Buchen

Zentralgewerbeschule Buchen Bei Lernfabrik 4.0 wird auf eine noch engere Kooperation mit Ausbildungsbetrieben gesetzt

Erfolgreicher Auftakt des Formats „Lernortkooperation“

Buchen.Handyschalen in verschiedenen Farben. Das produziert die Lernfabrik 4.0 in der Zentralgewerbeschule (ZGB) in Buchen. Von der Bestellung über die Fertigung bis zum Versand. Und das nicht etwa in mühsamer, händischer Kleinstarbeit, sondern vollautomatisiert – natürlich nur zu Schulungszwecken.

Es ist eine Fabrik der Zukunft im Laborformat, die auf dem Campus der Schule steht. Dort lernen Schüler zunächst in Grundlagenlaboren einzelne Module des industriellen Fertigungsprozesses kennen. Diese sind wiederum zu einem verketteten Anlagensystem zusammengeschaltet, das eine komplexe Produktionskette abbildet. Bis es allerdings soweit war, musste die Schule einen langen Weg zurücklegen. Groß war im Dezember 2015 die Freude, als klar war, dass die Zentralgewerbeschule wie auch die Gewerbeschule Mosbach gemeinsam über 400 000 Euro vom Land erhalten, um ein Labor aufzubauen, das industriellen Automatisierungslösungen gleicht. Landrat Dr. Achim Brötel sprach damals von einer sehr guten Botschaft auch für hiesige Wirtschaftsunternehmen. Der Kreis steuerte seinerseits deshalb 500 000 Euro zu.

Erstmals in Betrieb genommen wurde die Anlage dann im März 2017. Ziel einer nun jüngst eingeläuteten nächsten Phase in der Geschichte des Projekts ist die noch konsequentere Verzahnung mit der heimischen Wirtschaft. Was beim damaligen Förderaufruf des Wirtschaftsministeriums als „Konzept für den Einsatz der Lernfabrik als Demonstrationszentrum für die mittelständische Wirtschaft“ beschrieben wurde, nennt die Schule jetzt „Lernortkooperation“. In der ersten Runde kamen Ausbilder aus rund 30 Unternehmen im Kreis auf Einladung von Südwestmetall, dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg, an die ZGB. Stattfinden sollen die Treffen in Zukunft regelmäßig, um, wie Schulleiter Konrad Trabold erklärt, einen weiteren wichtigen Schritt zu gehen: „Unsere Fachlehrer betreuen mit sehr viel Engagement die Lernfabrik und haben in den vergangenen Jahren zusammen mit den Schülerinnen und Schülern unheimlich viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt und dabei schon sehr viel Wissen vermittelt. Doch nun geht es darum, die Verbindungen zwischen den Lehrplänen, dem Unterricht an der ZGB und vor allem den konkreten Anforderungen in den Industrieunternehmen noch enger zu ziehen“, so Trabold. Dies unterstrich zum Auftakt auch Markus Singler von Südwestmetall. Singler lobte das große Engagement des Kreises und der ZGB. Das offene Workshop-Format sei genau der richtige Rahmen.

Daher lernten die Teilnehmer bei dem ersten Treffen nicht nur die Lernfabrik mit ihren vier Modulen selbst kennen, sondern erhielten auch Einblicke in eine landesweit einheitliche Musterlösung für den Bereich Elektro- und Metalltechnik. In diesem Konzept werden Begriffe und Schwerpunktmodule inklusive der Lösungsvarianten für den Unterricht zusammengefasst. Vorgestellt wurde die „Musterlösung BW“ von Maik Lamprecht von der Landesgruppe Industrie 4.0. Er plädierte dabei insbesondere dafür, die Trennung zwischen einzelnen Fachbereichen nicht aufrechtzuerhalten, sondern die Lerninhalte übergreifend zu vermitteln. Lamprecht, selbst Fachberater und Fachlehrer in Karlsruhe, betonte, es gebe dank intensiver Aufbauarbeit nun erstmals ein pädagogisches Gesamtkonzept, auf das sich die Ausbildungsbetriebe nun verlassen könnten. Ziel sei es, ein gemeinsames Verständnis für solche „Real-time smart factories“ an allen teilnehmenden Schulen im Land zu erreichen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass diese Musterlösung an der ZGB bereits weitgehend Realität ist. „Wir unterrichten vieles davon schon“, betonten Martin Trabold und Ralf Weinmann vom Team der Lernfabrik 4.0. Diese stellten dann mit den Fachlehrern Ralf Schäfer und Thomas Banschbach in Workshops einzelne Unterrichtsthemen für die Berufsgruppen Elektro- und Metalltechnik vor.

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