die Keramikabteilung, ist in die Planung und Umsetzung neuer Sonderausstellungen involviert – zuletzt galt ihr Augenmerk der gegenwärtig noch besuchbaren Ausstellung zu Ehren Gertrude Reums, die im August eröffnet wurde – und arbeitet in der umfangreichen Gemäldesammlung des Museums mit.

„Marktlücke“ gefunden

Weiterhin ist sie an zahlreichen Öffnungstagen zwischen Steinernem Bau und Belz’schem Haus anzutreffen, um interessierte Besucher durch das Bezirksmuseum zu führen. Und dann fand sie noch eine neue „Marktlücke“ für Buchen: Seit 2019 leitet Sibylle Ostien englischsprachige Stadtführungen. „So ganz nebenbei“ gründete sie auch den Squashclub Buchen und die Aktion für hungernde Kinder „Awasa“ mit; auch in der Aktion „Grüner Gockel“ der evangelischen Kirchengemeinde war sie präsent. „Längst ist Buchen meine Heimat geworden“, sagt sie.

Ihr privates Glück fand sie bei ihrem Mann Helmut, den sie 1985 heiratete; gemeinsam zog das Paar den Sohn Philip groß. In ihrer Freizeit wandert Sibylle Ostien gern, erfreut sich an Musik oder sieht sich die Welt an: „Neben englischsprachigen Ländern hat es mir vor allem Teneriffa angetan“, erklärt die Jubilarin, der auch die Fränkischen Nachrichten nachträglich gratulieren. ad

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