Buchen

„300 Jahre St. Odilia Hettingen“ Karl Mackert hat in seiner Festschrift die Geschichte der Ortspatronin und der Pfarrgemeinde dokumentiert

Ein Geschenk gegen das Vergessen

Archivartikel

Auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk? Karl Mackert hat in einer Festschrift die Geschichte der Hettinger Pfarrgemeinde St. Peter und Paul sowie die Tradition des Odilientages festgehalten.

Hettingen. Mit einem Geschenk nahm alles seinen Anfang. 1720 überreichte der Fuldaer Weihbischof Baron von Cloth der Hettinger Kirche Reliquien der heiligen Odilia. „Zu Hettingen bey Waldtieren (Walldürn) Mayntzischen Bistumbs wird die H. Odilien auf einem ihr gewidmeten Altar verehret“, hieß es damals. 300 Jahre später wird beim traditionellen Odilientag im Buchener Ortsteil noch immer an die Ortspatronin gedacht. Karl Mackert nahm dies zum Anlass, im Jubiläumsjahr eine Festschrift mit dem Titel „300 Jahre St. Odilia Hettingen“ zu veröffentlichen.

2003 fing alles an

Die Idee dazu wurde schon viele Jahre vorher geboren, wie er bei der offiziellen Vorstellung des Buchs erzählte. „2003, als die Pfarrgemeinde ihr 650-jähriges Bestehen feierte, war bei einer Ausstellung im Lindensaal der Erzbischof da. Er wünschte sich eine Dokumentation der örtlichen Pfarrgemeinde“, berichtet Mackert, der für die Fränkischen Nachrichten als freier Mitarbeiter bekannt ist.

Jahre später erinnerte er sich wieder an die Aussage des Erzbischofs – und setzte die Idee in die Tat um. Er investierte sechs Monate, recherchierte, führte zahlreiche Gespräche, fuhr für Fotos sogar durch halb Baden-Württemberg. „Die Jugend soll wissen, was in all den Jahren passiert ist. Die Tradition der Prozession muss weitergeführt werden“, erklärte er seinen Ansporn hinter dem Projekt.

Eigentlich wollten die Gläubigen den 300. Jahrestag in diesem Jahr mit einer großen Feier im Sommer zelebrieren. Schon immer war der Odilientag das Fest der Feste der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Hettingen. Erzbischof Stephan Burger hatte sein Kommen zugesagt und wäre bei der eucharistischen Prozession durch den Ortsteil mitgelaufen. Der Odilientag hat bis jetzt jedes Jahr mit einer großen Feier stattgefunden, selbst in den Wirren des Zweiten Weltkrieges – doch dann kam Corona.

Und so musste auch die Veröffentlichung der Festschrift verschoben werden. Das Fest wird 2021 nachgeholt, doch das Buch von Karl Mackert ist jetzt schon in den Hettinger Geschäften sowie bei der Pfarrgemeinde erhältlich. Auf 123 Seiten bietet das Werk von Karl Mackert einen Einblick in die Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde.

Die Gründung der Pfarrei und die kirchliche Organisation des hinteren Odenwaldes sowie des Baulandes sind ebenso Themen wie die Auflösungen der alten Ordnungen im 19. Jahrhundert oder der Bau der Lourdesgrotte. Fein säuberlich listet der Autor unter anderem die Priester und Seelsorger auf, die von 1900 bis heute in der Hettinger Pfarrei gewirkt haben. Die Geschichte der heiligen Odilia, Patronin des Elsaß und Ortspatronin von Hettingen, darf natürlich nicht fehlen. Weitere Kapitel befassen sich unter anderem mit den Hettinger Ordensfrauen, der Auflösung der Schwesternstation, den Glocken und dem Kirchturm.

Das Projekt stieß natürlich auch bei den aktuellen Akteuren der Pfarrgemeinde auf offene Ohren. Der Leiter der Seelsorgeeinheit, Dekan Johannes Balbach, lobte das Werk als „eine tolle Sache und schöne Idee“. Es sei aktueller denn je, als Christ positive Signale zu setzen sowie Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit zu zeigen. „Es ist wichtig, dass auch die nachfolgenden Generationen die Geschichte nicht aus dem Blick verlieren. Die Bedeutung und Herkunft des Odilientages muss weitergegeben werden“, forderte Balbach.

Karl Mackert wünscht sich, wie er im Schlusswort des Buches schreibt, dass diese Festschrift in allen Familien der Pfarrgemeinde einen Ehrenplatz erhalten wird. Die heiligen Reliquien der Odilia erhielten diesen Ehrenplatz vor 300 Jahren, damals als Geschenk überreicht. Wie passend, dass nun die Vorweihnachtszeit beginnt...

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