Buchen

Neuer Waldkindergarten eingeweiht Zehn Kinder besuchen seit Anfang September die Einrichtung / Projekt innerhalb eines Jahres umgesetzt

„Der Wald als Haus mit vielen Räumen“

Archivartikel

Mit Jagdhornbläsern und Gesang wurde am Freitagnachmittag Buchens erster Waldkindergarten eingeweiht. Derzeit besuchen zehn Kinder diese Einrichtung.

Buchen. Sie nennen sich „Roth-Füchse“ und ihren Unterschlupf „Fuchsbau“: Zehn Kinder besuchen seit Anfang September den neuen Waldkindergarten am „Kleinen Roth“. Zur Einweihung am Freitag spielte die Jagdhornbläsergruppe „Waidmanns Heil“ der Kreisjägervereinigung unter der Leitung von Renate Heitmann. Die Kinder selbst sangen gemeinsam mit ihren Kameraden vom Kindergarten „Regenbogen“ Willkommenslieder. Und auch die Gäste der Einweihung durften mitsingen, zunächst auf Initiative von Pfarrerin Irmtraud Fischer, dann spontan zum Gitarrenspiel von Dekan Rüdiger Krauth.

„Gutes Team“

Natürlich fehlten auch Ansprachen und Grußworte nicht bei dieser Einweihungsfeier. So begrüßte Klaus-Dieter Heller, Kindergartenbeauftragter der evangelischen Christus-Kirchengemeinde, die Gäste ebenso wie Pfarrerin Fischer. Diese fand die Terminwahl der Feier äußerst passend. Denn am Freitag war Weltkinder- und Weltklimatag. Sie lobte die Erzieherinnen und den Anerkennungspraktikanten als „gutes Team“. Außerdem bedankte sie sich bei der Stadt Buchen für die gute Zusammenarbeit sowie für die gute Nachbarschaft mit den Pfadfindern und dem Odenwaldclub. Ihr besonderer Dank galt aber Klaus-Dieter Müller, der seine persönliche Vision eines Waldkindergartens beharrlich verfolgt habe.

Auf untypische Weise entstanden

Bürgermeister Roland Burger zählte die Vorteile der Waldpädagogik auf. „Die Kinder erleben die Natur von klein auf zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung“, sagte er. So soll der Aufenthalt im Freien das Immunsystem stärken. „Wir können stolz auf einen kurzen Weg zurückblicken“, sagte er und meinte damit die Realisierung des Projekts innerhalb eines Jahres. Man habe „Irrungen und Wirrungen mit dem Rückzugsraum“ gut bewältigt.

Das Team vom Bauamt habe hier sehr gute Arbeit geleistet. Denn der Rückzugsraum für die Waldkinder sei auf untypische Weise geschaffen worden. Üblich sei ein Bauwagen ohne Toilette und Wasseranschluss. In Buchen steht ein Container mit Toilette, Wasser- und Stromanschluss. Auch Burger lobte Überzeugungskraft und Elan von Klaus-Dieter Heller. Im Juli werde der Fuchsbau voraussichtlich 15 Kinder beherbergen. Dann wären nur noch fünf Plätze in dieser Außengruppe des Kindergartens „Regenbogen“ frei.

113 000 Euro investiert

Nach den Worten des Bürgermeisters hat die Stadt für den Container rund 60 000 Euro, für dessen Aufstellung und den Anschluss an die Versorgungsleitungen weitere 53 000 Euro investiert. „Das ist gut angelegtes Geld“, betonte der Bürgermeister. „Wir brauchen zusätzliche Kindergartenplätze dringend!“ Er dankte allen Beteiligten und wünschte Kindern und Erziehern des Waldkindergartens eine gute Zeit. Außerdem übergab er dem Kindergartenteam einen Schlüssel zum Aufessen. „Staunen und Schützen gehören zusammen“, sagte Pfarrerin Irmtraud Fischer, bevor sie das Segensgebet sprach. Kinder sollen im Waldkindergarten lernen, die Schönheit der Schöpfung zu bestaunen. Sie sollen Pflanzen und Tiere kennenlernen. „Staunt, wie schön Gott die Welt geschaffen hat“, sagte sie.

Erzieherin Sonja Egenberger erläuterte kurz das Konzept des Waldkindergartens. Die Kinder sollen auf sinnliche Weise Natur erfahren und Abenteuer erleben. „Der Wald erweist sich als Haus mit vielen Räumen“, sagte sie. Kinder würden zum Beispiel mit Baumwurzeln spielen. Diese stellten heute ein Feuerwehrauto und morgen vielleicht einen Traktor dar. Sie lernten Pflanzen, Bäume und Tiere kennen. Man sei schon zum Tierweitsprung des waldpädagogischen Pfads gelaufen und habe ein Waldsofa mit Jahreszeitentisch gebaut. Als Ständer für die Rucksäcke der Kinder dienen zusammengebundene Stöcke. Und auch zwei Tipis aus Ästen stehen schon: eines für die Mädchen, das andere für die Buben.

„Was in wenigen Monaten entstanden ist, ist eine Sensation“, freute sich Klaus-Dieter Heller. „Diese Lösung hier ist einmalig im Waldkindergartenbereich.“ Er lobte die Stadtverwaltung für ihr unbürokratisches und flexibles Handeln.

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