Buchen

Archäologischer Fund in Hettingen? Markus Müller vermutet ein Römerkastell unweit der Amorbacher Straße

Der trockene Sommer lieferte Hinweise

Archivartikel

Versteckt sich am Hettinger Ortsrand ein archäologischer Fund im Untergrund? Markus Müller fand durch Zufall Indizien für ein großes Römerkastell. Die Behörden wollen die Hinweise überprüfen.

Hettingen. Äußerlich sieht das Feld unscheinbar aus. Ein paar Büsche und kleinere Bäume unterteilen die Wiese, ein kleiner Weg führt zur Kapelle am Hettinger Ortsrand. Doch unter der Erde befindet sich vielleicht ein Fund, der die Geschichte von Hettingen neuschreiben könnte. Anhand eines Satellitenbildes und einiger weiterer Indizien vermutet Markus Müller ein Römerkastell unweit der Amorbacher Straße. Die Anlage wäre noch größer als die in Osterburken, schätzt er. Dabei war es purer Zufall, dass er möglicherweise einen archäologischen Fund gemacht hat.

Während der trockene Sommer der Landwirtschaft schwer zu schaffen machte, hatte er in diesem Fall eine vielleicht positive Auswirkung. Der aus Lippstadt stammende Müller, der seit zwei Jahren in Hettingen wohnt, interessiert sich schon seit seiner Kindheit für die römische Geschichte und Archäologie. Dieses Interesse behielt er auch nach seinem Umzug bei. Über Google Maps entdeckte er Schattierungen am Ortsrand, welche auf eine archäologische Entdeckung hinweisen könnten. Müller sammelte daraufhin weitere Indizien über die Limes-Geschichte und bemerkte, dass es sich um ein sogenanntes Kohortenkastell aus dem Zeitraum 150 bis 260 nach Christus handeln könnte. In wissenschaftlichen Unterlagen über das Kastell Alteburg Walldürn fand er einen weiteren Hinweis: Dort ist von einer zweiten Anlage die Rede, die noch nicht gefunden wurde. Passend wäre auch, dass normalerweise zwischen zwei Kohortenkastellen am Limes der Abstand 14 Kilometer betrug. „In den fast 30 Kilometern zwischen Osterburken und Miltenberg gibt es aber kein bekanntes größeres Kastell“, erzählt Müller den FN. Der Limes sei so gerade errichtet worden, dass man fast schon ein Lineal auf einer Karte anlegen könne. „Verbindet man die Kastelle Osterburken und Miltenberg, liegt Hettingen genau in der Mitte“.

Als weitere Indizien sieht Müller einen alten Steinbruch in der Nähe sowie die Lage von zwei Außentürmen, welche auf Anhöhen in der Nähe standen und direkten Blickkontakt auf das mutmaßliche Kastell hatten. Er habe sämtliche Bücher durchforstet, so Müller, und einige weitere Beweise gefunden. Unter anderem, dass in diesem Kastell vermutlich mehr als 480 Mann untergebracht waren. „Das würde die Limes-Geschichte verändern, denn aufgrund der fehlenden Anlage beruht vieles auf Vermutungen. Die fehlenden Fakten wären damit erklärt“.

Nur von zwei Seiten zu schützen

Das Satellitenbild sei der deutlichste Beweis, denn: „Gerade Linien gibt es in der Natur nicht“. Für die Lage unweit der Amorbacher Straße würde auch sprechen, dass das Kastell nur von zwei Seiten geschützt werden musste. Das Gelände ist auf der Anhöhe in Richtung Westen und Süden von Wald umgeben. Müller fand außerdem heraus, dass eine vermutete antike Straße vom Kleinkastell Höhnehaus (Rehberg) genau auf den möglichen Fund in Hettingen zuläuft. Er schätzt, dass das Kastell deshalb nicht direkt am Limes lag, weil damals beim Bau der Anlage noch nicht der geplante Limes-Verlauf feststand. „Es sind nur Indizien, daher ist alles möglich, aber diese Hinweise sollten untersucht werden“, findet Müller.

Seinen möglichen Fund hat er bereits dem Landesamt für Denkmalschutz weitergeleitet. Die Behörde teilte mit, dass den Fragen nachgegangen werde und eine Begehung des fraglichen Geländes empfohlen worden sei. Auch die Stadt Buchen ist bereits informiert worden, wie Hubert Kieser erklärte. „Wir haben jedoch keine aktive Rolle in diesem Verfahren“, so der Technische Dezernent.

Begehung mit Experten

Müller hat sich derweil das Ok der Denkmalbehörde eingeholt, mit Experten eine Begehung des Geländes vorzunehmen. Graben dürfen sie nicht, sollten sie aber weitere Hinweise wie alte Tonscherben finden, könnte beispielsweise ein Sonar hinzugezogen werden, um den Untergrund zu erforschen. Doch das Gelände muss frei von Schnee sein, betont Müller. „Wenn das der Fall ist, kann es ganz schnell gehen. Ich rechne damit, dass wir uns in zwei bis drei Wochen vor Ort ein Bild machen können“.