Buchen

„Buchen in concert“ Sabine Fischmann und Michael Quast gastierten mit dem Pianisten Rodri Britton mit „Zum Weißen Rössl à trois“ im Seitenbacher Forum

Darsteller schlüpften in 13 Rollen

Archivartikel

Wenn Leidenschaft, Humor und großes Können in der Reihe „Buchen in concert“ aufeinandertreffen, sind Sabine Fischmann und Michael Quast zu Gast.

Buchen. Mit „Im Weißen Rössl à trois“ gaben sich Sabine Fischmann und Michael Quast zum wiederholten Mal in der Odenwaldstadt die Ehre und begeisterten das Publikum am Samstagabend im Seitenbacher Forum. Man kann zu dem populären Singspiel „Im Weißen Rössl“ von Ralph Benatzky mit seinen eingängigen, schlagerartigen Melodien stehen wie man will. Was die beiden Hauptakteure Sabine Fischmann und Michael Quast mit dem Pianisten Rhodri Britton daraus gemacht haben, sollte auch die größten Kritiker überzeugt haben.

Die Zuschauer bekamen eine kunstvolle Persiflage auf das der Handlung nach eher flache Luststück geboten. Die Darsteller schlüpften in insgesamt 13 Rollen. So verkörperte Sabine Fischmann so unterschiedliche Charaktere wie die resolute Wirtin Josepha, den bedauernswerten Piccolo Franzl und die verliebte Fabrikantentochter Ottilie. Michael Quast spielte unter anderem den in seine Chefin verliebten Zahlkellner Leopold, den dank einer Perücke schönen Sigismund Sülzheimer und Klärchens Vater, den Professor Hinzelmann. Er berlinerte, sächselte, österreicherte oder trug Liedtexte abgehackt am Stehpult vor, wenn er den unmusikalischen Rechtsanwalt Siedler darstellte. Quast und Fischmann spielten eine Vielzahl an Instrumenten, darunter Kuhglocken, Weingläser, Hackbrett und Blockflöte. Mimik und Gestik waren in ihrer oft übertriebenen Ausdruckskraft schon wieder genial. Das Ganze spielte vor einer bayerisch-rustikalen Kulisse mit Bierkrug und rotkarierter Tischdecke.

Überraschende Effekte

Immer wieder zauberten die Darsteller neue überraschende Effekte hervor. Originell waren zum Beispiel die unterschiedlichen Tiergeräusche, die Quast hervorbrachte, oder das Ploppen seiner Lippen, mit dem die unsichtbaren Regentropfen fielen. Natürlich brachten Quast und Fischmann nahezu alle berühmten Lieder aus dem Singspiel zu Gehör, wenn auch zuweilen mit eigenwilliger Interpretation, aber immer mit ausdrucksstarker Stimme. So erklangen zum Beispiel „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“, „Die ganze Welt ist himmelblau“ und natürlich „Das Weiße Rössl am Wolfgangsee“. Rodri Britton, der Pianist, stand den Darstellern in nichts nach. Musizierte er eben noch energisch und virtuos, so spielte er im nächsten Moment gefühlvoll und getragen. Das Publikum klatschte und sang zu den Liedern bisweilen mit.

Zottelige Handpuppe

Ein Höhepunkt an Originalität stellte der Auftritt von Kaiser Franz Josef dar. Dieser stieg als zottelige Handpuppe aus Quasts Koffer und deklamierte in großväterlichem Ton. Am Ende fügte sich alles in die wohlbekannte Ordnung und jeder Topf fand seinen Deckel. Leopold erhielt seine Josepha, Sigismund sein Klärchen und Ottilie ihren Dr. Siedler. Und auch der schwelende Rechtsstreit zwischen den beiden Trikolage-Fabrikanten Wilhelm Giesecke und seinem Konkurrenten Sülzheimer wurde beigelegt.

Doch das war eigentlich Nebensache. Was zählte, war, dass zweieinhalb Stunden wie im Flug vergingen, so tempo- und abwechslungsreich war das Dargebotene. Am Ende blieb nicht nur Begeisterung sondern auch Verblüffung ob solcher Originalität und musikalischer Darstellungskunst.

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