Buchen

Heimatvereine in Buchen Etwa 35 Kleindenkmäler stehen auf Hainstadter Gemarkung / Umfangreiches Archivmaterial lagert in sieben Stahlschränken

„Der Stolz des Vereins ist die Anna-Kapelle“

Der Erhalt von etwa 35 Klein- und Flurdenkmälern zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Heimatvereins Hainstadt.

Hainstadt. Wer den Heimatverein Hainstadt kennenlernen will, sollte vier Stationen anlaufen: das Privathaus seines Vorsitzenden Ewald Gramlich in der Gregor-Mendel-Straße, das Archiv des Vereins im Keller des Kindergartens, den Häuserbrunnen und die Anna-Kapelle.

Ewald Gramlich sitzt in seinem Wohnhaus in einem kleinen Büro, das fast komplett dem Heimatverein gewidmet ist. In Schränken und Kisten stapeln sich Unterlagen des Vereins, den der Heimatforscher Ambrosius Götzelmann im Jahr 1922 gegründet hatte. Das Büro ist gleichzeitig eine Redaktion. Denn hier produziert Gramlich einen Heimatkalender und von Mitte Dezember bis Mitte Februar die jährlich erscheinenden Heimathefte.

Mit einem Umfang von mehr als 120 Seiten sind aus den Heften schon längst Bücher geworden. In diesen informiert der Verein über Geschehnisse des vergangenen Jahres, zum Beispiel über Vereinsjubiläen, Jahrgangstreffen und natürlich über seine Arbeit.

Zu dieser zählt neben der Traditionspflege auch der Erhalt von Klein- und Flurdenkmälern. Etwa 35 davon stehen auf der Gemarkung von Hainstadt. Viele dieser Bildstöcke befinden sich entlang des alten Wallfahrtswegs nach Walldürn. In der Regel ist auf diesen das Blutwunder abgebildet. Eine Ausnahme bildet ein Bildstock in der Nähe von Kirche und Friedhof. Auf diesem hat der unbekannte Künstler die Heilige Familie mit einem darüber schwebenden Engel dargestellt. „Das macht den Bildstock einzigartig in Hainstadt“, stellt Gramlich fest. Seine barocken Schmuckformen lassen darauf schließen, dass er Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Im vergangenen Jahr ließ der Heimatvereins dieses Kunstwerk restaurieren.

Damit Bildstöcke, die niemandem gehören, nicht in Vergessenheit geraten, führte Gramlich sogenannte „Bildstockpatenschaften“ ein. 15 Hainstadter schauen regelmäßig bei solchen Bildstöcken vorbei, weisen auf Schäden hin oder stellen dort Blumenschmuck auf. Eine besondere Restauration plant der Verein noch für dieses Jahr: Die ortsbildprägende Marienstatue soll entmoost und saniert werden. Der Verein wird demnächst ein Angebot eines Restaurators einholen. Ewald Gramlich rechnet mit einer Investition von mehreren tausend Euro. Als gemeinnütziger Verein könne der Heimatverein staatliche Zuschüsse für solche Arbeiten beantragen, sagte Gramlich.

Nicht weit von Marienstatue und Kirche befindet sich das Archiv des Vereins. Im Keller des alten Kindergartens lagern in sieben Stahlschränken Dias, Heimathefte und Bilder. Im digitalen Archiv des Vereins sind allein über 25.000 Fotoaufnahmen hinterlegt. Außerdem hebt der Verein hier Schautalfeln mit historischen Aufnahmen von Hainstadt auf. „Wir könnten von heute auf morgen eine Ausstellung mit alten Bildern von Hainstadt auf die Beine stellen“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Eine Hainstadter Besonderheit ist der „Häuserbrunnen“ nahe der Bahnlinie in Richtung Walldürn. Dieser wurde bereits im Jahr 1467 als „Häuslingsbrunnen“ erwähnt. Vom Jahr 1908 bis zum Jahr 1972 versorgte der Brunnen die damals noch selbstständige Gemeinde mit Wasser. Wegen des natürlichen Gefälles floss das Wasser ohne den Einsatz von Pumpen in die Brunnen des Dorfes und bis zum alten Hochbehälter in der Dürmer Straße. Später wurde der Ort an die Bodenseewasserversorgung angeschlossen. Im Jahr 2010 restaurierte der Verein gemeinsam mit der Stadt Buchen den alten Brunnen. Ein gepflegter Rasen, ein Pumpbrunnen und eine Sitzgruppe laden dort zum Verweilen ein. Manch kleines Fest wurde an diesem idyllischen Ort schon gefeiert.

„Der Stolz unseres Vereins ist die Annakapelle“, sagt Ewald Gramlich. Dank vieler Sponsoren und ehrenamtlicher Helfer gelang es, diese Gebetsstätte zu Ehren der Hainstadter Ortsheiligen im Jahr 2007 zu errichten. Charakteristisch für die Kapelle ist der freistehende Glockenturm. Wanderer, Radfahrer, Teilnehmer von Jahrgangstreffen und Vereine steuern die Flurkapelle an. Bereits das fünfte „Anliegen-Buch“ liegt in der Kapelle aus. Dort können Besucher ihre Wünsche oder Gedanken hineinschreiben. 40 Einwohner von Hainstadt übernehmen ehrenamtlich den Schließdienst für die Kapelle. Sie öffnen diese morgens und schließen sie abends wieder zu. „Das ist eine unserer tollsten Gemeinschaftsleistungen im Ort“, stellt Ewald Gramlich voller Freude fest.

Dem Heimatverein Hainstadt gehören mehr als 400 Mitglieder an. Vorstand und Beirat umfassen insgesamt 18 Personen. Der Verein wurde im Jahr 1922 gegründet und zählt damit zu den ältesten Vereinen seiner Art in der Region.

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