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Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel Das Corona-Virus hat 2020 seinen Stempel aufgedrückt

„Es wird rund um die Uhr Sensationelles geleistet“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Die Fränkischen Nachrichten veröffentlichen in der heutigen Ausgabe den Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Weihnachten ist dieses Mal anders als sonst. Im Grunde ist aber ja fast das ganze Jahr völlig anders verlaufen als geplant. Seit dem 6. März müssen auch wir mit dem Virus leben. Das fiese Ding hat uns fest im Griff. Momentan leider fester denn je. Weit über 2500 Menschen haben sich bislang im Neckar-Odenwald-Kreis infiziert. Die Dunkelziffer kommt noch dazu. Gottseidank waren die meisten Krankheitsverläufe zwar eher leicht. Es gibt aber auch viele, die es richtig heftig getroffen hat. Und: Viel zu viele haben das Virus sogar mit ihrem Leben bezahlt. Meine Gedanken sind deshalb vor allem bei den Familien, die dadurch einen lieben Menschen verloren haben. Wir alle trauern mit ihnen.

Getroffen und gestärkt

Es gibt aber trotzdem auch noch einen anderen Blickwinkel auf die Dinge. Sicher: Corona hat uns schwer getroffen. Es hat uns als Gesellschaft aber auch gestärkt. Wir haben erkannt, was es heißt, in einer Verantwortungsgemeinschaft füreinander zu stehen. Natürlich müssen wir momentan mit Einschränkungen leben. Dafür schützen wir aber die Gesundheit und das Leben anderer, vor allem derer, die schon älter oder vorerkrankt sind.

Und: Wir haben hoffentlich neu zu schätzen gelernt, was ein funktionierendes Gesundheitssystem vor Ort tatsächlich für uns bedeutet. Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte, die Neckar-Odenwald-Kliniken und das Krankenhaus Hardheim, unsere stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, die Apotheken, aber auch unser Fachdienst Gesundheitswesen im Landratsamt – sie alle und viele andere mehr sind in den letzten Monaten wirklich über sich selbst hinausgewachsen. Dort wird quasi rund um die Uhr wirklich Sensationelles geleistet. Dafür sind wir zu tiefem Dank verpflichtet.

Wir stellen aber auch fest, dass wir zunehmend an Belastungsgrenzen stoßen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir das Virus so schnell wie möglich eindämmen und dann Schritt für Schritt in eine halbwegs geregelte Normalität zurückkehren können. Angebliche Querdenker oder selbstgerechte Besserwisser mit wenig Ahnung, dafür aber ganz viel Meinung helfen dabei sicher nicht. Stattdessen brauchen wir ein klares Bekenntnis, dass wir als Gesellschaft weiter zusammenhalten, um die Krise gemeinsam zu meistern. Jetzt erst recht.

Ich weiß, dass viele Menschen momentan unter einer extremen Belastung stehen. Ältere und Kranke, weil sie schlicht Angst haben. Kinder und Jugendliche, weil die Welt für sie fremd geworden ist. Erwerbstätige, weil sie unter den wirtschaftlichen Folgen leiden oder um ihre Existenz fürchten.

Wir werden Geduld brauchen

Alles das bewegt uns natürlich an Weihnachten. Auch da gilt aber der alte Satz von Demokrit: „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages“. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, am 15. Januar mit unserem Kreisimpfzentrum in Mosbach startklar zu sein. Es ist sehr beeindruckend, wie viele Menschen sich spontan bereiterklärt haben, dort zu helfen. Aber: Wir werden auch da Geduld brauchen. Es ist nicht realistisch zu glauben, dass eine solche Impfaktion binnen weniger Wochen erledigt ist. Ich appelliere jedoch schon heute an Sie alle, sich tatsächlich impfen zu lassen. Auch da ist nämlich unsere Verantwortungsgemeinschaft gefragt. Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet andere. Das ist schlicht unsolidarisch.

