Buchen

Wegen der Coronakrise „Café del Mundo“ wie viele andere Künstler von der Situation betroffen / Zahlreiche Konzerte abgesagt

Buchener Duo in Schockstarre

Buchen.Im Februar tourte „Café del Mundo“ noch durch Musikclubs in England. Im März wurden alle Veranstaltungen wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Der Umsatz des Flamencogitarren-Duos aus Buchen fiel schlagartig auf null Euro. Mit einem neu produzierten, wöchentlich erscheinenden Podcast wollen die beiden Musiker den Einnahmenverlust zumindest teilweise auffangen.

Ungewohntes Gefühl

Freitag- und Samstagabende fühlen sich zurzeit für Jan Pascal und Alexander Kilian sonderbar an. Statt auf einer Bühne zu stehen, das Adrenalin im Blut zu spüren und in die Gesichter begeisterter Konzertbesucher zu blicken, sitzen die Beiden auf dem heimischen Sofa. Heute, am Mittwoch, sollten sie eigentlich in Granada spielen, im spanischen Andalusien, wo das Herz des Flamencos schlägt. Auftritt in der Schweiz und in Südkorea wurden ebenfalls abgesagt.

Besonders bitter ist auch das Verschieben des Fernsehfilms „Ein Sommer in Andalusien“, der eigentlich am Ostermontag in der ZDF-Reihe „Herzkino“ hätte ausgestrahlt werden sollen. „Café del Mundo“ wurde für die Filmmusik engagiert und ist in einer Hochzeitsszene im Film zu sehen. Wegen Corona wurde die Schlussabnahme des Films auf den Herbst verschoben. Jan Pascal und Alexander Kilian hoffen, dass sie ihre Gage dennoch demnächst erhalten. Denn jeder Euro an Einnahmen ist derzeit besonders wichtig für die beiden Musiker.

„Der Schock sitzt tief“, stellen sie fest. „Wir befinden uns in einem Notmodus.“ Dabei hatte das Jahr 2020 für die beiden Gitarristen vielversprechend begonnen. So wurde im Januar ein Konzert im Bayerischen Rundfunk übertragen. Das Duo ist nominiert für den deutschen Klassik-Preis „Opus Klassik“ in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“. Mit der aktuellen Produktion erreichten die beiden Platz 16 der Jazz-Charts. Der Terminkalender war dicht gefüllt. Auftritte hätten die Musiker aus dem badischen Frankenland quer durch die Republik und ins angrenzende Ausland führen sollen. Auch für private Feiern und Veranstaltungen wurde das Duo gebucht.

Einnahmen fallen weg

Innerhalb weniger Tage löste sich all das in nichts auf. Damit fallen nicht nur die Erlöse aus dem Kartenverkauf weg. Auch der Umsatz aus dem Verkauf von CDs im Rahmen der Konzerte fehlt. Betroffen davon ist auch die Konzertagentur, mit der das Duo zusammenarbeitet, sowie freie Mitarbeiter aus den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Marketing – insgesamt 15 Personen.

„Als Künstler ist man eine gewisse Unsicherheit gewöhnt“, sagt Jan Pascal. Aber das, was in den vergangenen zwei Wochen passiert sei, habe zunächst eine Schockstarre in ihm ausgelöst. „Wofür übe ich denn noch Gitarre?“, habe er sich gefragt. „Das ist, wie wenn jemand ein Stück von einem abschneidet“, ergänzt Alexander Kilian. „Du bist Musiker durch und durch.“

Inzwischen haben die beiden sich von dem tiefen Schock etwas erholt. Kostenlose Online-Konzerte zu geben wie manch andere Künstler lehnen sie ab. „Wir haben bisher Inhalte online kostenlos zur Verfügung gestellt, bloß damit die Aktienkurse großer Konzerne steigen“, sagt Jan Pascal. Das werde man künftig nicht mehr tun. Um die finanzielle Lage kurzfristig zu verbessern, habe man die Reduzierung der Beiträge zur Künstlersozialkasse beantragt und das Finanzamt um Steuerstundung sowie die Reduzierung der Gewerbesteuervorauszahlung gebeten. Von Krediten bei der staatseigenen Kreditveranstaltung für Wiederaufbau hält Jan Pascal wenig. „Wir brauchen eine staatliche Unterstützung, damit wir nach der Krise weiterarbeiten können“, fordert er.

Bis ein solcher staatlicher Fonds geschaffen ist, werden die beiden Musiker selbst aktiv. So produzierten sie die erste Folge ihres neuen wöchentlichen Podcasts „Talking Guitars“, in dem sie auf unterhaltsame Weise über Gitarren, Flamenco und sich selbst plaudern. Themen sind in künftigen Folgen zum Beispiel „Musik und Spiritualität“, „Musik und Mathematik“ und „Musik aus aller Welt“.

„Café del Mundo“ bietet den rund einstündigen Podcast in einem Webshop auf der eigenen Internetseite zum kostenpflichtigen Herunterladen an. Nach den Worten der beiden Gitarristen verfügen sie über etwa 2000 Newsletter-Abonnenten und rund 3000 Fans bei Facebook. Jeder von ihnen kann nun mit einem kleinen finanziellen Betrag dazu beitragen, dass auch nach der Krise die Musik des außergewöhnlichen Gitarrenduos die Menschen erfreut. mb

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