Buchen

Von der Badischen Landesbühne Aufführung über den Roman „nichts, was uns passiert“ befasst sich mit sexueller Gewalt

Gebrandmarkt, stigmatisiert und diffamiert

Archivartikel

Buchen.Welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf Opfer, Täter und das Umfeld hat und wie die Gesellschaft mit sexueller Gewalt umgeht, zeigt die Badischen Landesbühne am Dienstag, 19. November, in der Buchener Stadthalle.

In Bettina Wilperts Debütroman „nichts, was uns passiert“, in einer Bühnenfassung von Christine Künzel, geht es um den Sommer 2014. In Brasilien ist Fußballweltmeisterschaft, in Deutschland Partystimmung, im Leipziger Studentenmilieu wird mit viel Alkohol gefeiert. Anna ist 27 Jahre alt. Sie will dolmetschen, jobbt nach dem Studium in einer Kneipe und lernt Jonas kennen. Er promoviert über ukrainische Popliteratur und hat eben eine Trennung hinter sich. Die beiden finden sich sympathisch und verbringen eine Nacht, aus der nichts folgt; kein gemeinsames Frühstück, keine Verabredung. Zufällig treffen sie sich auf einer Party wieder, völlig betrunken schleppt Jonas Anna ab. Aber sie will diesmal keinen Sex und sagt nein – oder glaubt zumindest, nein gesagt zu haben. Anna ist zu kraftlos, zu betrunken, um Jonas aufzuhalten. Ihr ist klar, dass er ihr Selbstbestimmungsrecht missachtet hat.

Erst nach zwei Monaten Wut und Depression zeigt sie ihn an. Aber was sie als Vergewaltigung erlebt hat, war für ihn ohne den geringsten Zweifel einvernehmlicher Sex. Er fühlt sich gebrandmarkt, stigmatisiert, sie sieht sich als Falschbeschuldigerin diffamiert. Denn bald wird überall über den Fall gesprochen, in der Universität, in der ganzen Stadt. Wer hat Recht? Was ist in besagter Nacht wirklich passiert? Berichte von Anna und Jonas, von Freunden, Verwandten, Uni-Professoren, WG-Mitbewohnern und Arbeitgebern ergeben ein widersprüchliches, komplexes Bild. Bettina Wilpert erhielt für ihren Debütroman, der 2018 erschien, den „aspekte“-Literaturpreis.

Besetzung: Colin Hausberg, David Meyer, Elena Weber, Sina Weiß; Inszenierung: Ruth Messing; Ausstattung: Johannes Frei; Musik: Fabian Kuss.

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