Buchen

Die fünf häufigsten Unfallursachen 2019 In Buchen und Adelsheim weniger Vorfälle – aber mehr Verletzte / Verkehrssituation in Walldürn deutlich ruhiger

Die Unachtsamkeit fährt immer mit

Archivartikel

In Anbetracht der zahlreichen, schweren Verkehrsunfälle, die sich in letzter Zeit im Altkreis Buchen zugetragen haben, mag es komisch klingen: Doch ihre Gesamtzahl sinkt.

Neckar-Odenwald-Kreis. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kracht es vor allem im Stadtgebiet Buchen deutlich seltener – dafür werden mehr Personen verletzt. Das Polizeipräsidium Heilbronn lieferte auf Anfrage eine Zwischenbilanz für 2019. Außerdem beleuchteten wir die fünf häufigsten Unfallursachen mit entsprechenden Beispielen aus der Region. Grundlage war die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums 2018 (wir berichteten).

151 Verkehrsunfälle hat es 2019 bisher in Buchen gegeben. Das sind 23 weniger als im Vergleichszeitraum 2018. Doch kamen im Vorjahr 49 Personen zu schaden, sind es in diesem Jahr 61. Davon verunglückten drei tödlich (2018 war es eine Person). Die Zahl der Schwerverletzten ist mit zehn Personen nur halb so hoch wie 2018.

In Walldürn zeichnet sich mit 74 Unfällen heuer eine ruhigere Verkehrssituation ab (2018: 96). Ebenso positiv: die geringere Schwere der Unfälle. Wurden 2018 insgesamt 15 Personen schwer verletzt, sind es im selben Zeitraum 2019 nur zwei. 24 Menschen wurden leicht verletzt (2018: 22). In beiden Jahren gab es bis September jeweils einen Todesfall.

Auch in Hardheim lässt sich eine positive Bilanz ziehen. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist mit 35 fast halb so hoch wie 2018 (50). Sieben Menschen wurden dabei leicht verletzt (2018: zwölf). Und mit zwei Vorfällen gab es deutlich weniger Schwerverletzte als im Vorjahr (2018: zehn). Getötet wurde im Zeitraum Januar bis September in beiden Jahren niemand.

Einen kleinen Ausreißer stellt Adelsheim dar. Dort gab es sowohl in diesem, als auch im vergangenen Jahr 32 Unfälle. Doch kamen deutlich mehr Personen zu Schaden. 2019 wurden fünf schwer verletzt, drei mehr als im Vergleichszeitraum 2018. 14 Menschen wurden leicht verletzt – das sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

In Osterburken gestaltet sich die Verkehrssituation ähnlich wie im Jahr davor. 2019 gab es bisher sechs Unfälle mehr als 2018. Da waren es 50. Bei elf Unfällen kam es zu Personenschaden (2019: neun).

Blickt man auf die Unfallursachen, ergibt sich die eine oder andere Überraschung. Die vermeintlichen Klassiker, die Fahrtüchtigkeit und riskanten Überholmanöver, teilen sich mit Platz fünf einen relativ geringen Stellenwert in der Statistik.

Erst vergangene Woche machte eine 39-jährige Radfahrerin in Neckarelz von sich reden. Dort beobachtet eine Polizeistreife, wie die Frau ins Straucheln kam und gegen einen geparkten Mitsubishi krachte – passiert. Auffällig war nur, dass die Radfahrerin beim Erblicken der Polizisten ihren Drahtesel aufhob und versuchte, unauffällig von dannen zu gehen. Ein Alkoholtest brachte Aufschluss. Die Frau hatte fast zwei Promille. Sie wurde zur Blutentnahme geschickt. Am Wagen entstand ein Schaden von 1000 Euro.

Ein aktuelles Beispiel, wie ein Überholmanöver nicht aussehen sollte, ereignete sich vergangenen Monat bei Osterburken auf der B 292, zwischen der Abzweigung zum Industriepark RIO und dem Tunnel. Dort fuhren drei Autos hinter einem Traktor mit Anhänger. Als letztes Fahrzeug wollte der Fahrer eines Honda die Schlange überholen und scherte auf die Gegenfahrbahn aus. Als er bereits den Pkw direkt vor ihm überholt hatte, scherte plötzlich der davor fahrende Opel ebenfalls zum Überholen aus. Der Fahrer des Honda konnte nur durch eine Vollbremsung und einem schnellen Ausweichmanöver einen Zusammenstoß verhindern. Zu einer Berührung der beiden Pkw kam es nicht.

