Buchen

Eiermann-Magnani-Haus in Hettingen Besucher schwärmen von der Raumaufteilung und der Wohnqualität

Ein Zeugnis vollendeter Integration

Archivartikel

Hettingen.In der Hettinger Adolf-Kolpingstraße 29 steht ein Monument, das eines der dunkelsten Kapitel Deutschlands widerspiegelt. Aus der Not heraus entstanden, gibt das Eiermann-Magnani-Haus Zeugnis nicht nur von gelebter, sondern von vollendeter Integration von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges hier ankamen.

Schicksalhafte Begegnung

Der nimmermüde Pfarrer Heinrich Magnani bündelte kurz nach Kriegsende die Kräfte seiner Pfarrgemeinde und schuf aus dem Nichts heraus die Siedlung. Glücklicherweise fand nach Kriegsende der arbeitshungrige Architekt Egon Eiermann, nachdem er aus Berlin ausgebombt worden war, bei seinen Großeltern in Buchen Obdach. Die Gunst der Stunde nutzte Magnani und übertrug Eiermann die Planung für die Hettinger Siedlung. Die sehr unterschiedlichen Charaktere Magnani und Eiermann hatte ein gemeinsames Ziel vor Augen: die herrschende Wohnungsnot so schnell wie möglich zu beheben.

Es gelang ihnen, auf kleinstem Raum 14 zweigeschossige Häuser zu bauen. Während Magnani als Initiator für das Beschaffen der spärlich vorhandenen Baumaterialien und die Finanzen zuständig war, hatte Eiermann die Planungshoheit. Im Oktober 1948 wurde die Siedlung eingeweiht und bezogen.

Das in seinen Ursprung, durch die Wüstenrotstiftung zurückgeführte Siedlungshaus Hutter/Fleck in der Hettinger Adolf Kolpingstraße 29 ist nach der Eröffnung im Juni 2018 nun zu einem Besuchermagnet geworden. Neben vielen Privatpersonen aus dem schwäbischen und badischen Raum, sogar von Urlaubern aus dem Rheinland, kommen auch viele Vereine und Verbände hierher. Die Besucher loben den Mut von damals, mit solch genialen und zweckmäßigen Raumgestaltungen für hohe Wohnqualität gesorgt zu haben. Hier wurde auf kleinsten Raum Komfort geboten.

Der Besuch im Eiermann-Magnani-Haus, das am Mittwoch von 17 bis 19.30 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat, ist daher eine Reise in die Nachkriegszeit. KM

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