Buchen

Serie über Buchener Heimatvereine (Teil 7) Heimatverein Hettigenbeuern ist vielseitig / Dorfleben wird bereichert

Beständig und bodenständig wie die Eiche

Archivartikel

Hettigenbeuern.Der Heimatverein Hettigenbeuern kümmert sich nicht nur um Kultur- sondern auch um Naturdenkmäler, zum Beispiel um eine fast 300-jährige Eiche an der Hornbacher Steige. Mit seinen Veranstaltungen bereichert er das Dorfleben und leistet einen Beitrag dazu, dass das Leben in Hettigenbeuern auch in Zukunft attraktiv bleibt.

Der Lieblingsplatz von Heimatvereinsvorsitzender Manfred Lauer in seinem Heimatdorf befindet sich an der Hornbacher Steige. Dort steht eine fast 300-jährige Eiche, neben der der Heimatverein vor zwei Jahren eine Ruhebank und eine Informationstafel aufstellte. Der Baum erhebt sich mächtig an der Abzweigung zu dem nach ihr benannten Eichenweg. Der Samen dieses Baums ist voraussichtlich um das Jahr 1630 herum im Erdreich gekeimt. Heute ist die Eiche über 31 Meter hoch und verfügt über einen Stammumfang von rund fünf Meter sowie einem Stammdurchmesser von 1,60 Meter. „Die Eiche ist das Symbol der Treue, Standhaftigkeit, Beständigkeit und Bodenständigkeit“, sagt Lauer. „Das sind Werte, für die sich auch der Heimatverein einsetzt.“

Erhalt von Tradition

Der Erhalt von Traditionen und dem historischen Erbe der Heimat liegt dem Heimatverein besonders am Herzen. So gab er zum 700-jährigen Ortsbestehen ein Heimatbuch heraus. Außerdem kümmert er sich unter anderem um die elf Bildstöcke auf der Gemarkung von Hettigenbeuern. Kürzlich begutachtete die Vorstandschaft des Vereins gemeinsam mit Felizitas Zemelka, Vorsitzende des Vereins „Kulturpark Madonnenland“, die Kleindenkmäler und beschloss, einige von diesen zu restaurieren und freizulegen. Außerdem wollen die beiden Vereine ein Faltblatt herausgeben, das über die Bildstöcke informiert, unter anderem über ihre Entstehungsgeschichten.

Der älteste Bildstock Hettigenbeuerns zum Beispiel stammt aus dem 16. Jahrhundert. Er steht auf dem Gelände der Firma Steiff und zeigt die Heilige Familie. Vermutlich wurde der Nischenbildstock aus Anlass eines Unglücks an der Mühle, die damals dort im Tal stand, aufgestellt. Auch die Maria-Hilf-Kapelle an der Landesstraße in Richtung Buchen verdankt ihre Existenz einem tragischen Ereignis. Im Jahr 1860 verlor ein Wildhüter im Streit mit Holzfrevlern zeitweise sein Augenlicht. Für den Fall seiner Genesung gelobte er, eine Kapelle zu errichten. Im Jahr 1888 wurde die ursprüngliche durch die jetzige Kapelle ersetzt.

Manfred Lauer ist besonders stolz auf jene Gedenkstation, welche die Heimatvereine Hainstadt und Hettigenbeuern im vergangenen Jahr gemeinsam aufstellten. Diese steht mitten in der Natur an einem Pilgerweg und besteht aus einem Gedenkstein mit Inschrift sowie einem Kreuz aus Eichenbalken. Damit gedenken die beiden Vereine eines Gelübdes, das die Einwohner von Hainstadt im Jahr 1618 geleistet hatten. Damals herrschte die sogenannte „kleine europäische Eiszeit“. Wie Lauer sagte, litten die Menschen unter langen, harten Wintern und kurzen, kühlen Sommern. Wochenlanger Regen wechselte mit Dürreperioden. Das habe zu Hungersnöten geführt. Die Hainstadter versprachen, zu Ehren der Schutzpatrone Johannes und Paulus jährlich am 26. Juni nach Hettigenbeuern zu pilgern und dort eine Messe abzuhalten. Auch heute noch, nach über vierhundert Jahre, pilgern Gläubige aus Hainstadt jedes Jahr nach Hettigenbeuern.

Für die nächsten Monate hat sich der Heimatverein vorgenommen, die sogenannten „Stellsteine“ beim Haus Thor freizulegen. Diese sollten in früheren Zeiten freilaufende Hausschweine davon abhalten, das Grundstück zu betreten. Damals trieben Landwirte ihre Schweine zur Fütterung in den Wald.

Mit regelmäßigen Veranstaltungen bringt der Heimatverein der Bevölkerung die Ortsgeschichte nahe und fördert die Gemeinschaft im Dorf. So veranstaltet er alle zwei Jahre einen „Most- und Vesperwandertag“, in der Regel gemeinsam mit dem Musikverein. Besonders erfolgreich war zum Beispiel der Wandertag im Jahr 2016 unter dem Motto „Heddebör macht die Türen auf“. Ortsansässige Betriebe informierten an diesem Tag über ihre Arbeit. Jährlich veranstaltet der Verein mindestens einen Vortrag mit Themen zur hiesigen Natur- und Kulturlandschaft. Außerdem holt der Heimatverein immer wieder Künstler aus der Region nach Hettigenbeuern, zum Beispiel den „Wilden Paul“, Elisabeth Sandel, Harald Hurst oder die „Dampfnudel Erna“ aus Mudau.

Der Heimatverein Hettigenbeuern wurde im Dezember 2002 aus Anlass der im Jahr 2006 anstehenden 700-Jahr-Feier des Ortes gegründet. Er besteht derzeit aus 51 Mitgliedern, von denen etwa zwölf aktiv mitarbeiten. Vorsitzender seit Vereinsgründung ist Manfred Lauer.

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