Buchen

Corona Die Pandemie hat das Personal der Neckar-Odenwald-Kliniken vor enorme Aufgaben gestellt

„Der Rückhalt hat motiviert“

Archivartikel

Buchen.In seinem Rückblick bei der Jahresabschlusssitzung des Gemeinderates hatte Bürgermeister Burger gesagt: „Corona hat fast alle Bereiche unseres Lebens auf den Kopf gestellt.“ Das gilt vor allem für das Personal des Gesundheitswesens. Die FN sprachen mit Dr. Harald Genzwürker, dem Ärztlichen Leiter der Neckar-Odenwald-Kliniken über das, was war und über das, was ihm Zuversicht gibt.

Herr Genzwürker, als Sie zu Beginn des Jahres erstmals vom Corona-Virus gehört haben, hatten Sie da schon eine Vorahnung, was auf Sie und Ihr Team zukommen würde?

Dr. Harald Genzwürker: Alles war weit weg, das klang nicht unbedingt nach einem Thema für uns. Wie bei Ebola und Mers konnte ich mir schon vorstellen, dass durch den internationalen Reiseverkehr auch einzelne Fälle nach Deutschland kommen könnten – die dann wie bei diesen beiden hochansteckenden Erkrankungen in Kliniken in den Ballungsräumen versorgt werden – dachte ich …

War es schwer, sich und die Mitarbeiter auf die „verschärfte Situation“ einzustellen und wie haben Sie das gemacht?

Genzwürker: Begleitet durch die hohe mediale Aufmerksamkeit war unseren Mitarbeitern in allen Bereichen schnell bewusst, dass sich hier etwas entwickelt, das uns im Odenwald nicht verschonen wird. Die Frühphase im März und April war geprägt von der Beschaffung von Informationen zu den Themen Behandlung und Schutzmaßnahmen einerseits, aber auch von der Beschaffung der notwendigen Schutzausrüstung andererseits. Wichtig war der Teamgeist in den besonders betroffenen Abteilungen, also der Inneren Medizin und den Isolier- und Intensivstationen, sowie die Unterstützung durch die anderen Fachbereiche. Dazu kam ein im Frühjahr viel deutlicher spürbarer und artikulierter Rückhalt in der Bevölkerung, der sich sehr motivierend auf unsere Belegschaft auswirkte.

Welche Reaktionen haben Sie von Patienten erhalten, die bei Ihnen behandelt wurden?

Genzwürker: Wir erfuhren hier große Dankbarkeit, dass wohnortnah eine Versorgung auf hohem Niveau möglich war, in Fällen mit schwerem Verlauf teilweise inklusive mehrwöchiger Intensivbehandlung. Unsere gute Verbindung nach Heidelberg und in andere Zentren haben wir genutzt, wenn eine Behandlung dort unumgänglich war oder wir keine Kapazitäten mehr hatten. Auch eine wichtige Rückmeldung, die wir von Patienten, aber auch von Angehörigen leider Verstorbener erhielten: Trotz aller Belastung, trotz allem Stress war auch immer eine große menschliche Zuwendung und Anteilnahme spürbar.

Sind die Neckar-Odenwald-Kliniken gewappnet für die nächsten Wochen?

Genzwürker: Nach dem, was wir seit Wochen leisten und mit derzeit einem neuen Höchststand von über 60 positiv getesteten Patienten an beiden Standorten stemmen, trauen wir uns auch weiter einiges zu. Unterstützung erfahren wir dabei von ehrenamtlichen Helfern des DRK und inzwischen auch von Personal der Bundeswehr. Mit mittlerweile jeweils drei Isolierstationen an beiden Standorten sind Grenzen unserer Leistungsfähigkeit allerdings erreicht. Entscheidend wird daher sein, dass die Anstrengungen zur Reduktion der Neuinfektionen greifen. Hier sind wir auf die Unterstützung der Menschen im Landkreis angewiesen, die durch Kontaktvermeidung und Hygienemaßnahmen dafür sorgen, dass bei uns weniger Fälle ankommen.

Was macht Ihnen Zuversicht, dass „der Spuk“ bald vorbei ist?

Genzwürker: Unverändert habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass in der Bevölkerung die allermeisten verstanden haben, wie sie ihren Beitrag zur Infektionsvermeidung leisten können. Dazu kommt jetzt noch die Verfügbarkeit des Impfstoffs, den ich nutzen werde, sobald ich an der Reihe bin. Es ist eine unglaubliche Leistung, wie durch gebündelte Anstrengungen diese Möglichkeit so schnell geschaffen wurde – ich habe größten Respekt vor den forschenden Kolleginnen und Kollegen, die daran beteiligt waren. Dankbar bin ich auch all denen, die jetzt dafür sorgen, dass die Impfungen tatsächlich durchgeführt werden können.

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