Buchen

Serie über Buchener Heimatvereine (Teil 8) Oberneudorf verfügt über acht Bildstöcke und Wegkreuze / Teilweise tragische Entstehungsgeschichte

Denkmal für erschlagenes Kind

Der „Verein zur Brauchtums- und Heimatpflege Oberneudorf“ kümmert sich nicht nur um den Erhalt von Kleindenkmälern, sondern sorgt auch für ein lebendiges Dorfleben.

Oberneudorf. Drei Bildstöcke stehen in der Ortsmitte von Oberneudorf. Einer von ihnen erinnert an den Unfalltod eines dreijährigen Jungen.

In der Ortsmitte von Oberneudorf fällt ein Dreier-Ensemble an Gedenksteinen auf: Der älteste, aus dem Jahr 1758 stammende Bildstock wird flankiert von zwei Mahnmalen, die an die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 und an die des Ersten Weltkriegs erinnern. Die Inschrift des Bildstocks weist auf „nickolaus bimmer und Maria efa“ hin, die das Kunstwerk „zu grösern gotteslob und ehr“ hatten errichten lassen. Einem tragischen Hintergrund verdankt dagegen der Bildstock auf der Verkehrsinsel seine Entstehung.

An seiner Säule ist ein Unfall dargestellt: Ein Mensch liegt unter einem Tor begraben. Ludwig und Margarete Hess hatten das Denkmal im Jahr 1802 aufstellen lassen, weil ihr knapp vierjähriger Sohn von einem einstürzenden Scheunentor erschlagen worden war. Der dritte Bildstock in der Ortsmitte stand ursprünglich am Parkplatz „Rüdth’sches Eck“.

Die barocke Votivtafel aus dem Jahr 1764 wurde in den 1980-er Jahren gestohlen. Man ließ sie nachbilden und den Bildstock im Ort aufstellen. Oberneudorf verfügt auf seiner Gemarkung über insgesamt acht Bildstöcke und Kreuze. „Alle sind grundsaniert“, stellt Elmar Noe, Vorsitzender des Heimatvereins, fest. In seiner Satzung hat sich der Heimatverein dazu verpflichtet, sich um den Erhalt der Bildstöcke im Ort zu kümmern.

Dem Heimatverein geht die Arbeit trotzdem nicht aus. So wird man das Kriegerdenkmal zu Ehren der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs reinigen. Auf dem Platz zwischen Schule und Kirche will der Verein eine weltliche Skulptur aufstellen lassen. Außerdem betreibt der Verein im Gemeinschaftshaus „Kegelbahn“ die Gaststätte. Zehn Vereinsmitglieder wechseln sich mit dem Service ab. Man trifft sich dort sonntags zum Frühschoppen, mittwochabends sowie monatlich zum Frauenstammtisch und zu Vereinsversammlungen. Die Montagssportler versorgen sich in der Gaststube selbst.

Der Heimatverein veranstaltet jährlich an Dreikönig ein Familienkegeln, zu Fastnacht einen Kappenabend und einen Vortragsabend im Herbst. Außerdem stehen Jahres- und Familienausflüge sowie Wanderungen in die nähere Umgebung auf dem Programm. Nach den Worten von Vorstandsmitglied Jochen Schwab beteiligen sich vor allem am Kappenabend viele Jugendliche aus dem Dorf. Sie bereiten humorvolle Beiträge auf der Bühne vor oder bedienen die Gäste im Saal.

Verein 1990 gegründet

Der Heimatverein wurde im Jahr 1990 gegründet, um in erster Linie das Jubiläum zum 700-jährigen Bestehen des Odenwalddorfs im Jahr 1991 vorzubereiten. Dieses Fest war sehr erfolgreich. Der Verein zehrt heute noch von dem finanziellen Grundstock, den damit erwirtschaftete. Mit diesem Geld kaufte er drei Küchen, und zwar eine für die Schule, eine für die Gaststätte „Kegelbahn“ und eine weitere für den Saal über der Gaststätte. Außerdem schuf er einen Defibrillator für das Schulhaus an.

Alle fünf Jahre gibt der „Verein zur Heimat- und Brauchtumspflege“ einen Heimatbrief heraus mit einem Umfang von rund 80 Seiten. Dieser informiert über Vereine, Menschen und Begebenheiten in Oberneudorf. Der nächste soll im Jahr 2021 erscheinen. Nach den Worten von Vereinsvorsitzendem Elmar Noe und Beisitzer Jochen Schwab dauert die Erstellung dieses Heftes rund ein Jahr. Man wird mit der Vorbereitung des nächsten Heimatbriefs also bald beginnen.

Dem „Verein zur Brauchtums- und Heimatpflege Oberneudorf“ gehören rund hundert Mitglieder an. Elmar Noe ist seit 14 Jahren sein Vorsitzender.

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