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Grippe-Saison 2018/19 Ersten Fall bereits auf der Buchener Intensivstation behandelt / Aus der letzten Erkrankungswelle gelernt

Erstmals Vierfach-Impfstoff im Einsatz

Schwerkranke Patienten in hoher Anzahl hat die vergangene Grippe-Saison den Neckar-Odenwald-Kliniken beschert. Jetzt kann man sich noch impfen lassen.

Neckar-Odenwald-Kreis. „Die Grippe-Saison 2017/18 traf auch den Neckar-Odenwald-Kreis in erheblichem Umfang, unsere beiden Klinikstandorte waren phasenweise über 100 Prozent belegt“, blickte gestern Privat-Dozent Dr. med. Harald Genzwürker zurück. Das Personal habe in dieser Phase von Januar bis in den März unglaublich viel geleistet und hart gearbeitet – „bei durchaus bedeutsamen krankheitsbedingten Ausfällen in den eigenen Reihen“. Im Bereich der Intensivstationen habe man teilweise lebensbedrohlich erkrankte Patienten mit Influenza-Infektion behandelt. Auch den ersten schwerwiegenden Fall einer Influenza-Infektion der neuen Saison 2018/19 habe man bereits auf der Buchener Intensivstation behandeln müssen.

„Während das Angebot der kostenlosen Grippeimpfung für Mitarbeiter unserer Kliniken im vergangenen Herbst auf dem niedrigen Niveau der Vorjahre in Anspruch genommen wurde, verzeichnen wir dieses Jahr unter anderem auch aufgrund intensivierter Werbung beim Personal und der offenbar noch präsenten Eindrücke vom ersten Quartal eine erfreulich gestiegenen Nachfrage, so dass es sogar schon zu vorübergehenden Engpässen bei der Versorgung mit Impfstoff kam“, erklärte Genzwürker gegenüber den Fränkischen Nachrichten. Seit vielen Jahren lasse er sich impfen, und auch seine Frau (Fachkrankenschwester in der Buchener Anästhesie) und seine Töchter seien geimpft. Das Risiko, eine schwere Infektion an abwehrgeschwächte Patienten zu übertragen, sollte für medizinisches Personal neben dem Eigenschutz ein gewichtiges Argument für die Grippeimpfung sein. „Spätestens jetzt ist der ideale Zeitpunkt zum Impfen“, stellte Dr. Harald Genzwürker fest.

In der Grippesaison 2017/18 wurden im Neckar-Odenwald-Kreis 586 Influenzafälle gemeldet. 2016/17 waren es 108 Fälle. 381 waren es 2017/18 im benachbarten Main-Tauber-Kreis und in der Grippe-Saison zuvor 221. „Die vergangene Saison zählte damit auch insgesamt zu den heftigsten, die in Baden-Württemberg bisher beobachtet wurde“, so die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Martina Teinert. Aber aus der vergangenen Grippe-Saison habe man gelernt. Die Grippeschutzimpfung werde in der Impfsaison 2018/19 mit einem Vierfach-Impfstoff erfolgen. Nach Vorliegen der Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Februar 2018 zur Antigenkombination des Impfstoffs für die Saison 2018/2019 habe der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich gesetzlich Versicherte künftig mit einem Vierfach-Impfstoff gegen die saisonale Grippe impfen lassen können.

Keine verbindliche Regelung

„Bislang gab es für die gesetzlichen Krankenkassen keine verbindliche Regelung, ob für diese Impfung ein Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist“, erklärte Teinert gegenüber den FN. Beide Möglichkeiten seien in Übereinstimmung mit den bisherigen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zulässig gewesen. Mit der Präzisierung der Schutzimpfungs-Richtlinie folge der G-BA der Empfehlung der Stiko, dass ab der Impfsaison 2018/19 zur Grippe-Impfung ein Vierfach-Impfstoff mit der jeweils aktuellen, von der WHO empfohlenen Antigenkombination zu verwenden ist.

Fünf bis sieben Tage

„Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt eins bis zwei Tage“, verdeutlichte die Leiterin des Gesundheitsamtes. Die Influenza-typische Symptomatik sei durch plötzlichen Erkrankungsbeginn, Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen gekennzeichnet. Zu beachten sei weiterhin, dass bei Weitem nicht alle Influenza-Infizierten mit typischer Symptomatik erkranken. „Als Faustregel kann gelten, dass es bei etwa einem Drittel der Infektionen zu einem fieberhaften, einem weiteren Drittel zu einem leichteren und dem letzten Drittel zu einem asymptomatischen Verlauf kommt“, stellte Teinert fest. Die Krankheitsdauer liege in der Regel bei fünf bis sieben Tagen. Selten komme es zu schweren Verläufen, wobei Lungenkomplikationen im Vordergrund stehen, auch die Beteiligung weiterer Organe wie beispielsweise Herz und Gehirn könne zu lebensbedrohlichen Verläufen führen. Die Dauer der Infektiosität betrage im Mittel etwa vier bis fünf Tage ab Auftreten der ersten Symptome. Gemäß der gängigen Impfempfehlung rät auch das Gesundheitsamt des Neckar-Odenwald-Kreises insbesondere Personen ab 60 Jahren, Schwangeren, Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, aber auch medizinischem Personal und Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr jetzt zu der noch rechtzeitigen Impfung.