Boxberg

Baudenkmal Das Bobstadter Schul- und Rathaus wurde 1844 errichtet und prägt bis heute das Ortsbild

Streitigkeiten verzögerten den notwendigen Neubau

Bobstadt.Das ehemalige Schul- und Rathaus ist 2018 und 2019 mit erheblichen finanziellen Mitteln saniert worden. Ein Blick auf die Geschichte des Gebäudes. Dasas alte Rathaus von 1844 prägt bis heute das Ortsbild. Mit der Einweihung des neuen Dorfgemeinschaftshauses im Oktober 2004 stellte sich die Frage, was mit dem alten Rathaus passiert.

Bei den aufwendigen Renovierungsarbeiten mit Planungskosten von rund 700 000 Euro, die 2018 begonnen wurden, hatte auch das Denkmalamt seine Vorschläge eingebracht.

Ein Abriss wäre nicht genehmigt worden, aber einige Vorschriften wurden gemacht. Die Treppe am Eingang musste so bleiben (wir berichteten). Sie reicht bis an die Bergstraße, auf der um die Mitte des 19. Jahrhunderts gelegentlich einige Ochsenkarren fuhren. Mittlerweile ist über diese Straße ein Industriegebiet erreichbar.

In mehrjähriger Bauzeit ist nun alles an dem Altbau erneuert worden – vom Dach bis zum Keller mit einer umweltfreundlichen Heizung. Ein Aufzug oder ein Treppenlift waren nicht möglich. In dem Gebäude entstanden drei Wohnungen, der Gesangverein kann dort wieder seine Proben durchführen, nachdem als Ausweichdomizil das Pfarrhaus diente.

Die Baugeschichte des Rathauses von 1844 ist mit der Kirchengeschichte im Großherzogtum Baden eng verbunden. Seit 1806 gab es einen Großherzog von Napoleons Gnaden. Großherzog Leopold regierte von 1830 bis 1852. Er hat sich mit so wenig bedeutenden Sachen wie einen Schulhausbau in Bobstadt aber nicht beschäftigt. Das hat die Verwaltung des Unterrheinkreises gemacht. Leopold hatte andere Probleme. Unruhen führten zur Revolution von 1848 und zu seiner Flucht in den Schutz Preußens.

Im Großherzogtum war das Schulhaus zugleich auch Rathaus. Die Schulen standen unter der Aufsicht der Kirchen. Erst am 5. September 1861 gab es durch einen Staatsvertrag der evangelisch-protestantischen Kirche mit dem Großherzogtum Baden eine getrennte Verwaltung. Der Großherzog blieb gleichwohl bis zum 22. November 1918 Bischof der evangelischen Kirche.

1836 gab es Streit um den als Notwendigkeit anerkannten Neubau der Schule. Die Gemeindekasse war durch Aufbesserung der Gehälter der evangelischen und katholischen Schullehrer zahlungsunfähig. Der Almosenfond verweigerte die Zahlung. Die Gemeinde war bereit, Bauholz und Steine zu stellen.

Der Kreisbaumeister der Bezirksbauinspektion in Wertheim sollte den Bauplatz abstecken und einen Plan zeichnen. Der evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe schaltete sich ein und stellte Bedingungen für die Zustimmung zum Bau, Gefängnis und Wachstube sollten vom Schulzimmer getrennt sein. Bei den Lehrerzimmern wurden Türumfang, Ofen, Katheder und Gänge vorgeschrieben.

Am 9. Oktober 1844 genehmigte die Schulbezirksbaukommission den Neubau des Schulhauses. Dann gab es noch einigen Streit um den Neubau. Der Bau wurde vollendet, wie der Baumeister es wollte, sogar der Viehstall wurde in das Schulgebäude gelegt. Davon waren die Schullehrer damals abhängig.

Bis 1956 war das Gebäude die Schule von Bobstadt. Ältere Mitbürger können sich noch heute daran erinnern. 1957 wurde das neue Schulhaus am Rande des Ortes gebaut. Es kostete 207 000 Mark. 1973 hat man den Unterricht endgültig nach Boxberg verlegt. Der Gemeinderat der neugebildeten Stadt Boxberg sollte in seiner ersten Sitzung noch nachträglich die Schließung der Schule beurkunden. Das wurde abgelehnt.

Jetzt steht das alte Gebäude von 1844 in neuem Glanz da – allerdings nicht barrierefrei.