Buchen

Kulturforum „Vis-à-vis“ in Buchen Wanderausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818 bis 1919“ eröffnet

„Der Rechtsstaat schützt das Volk“

Archivartikel

Buchen.Informative Schautafeln, lebhafte Bilder und jede Menge Fakten – die nicht jedem bewusst sein dürften – bietet die am Mittwoch im Kulturforum „Vis-à-vis“ eröffnete, von Dr. Peter Exner (Karlsruhe) für das Generallandesarchiv konzipierte Wanderausstellung „Demokratie wagen? Baden 1818 bis 1919“.

Mit launigen Bonmots nach Winston Churchill spannte Bürgermeister Roland Burger eingangs die Brücke zum Vertrauen in Staat und Obrigkeit. „Uns sind durchaus auch Schwächen der Demokratie bewusst – dennoch ist gerade sie es, die verlässliche Rahmenbedingungen schafft“, hielt er fest und bezeichnete Baden als „Vorreiter in Sachen Demokratie und Musterländle, als es diese heute auf ganz Baden-Württemberg gemünzte Formulierung noch gar nicht gegeben hatte“. Im selben Atemzug würdigte er die Fortführung der guten Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und maß der Ausstellung gerade in aktuellen Zeiten einen hohen Stellenwert zu: „Die Demokratie leidet derzeit an einem gewissen Akzeptanzverlust“, bedauerte er im Hinblick auf die Verbreitung obskurer Verschwörungstheorien oder aktueller Vorkommnisse etwa in Stuttgart. Demokratie erfordere zwar besonders jetzt Stehvermögen und Mut, solle jedoch als hohes Gut bewahrt werden.

Die fachliche Einführung oblag Dr. Rainer Brüning. Er verwies auf eine schwierige Zeit, in der das Kaiserreich noch einmal erstrahlt sei: „Das 19. Jahrhundert wurde vom ‚Kampf’ zwischen Monarchie und Demokratie und der Frage dominiert, wer Zugang zur Macht erhält und welche Teile der Bevölkerung an der Herrschaft teilnehmen“, erklärte er. Diese Eigenheit untermauere nicht zuletzt das Leitmotiv der Ausstellung, das die Mitglieder des Landtags und der Monarchie im Jahr 1921 auf einem gemeinsamen Foto zeigt.

Haltungsentwicklung

Grundsätzlich versuche die Ausstellung, die Frage nach der Haltungsentwicklung in Baden zu klären und dabei den Fokus auf die Entstehung des ausgewogenen Verhältnisses demokratischer und monarchischer Elemente zu richten. Auch der Weg in den modernen Rechtsstaat findet Erwähnung: „Wichtig war uns, die Durchsetzung und Geltung allgemeiner Menschen- und Bürgerrechte nachzuzeichnen“, schilderte Dr. Rainer Brüning im Hinblick auf das Wahlrecht sowie beispielsweise Presse- und Versammlungsfreiheit. „Der Rechtsstaat schützt das Volk, indem die Stärke des Rechts statt dem Recht des Stärkeren gilt“, ließ der Experte wissen und signalisierte, dass das als Wanderausstellung angelegte Ensemble stets offen für lokale Ergänzungen sei. Unterteilt ist die Ausstellung in acht Kapitel, die den Weg von den badischen Befürwortern der französischen Revolution über die Badische Verfassung von 1818 und den Kampf um die Pressefreiheit im Vormärz bis hin zur Revolution 1848/49 mit Offenburg („badisches Bethlehem“) als Fluchtpunkt und der strafrechtlichen Abwicklung zeichnet.

Als vorläufige Endpunkte sind der Zusammenbruch der Monarchie 1919 mt Übergang Badens zur Republik sowie das Grundgesetz vom 23. Mai 1949 gesetzt worden, welches einige Ziele der Badischen Verfassung in die Gegenwart trage.

Historisches Basiswissen

„Die Ausstellung möchte historisches Basiswissen vermitteln und sieht sich als wichtigen Baustein zur geschichtlichen Bildungsarbeit“, präzisierte Dr. Rainer Brüning und erhoffte, dass gerade junge Menschen sich angesprochen fühlen. „Was wir hier sehen, soll zur Identifikation mit demokratischen Werten beitragen“, betonte er im Hinblick auf den im Grundgesetz verankerten Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Nach seinem fundierten Exposé führte er die Teilnehmer durch die Ausstellung. ad

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