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Land und Leute Maler Peter Prahl und Töpferin Eva Obrecht können ihre Kunst derzeit nicht verkaufen / Atelier den Hygiene- und Abstandsregeln angepasst

„Die Kleinen bleiben hängen“

Archivartikel

Eberstadt.Der Raum in dem alten Haus ist urig hergerichtet. An den Wänden hängen Bilder, in Regalen steht Keramik. Etwas frisch ist es, so dass man seinen Mantel nicht ausziehen möchte. Vor einem Bild sitzt ein korpulenter Mann und malt. Seine Lebensgefährtin hält sich im Hintergrund. „Es läuft gar nichts mehr“, sagt er. „Die Großen kriegen alles in den Hals geschüttet und die Kleinen bleiben hängen.“ Peter Prahl, von Beruf Maler, ist über 70 Jahre alt, hat drei Herzinfarkte hinter sich und erhält monatlich 580 Euro Rente.

Seine Lebensgefährtin Eva Obrecht arbeitet seit 1992 als Töpferin, davor verdiente sie als Flugbegleiterin ihren Lebensunterhalt. Normalerweise bietet sie jedes zweite Wochenende auf Mittelaltermärkten ihre Ware an, seit 20 Jahren im Advent auf dem Weihnachtsmarkt in Michelstadt. Mit diesem Umsatz halten sich die beiden normalerweise drei Monate lang über Wasser, bis die ersten Mittelaltermärkte beginnen. In diesem Jahr lief wegen Corona fast nichts, im nächsten möglicherweise auch nichts.

Viel Geld investiert

Das Atelier der beiden war bisher ein Ladengeschäft, in dem man Mittelalterutensilien und -kleidung kaufen konnte. Die beiden investierten nach eigenen Worten 10 000 Euro, bauten den Laden „coronagerecht“ um und richteten Arbeitsplätze ein für Kursteilnehmer, um Töpfer- und Malkurse anzubieten- Mitte Oktober begannen die ersten Töpferkurse, doch im November war wieder Schluss.

Auch die vom Staat zur Verfügung gestellte sogenannte November-Hilfe bringt den beiden nichts. „Man kommt nicht zurecht mit diesem System“, sagt Prahl. Und einen Steuerberater können sich die beiden nicht leisten. „Wir rechnen damit, dass wir bis Ende des nächsten Jahres keine Einnahmen haben.“ Wie Prahl erläuterte, sei er ein bekannter Tiermaler. So habe er zum Beispiel für die Zeitschrift „Jagd + Hund“ gearbeitet. Außerdem biete ein Galerist aus den USA seine Bilder an. Früher fertigte er Holzskulpturen mit der Motorsäge. Jetzt nimmt er Aufträge für Tierporträts, zum Beispiel von Pferden und Hunden, entgegen. So habe er kürzlich den Auftrag erhalten, bis Weihnachten den Hund eines Kunden zu malen.

Rund 150 Bilder stehen im Atelier und in anderen Räumen des Hauses in der Hauptstraße in Eberstadt. Eva Obrecht bereitete sich mit vielen Arbeiten auf ihren Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Michelstadt vor. Die Lager sind also voll, der Laden aber zu. Und wann die nächsten Märkte werden stattfinden können, wo die beiden ihre Kunst werden anbieten können, weiß keiner zu sagen. Dennoch malen und töpfern die beiden. Die Arbeit hilft zu vergessen.

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