Buchen

Stromausfall in Buchen Häuser in der Walldürnerstraße und Vorstadtstraße sowie der „Reichsadler“ betroffen / Mitarbeiter der Stadtwerke waren tagelang beschäftigt

„Das war wie in einem Horrorfilm“

Archivartikel

Buchen.Lichter flackerten, das Radio stotterte, die Mikrowelle piepste unaufhörlich und die elektrischen Rollläden spielten verrückt. „Das war wie in einem Horrorfilm“, erinnerte sich Sandra Henkel an den vergangenen Samstagmorgen. „Alles ging immer wieder an und aus.“ Sie vermutete eine Störung innerhalb des Hauses und überprüfte die Sicherungen. Doch da war alles in Ordnung. Ein Anruf bei der Störungsstelle der Stadtwerke ergab, dass ein Stromleitungsschaden in der Walldürner Straße vorlag. Mitarbeiter der Stadtwerke und einer Baufirma rückten an. Die Fehlersuche gestaltete sich schwierig. Fast zehn Stunden, bis etwa 17.30 Uhr, mussten die Bewohner der Häuser Walldürner Straße 1 bis 4 sowie der Vorstadtstraße 24 und 26 sich gedulden, bis der Strom wieder floss. In dieser Zeit stieg die Temperatur in Henkels Gefriertruhe von minus 18 auf minus neun Grad. Statt übers Wochenende wegzufahren, verbrachte das Ehepaar den Samstag zu Hause, weil man für die Mitarbeiter der Stadtwerke erreichbar sein musste. Also strich der Ehemann von Sandra Henkel die Wände eines Zimmers. Und die Küche blieb an diesem Tag notgedrungen kalt. „Das ist überhaupt nicht lustig!“, stellte Sandra Henkel fest.

Große Herausforderung

Die Mitarbeiter des Gasthauses und Hotels „Reichsadler“ wurden vor größere Herausforderungen gestellt. An jenem Samstagmorgen gegen 7.30 Uhr bereiteten sie für 22 Personen das Frühstück zu. Zum Glück hatten viele Gäste zu diesem Zeitpunkt ihr Essen schon eingenommen. Um genügend Kaffee kochen zu können, hatte eine Mitarbeiterin Kaffee und Filter besorgt. Da die Küche über Gasherde verfügt, war das Erhitzen von Wasser für Kaffee und Tee kein Problem. Allerdings funktionierte die Kühlkammer des Hotels nicht. Mitarbeiter der Stadtwerke waren rasch zur Stelle und versorgten das Restaurant mit Strom aus dem benachbarten Gästehaus.

Wie Hubert Henn, Abteilungsleiter für Stromversorgung bei den Stadtwerken, erläuterte, verwenden die technischen Mitarbeiter spezielle Suchgeräte, um Leitungsschäden in der Erde zu finden. So setzten sie bei ihrer Suche am Samstag ein Mantelfehler-Ortungsgerät ein. Mit diesem lassen sich überirdisch Schäden an der Ummantelung der Leitungen im Erdreich feststellen. Auf diese Weise entdeckte man eine defekte Muffe vor dem Gebäude Walldürner Straße 2. Außerdem stellte man einen zweiten Fehler fest, den man an diesem Tag nicht lokalisieren konnte. Über das Wochenende wurden die betroffenen Haushalte provisorisch mit Strom versorgt. Mit einem Kabel-Messwagen ermittelte man am Montag die Ursache des zweiten Fehlers: Ein Anschlusskabel war defekt. Nach den Worten von Henn kann dieser Schaden mit der Baustelle am künftigen Gästehaus des Hotels „Reichsadler“ zusammenhängen, muss es aber nicht. Um die Leitung dauerhaft zu reparieren, wurde der Strom in diesem Bereich am Dienstag von 14 bis 16.30 Uhr abgestellt.

Doch am Donnerstagmorgen flackerten wieder die Lichter. Beim „Reichsadler“ fiel der Strom gegen 7 Uhr aus, in den anderen Haushalten etwas später. Nach den Worten von Henn war eine Muffe kaputt, die für die Stromversorgung des Hotels notwendig ist. Durch die kleinen Kurzschlüsse und Spannungsabfälle in den Leitungen vom Samstag seien Drähte erhitzt und beschädigt worden. „Das sind Folgeschäden. Die kann man nicht vorhersehen“, sagte Henn. Außerdem waren im Kabelverteiler alle drei Sicherungen defekt.

Mitten im Frühstücksbetrieb

An diesem Tag traf der Stromausfall das Hotel mitten im Frühstücksbetrieb. Wie eine „Reichsadler“-Mitarbeiterin sagte, war das Hotel ausgebucht. Rund 30 Gäste wollten ihr Frühstück einnehmen. Die Eier waren schon gekocht, der Speck angebraten, aber der Kaffee reichte nicht. Die Gäste mussten mit Tee vorliebnehmen. Abreisende Gäste mussten sich ihre Abrechnung zuschicken lassen, denn die Hotelmitarbeiterinnen konnten nicht auf den Computer zugreifen. Bezahlen mit Karte war auch nicht möglich. „Die Mitarbeiter der Stadtwerke waren aber schnell“, lobte die Mitarbeiterin. Gegen 9 Uhr versorgten diese das Hotel mithilfe eines mobilen Aggregats mit Strom. Die anderen Haushalte mussten ohne Elektrizität ausgekommen, während die Stadtwerke-Mitarbeiter die Leitungen überprüften und die Fehler beseitigten. Gegen 14.45 Uhr sollte für alle wieder der Strom fließen. Doch das tat er nicht. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte ein Techniker in der Baugrube am Zebrastreifen. Die Fehlersuche begann von vorne, bis gegen 16 Uhr die Störung behoben war. Allerdings nicht für das Hotel „Reichsadler“. Dieses musste bis zum Freitag, 11 Uhr, durch ein Aggregat mit Strom versorgt werden. Denn das Anschlusskabel zum Restaurant war defekt. Ob aus Altersgründen oder als Folge der vorherigen Defekte, das lässt sich nicht klären. Nach den Worten von Hubert Henn zählt man durchschnittlich zwei bis drei Stromausfälle pro Jahr im Stadtgebiet Buchen.

Über das Alter der Stromleitungen in Buchen kann SWB-Geschäftsführer Andreas Stein keine genauen Angaben machen. Man überprüfe das Leitungsnetz regelmäßig und erneuere defekte oder alte Leitungen. Die Lebensdauer von Leitungen betrage etwa 40 Jahre. Es gebe allerdings auch Leitungen, die 60 oder 70 Jahre alt seien und tadellos funktionierten. „Die Leitungen sind grundsätzlich so alt wie die Baugebiete“, sagt Stein. mb

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