Buchen

Seminar der VHS Ute Schall schilderte die Geschichte der Juden im Römischen Reich

„Geschichtskrimi von Anfang bis Ende“

Archivartikel

Buchen.Die spannende Ära der Juden im Römischen Reich beleuchtete an zwei Abenden die Buchener Schriftstellerin Ute Schall, die als versierte Kennerin und Autorin zahlreicher Fachbücher die Maxime verfolgte, Geschichte greifbar nachzuerzählen. Der erste Abend deckte nach kurzer Einführung und Werkschau auf Ute Schalls Bücher die Zeitspanne von 1290 vor Christus bis zur Geburt des Juden Jesus von Nazareth ab. Nachdem der Name Israel um 1220 vor Christus erstmals erschien war, erlebte Jerusalem ab dem Jahr 1000 seine Blütezeit, bis die Stadt 587 durch Nebukadnezar II. erobert wurde und die babylonische Gefangenschaft begann.

539/38 gestattete Perserkönig Kyros II. mit der Eroberung des babylonischen Reichs den Juden die Rückkehr in ihre Heimat. Auf die Gründung des selbstständigen jüdischen Staats zu Beginn der hasmonäischen Zeit folgte bereits 139 die Vertreibung der Juden aus Rom; 87 vor Christus beauftragte der römische Konsul Sulla Lucullus damit, gegen aufständische Juden in Cyrene vorzugehen.

Nachdem 67 die Söhne des Hasmonäerkönigs Alexander Jannäus und seiner Frau wie Thronnachfolgerin Salome Alexandra – der introvertierte Hyrkan II. und der aggressive Aristobul II. – um den Thron gekämpft hatten und die Provincia Syria – das heutige Syrien – eingerichtet worden war, eroberte Pompeius Magnus Jerusalem und zerschlug das Reich der Hasmonäer. 47 gewährte Cäsar, der 60 mit Pompeius und Crassus das erste Triumvirat geschlossen hatte, den Juden diverse Privilegien und verlieh dem Idumäer Antipater nebst Söhnen das römische Bürgerrecht. Als 37 der letzte Hasmonäerkönig Antigonos II. hingerichtet worden war, hatte Antipaters Sohn Herodes freie Fahrt, eroberte noch im selben Jahr Jerusalem und ließ wenig später den Neubau des im Jahr 10 und damit nur wenige Jahre vor der Geburt Jesu eingeweihten Tempel erbauen.

Im Zentrum des zweiten Abends standen die Ereignisse zwischen dem Jahr 6 und dem 4. Jahrhundert, ausgehend vom Tod des Augustus im Jahr 14, auf den Tiberius als römischer Kaiser folgte. Dieser vertrieb Juden und Anhänger des Isis-Kults aus Rom. Wenig später erfolgte die Kreuzigung des Jesus von Nazareth in der Amtszeit von Pontius Pilatus, ehe er von Kaiser Gaius (Caligula) aufgrund seines korrupten und grausamen Art abberufen wurde. Beerbt wurde Gaius durch seinen Onkel Claudius, der 41 Kaiser geworden war und 54 von Agrippina ermordet wurde.

Auf ihn wiederum folgte Kaiser Nero, der Agrippina im Jahr 59 exekutieren ließ. Zwischen 66 und 70 wurde kurz nach Vollendung des 80 Jahre lang erbauten Herodianischen Tempels der erste große Krieg der Juden gegen die römische Herrschaft ausgefochten, die schließlich unter dem ab 69 amtierenden Kaiser Vespasian kaum voran kamen.

„Bereits ein Jahr zuvor wurde Nero zum Staatsfeind erklärt und verkroch sich in einem Erdloch“, schilderte Schall. Was klingt, war freilich nur die Vorstufe weiterer tragischer Ereignisse: Judäa wurde 70 zur kaiserlichen Provinz erklärt. Neun Jahre später brach der Vesuv aus, 115 begann die Aufstandsbewegung der Diasporajuden Syriens, Babyloniens, Ägyptens, Zyperns und der Cyrenaica. 117 übernahm der zornige Kaiser Hadrian das Regiment und erklärte Jerusalem 132 zur „verbotenen Stadt“, die in Aelia Capitolina umbenannt werden sollte.

Gleichsam wurde Iudaea (Judäa) zu Syria Palaestina (Syrien/Palästina). 212 verlieh Kaiser Caracalla allen freien Reichsangehörigen das römische Bürgerrecht, ehe sich das Christentum ab dem 4. Jahrhundert zur Staatsreligion entwickelte.

Beide Abende des Seminars schlossen mit umfangreichen, von Ute Schall moderierten Diskussionsrunden, in denen die Zuhörer den Bogen zur heutigen Gesellschaft mit ihren Problemen wie wachsendem Antisemitismus spannten. „Die Juden sind nicht nur älter als das römische Volk, sondern auch ein wesentlicher Teil der römischen Geschichte. Auch unser heutiges Christentum wäre ohne das Judentum nicht denkbar gewesen“, erklärte die Referentin. ad

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