Und: Natürlich haben wir trotz der schwierigen Rahmenbedingungen auch im kommenden Jahr wieder Vieles vor. Die BBV Deutschland will bis 2024 insgesamt 125 Millionen Euro in den Glasfaserausbau im gesamten Kreisgebiet investieren. Glasfaser nicht nur bis zu den „grauen Kästen“, sondern tatsächlich direkt in jedes Gebäude hinein wäre für uns ein absoluter Quantensprung und nicht zuletzt auch ein ganz starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Neckar-Odenwald-Kreis.

Der Ersatzneubau des Ganztagsgymnasiums Osterburken geht in das Genehmigungsverfahren. 25 Millionen Euro wird der Kreis dort in ein modernes und zukunftsorientiertes Bildungszentrum investieren. Auch bei den anderen Kreisschulen geben wir insbesondere in Sachen Digitalisierung weiter Gas.

Auf der Frankenbahn ist der Probebetrieb zwischen Osterburken und Lauda angelaufen. Dringenden Verbesserungsbedarf gibt es hingegen nach wie vor bei der Anbindung des Elzmündungsraums in Richtung Stuttgart und auf der Madonnenlandbahn zwischen Seckach und Miltenberg. Daneben bleibt selbstverständlich auch unsere Forderung nach einem Halbstundentakt auf der S-Bahn zwischen Mosbach und Osterburken auf der Agenda. Zudem wollen wir das Thema Elektromobilität noch gezielter angehen.

Darüber hinaus bietet Corona jetzt aber auch die Chance, unser eigenes Leben in vielen Bereichen selbstkritisch zu hinterfragen. Für mich ist jedenfalls klar: Schneller, höher, weiter war gestern. Bewusster, gerechter und besser muss hingegen morgen sein. Uns geht es nicht darum, Schlagworte zu suchen. Viel wichtiger ist es, Nachhaltigkeit vor Ort ganz konkret zu leben. Die Bio-Musterregion oder etwa auch unsere Bewerbung als Fairtrade-Landkreis bieten gute Möglichkeiten dafür.

Ja, Weihnachten wird dieses Mal anders sein. Sein Kern bleibt aber unberührt. Die Geburt Jesu, die uns daran erinnert, was wir Menschen wirklich zum Leben brauchen. Deshalb ein klares Wort auch dazu: Wenn man über die Feiertage halt einmal nicht zusammensitzen, sondern nur zusammen telefonieren kann, wird die Welt nicht untergehen. Gehen Sie deshalb bitte in Ihrem eigenen familiären Umfeld mit gutem Beispiel voran. Dieses Jahr heißt es eben nicht „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, sondern „Macht zu die Tür, die Fenster auf“. Es gibt weiß Gott Schlimmeres. Vielleicht hilft es uns aber, darüber nachzudenken, was uns persönlich trägt, aus welchen menschlichen Kontakten wir wirklich Kraft schöpfen und welchen Ballast wir umgekehrt problemlos abwerfen können. Dann hätte Weihnachten auch in schwerer Zeit nämlich nichts von seinem Lichterglanz verloren.

Voller Zuversicht ins neue Jahr

Ich habe dazu im Internet einen wunderbaren Satz gefunden: Der Zauber der Hoffnung kennt unendlich viele Lichter, die sich nicht löschen lassen. In diesem Sinne: Denken wir auch weiterhin positiv, aber bleiben Sie bitte alle negativ und gehen wir das neue Jahr dann trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gemeinsam voller Hoffnung und Zuversicht an. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest und dann natürlich von Herzen alles Gute für ein glückliches, friedvolles und vor allem gesundes (!) neues Jahr 2021.

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und den entsprechenden Betrag stattdessen dem Tierheim Dallau für seine wichtige Arbeit zur Verfügung gestellt. Tiere leiden nämlich genau wie wir unter der Pandemie. Auch sie dürfen wir deshalb gerade jetzt nicht vergessen.

Ihr Dr. Achim Brötel, Landrat“

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