Der Bleifuß

Zu hohe Geschwindigkeit steht kurioserweise erst auf Platz vier der häufigsten Unfallursachen 2019. In diesem Zusammenhang sorgte eine Tragödie in Ravenstein im August für Schlagzeilen. Die Verkehrspolizei sucht nach wie vor nach Zeugen, die das Geschehen beobachteten. Ein 46-Jähriger fuhr mit seiner Suzuki von Oberwittstadt in Richtung Hüngheim, als seine Maschine vermutlich aufgrund überhöhter Geschwindigkeit nach links von der Fahrbahn abkam. Der Biker verstarb noch an der Unfallstelle. Inzwischen ist der Polizei bekannt, dass zum Zeitpunkt des Unfalls ein schlammfarbener Suzuki-Geländewagen von Hüngheim in Richtung Oberwittstadt fuhr.

Vorfahrt beachten

Auf Platz drei der Unfallursachen befindet sich die Vorfahrtsmissachtung. Solche ereignen sich tagtäglich. Im Neckar-Odenwald-Kreis zuletzt, als ein 20-Jähriger mit seinem Ford auf der Wertheimer Straße in Richtung Würzburger Straße in Hardheim unterwegs war. An der Einmündung bog der Fahrer in die Straße ein und übersah hierbei den vorfahrtsberechtigten Kia eines 48-Jährigen. Es kam zum Zusammenstoß der Fahrzeuge mit einem Sachschaden in Höhe von knapp 6000 Euro.

Vorsicht statt Nachsicht

Wie wichtig es ist, ausreichend Abstand zu halten – Platz zwei der häufigsten Unfallursachen – zeigte sich im August in Buchen. In der dortigen Iglauer-Straße hielt ein Audi-Fahrer zu wenig Abstand. Die Folge war, dass der 28-Jährige mit seinem Wagen einen geparkten Opel streifte. Durch den Unfall wurden beide Fahrzeuge stark beschädigt. Es entstand Sachschaden in Höhe von rund 9000 Euro.

Alltäglich wie gefährlich

Laut Polizeistatistik passierten 2019 erneut die meisten Unfälle beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Ein besonders erschütternder Vorfall ereignete sich im Juli bei Waldhausen. Mit schwersten, lebensgefährlichen Verletzungen musste ein Motorradfahrer mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht werden. Gegen 22.16 Uhr fuhr der Fahrer eines Fords Focus auf der B 27 von Mosbach in Richtung Buchen. An der Kreuzung Waldhausen/Limbach wollte der 35-Jährige nach links in Richtung Limbach abbiegen. Hierbei übersah der Mann den aus Richtung Buchen heranfahrenden 25-jährigen Kradfahrer. Es kam zum Zusammenstoß, wodurch der Biker mitsamt seiner Maschine über den Ford katapultiert wurde.

Zur Hilfeleistung ausgerückt waren 60 Feuerwehrleute aus Waldhausen, Eberstadt, Bödigheim, Einbach und Buchen Stadt. Daneben waren je ein Rettungswagen aus Buchen und aus Mosbach mit sechs Personen vom DRK-Rettungsdienst, vier Helfer vor Ort des DRK aus Buchen, ein Rettungshubschrauber und ein Notarzt an der Unfallstelle. Die Gesamtleitung hatte Feuerwehrkommandant Andreas Hollerbach. Die Feuerwehr war mit der Verkehrsregelung, dem Binden der ausgelaufenen Betriebsstoffe an dem Personenwagen, der Absicherung der Unfallstelle und dem Ausleuchten der Bundesstraße, unter anderem beim Landen des Hubschraubers, betraut. Die B 27 musste für mehrere Stunden – bis gegen 2 Uhr – voll gesperrt werden. Die Feuerwehr leitete den Verkehr um. Die beiden Insassen des Pkw wurden leicht verletzt. Der Sachschaden betrug rund 10 000 Euro.

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