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Eiermann-Magnani-Haus in Hettingen Museum wird am Sonntag, 17. Juni, eingeweiht / Rund 500 000 Euro wurden eingesetzt

„Ein unglaublicher Leckerbissen“

In Hettingen ist etwas ganz Besonderes entstanden. Am Sonntag wird das Eiermann-Magnani-Haus, das sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem Museum gewandelt hat, eingeweiht.

Hettingen. Bei der Pressekonferenz gestern im „Lindensaal“ in Hettingen zeigten sich die Verantwortlichen sichtlich mit dem Ergebnis zufrieden. „Wenn die richtigen Leute am richtigen Ort am gleichen Strang ziehen, entsteht etwas Außergewöhnliches“, freute sich Prof. Dr. Thomas Schnabel vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Und das gelte heute wie damals. Man sei fasziniert vom Erhaltungszustand dieses Hauses gewesen, blickte Prof. Philip Kurz von der Wüstenrot Stiftung, auf die Anfänge zurück. Das Haus ist aus „sozialgeschichtlicher und architekturhistorischer Sicht ein unglaublicher Leckerbissen“. Und Hans-Eberhard Müller vom Verein Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte, der das Haus 2011 erworben hatte, sprach von einem „Juwel, das weit und breit seinesgleichen sucht“.

Hettingen stand nach 1945 vor einer immensen Herausforderung. „Das Dorf zählte 1500 Einwohner und hatte rund 500 Vertriebene aufzunehmen“, machte Prof. Dr. Thomas Schnabel deutlich. Mit der Gründung der Baugenossenschaft „Neue Heimat“ versuchte Ortspfarrer Heinrich Magnani, dem Mangel an Wohnraum Herr zu werden sowie „Ostflüchtlinge“ und Alteingesessene würdig unterzubringen. Um die Häuser erschwinglich zu machen, entstand die Siedlung in Hettingen größtenteils in Eigenleistung der zukünftigen Bewohner und mithilfe ehrenamtlicher Freiwilliger. Das soziale Vorzeigeprojekt zog weite Kreise, sogar der Papst würdigte es.

Ein Gebäude der Siedlung blieb kaum verändert erhalten. Die Wüstenrot Stiftung hat es denkmalgerecht saniert und die vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipierte Ausstellung maßgeblich finanziert. „Durch die Instandsetzung wurde das große Potenzial des Hauses sichtbar. Dazu gehören die fast vollständig erhaltenen Spuren der Bewohner, die sensibel herausgearbeitet wurden“, hob Prof. Philip Kurz hervor und unterstrich „Wir haben keine Puppenstube gebaut“. Laut dem Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung wurden fünf Jahre an der Instandsetzung und Ausstellung gearbeitet und rund 500 000 Euro eingesetzt.

Planung und Leben

„Die Sanierung und das Museum machen sowohl die ursprüngliche Planung des Architekten als auch das Leben der Siedlungsbewohner sichtbar“, erklärte gestern Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger, die Ausstellungsleiterin des Hauses der Geschichte. Bereits im Vorgarten bieten Tafeln Wissenswertes über den Nutzgarten des Häuschens, über das kongeniale Duo Eiermann und Magnani, die Siedlung und die Eiermannbauten in der Nachbarschaft. So bekomme man laut Lutum-Lenger auch bei geschlossenem Haus schon viel Information. Wer das Gebäude durch die historische Haustür betrete, erfahre das Talent des Architekten, in extremer Begrenzung großzügige, offene Wohnbereiche zu schaffen. Wie Eiermann plante, machen erhaltene Einrichtungsgegenstände deutlich – etwa das Spülbecken, das große Wohnzimmerregal, der begehbare Kleiderschrank oder Teile des Badezimmers. Objekte wie Briefe, Anträge und ein – sicher idealisierter – Film über die Aufnahme von Vertriebenen im Dorf widmen sich der Baugeschichte. Das Leben der Bewohner dokumentieren Fotos und Interviews und zahlreiche Ausstellungsstücke.

Der Vorsitzende des Vereins Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte, Hans-Eberhard Müller, blickte gestern auch in die Zukunft. Das Museum 20 Jahre zu führen, wozu sich der Verein verpflichtet habe, sei sicher ein Kraftakt für die 40 Mitglieder. „Doch es ist schön geworden und ich bin ganz begeistert“. Na, wenn das kein Antrieb ist.