Boxberg

Waldbegehung des Boxberger Gemeinderats Schäden im Stadtwald halten sich (noch) in Grenzen

Stabilität durch Vielfalt der Baumarten

Archivartikel

Über den aktuellen Zustand des Boxberger Stadtwaldes informierten sich Bürgermeister Christian Kremer und die Gemeinderäte am Montag im Rahmen der Waldbegehung.

Boxberg. Die Vielfalt und die Mischung unterschiedlicher Baumarten erweisen sich in Zeiten des rasanten Klimawandels als Vorteil für den aktuellen Zustand des Boxberger Stadtwaldes. Auch auf den überwiegend „schlechteren“ Standorten zeigte sich der Baumbestand bisher weitgehend resistent. Das liegt vor allem daran, dass der Anteil der besonders klimaanfälligen Baumsorten wie Buche und Fichte in den Wäldern der ehemaligen Amtsstadt relativ gering ist, wie der Leiter des Kreisforstamtes Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim, Forstdirektor Karlheinz Mechler und Revierförster Frank Löffler am Ende der jährlichen Waldbegehung der Gemeinderäte resümierend feststellten.

1800 Festmeter Zwangsnutzung

Dennoch sind im laufenden Jahr etwa 1800 Festmeter Zwangsnutzung durch Sturmschäden, Käferbefall und Trockenheit angefallen, was etwa einem Drittel des gesamten Jahres-Holzeinschlags auf Gemarkung Boxberg entspricht. Besichtigt wurden bei der Begehung Waldparzellen an den Standorten „Eggengrund“, „Tanklager Oberfeld“ und „Kappelholz-Schwabhausen“.

Vor Ort informierten Forstdirektor Karlheinz Mechler und Revierförster Frank Löffler Bürgermeister Christian Kremer und die Stadträte über die jeweiligen Standortbesonderheiten wie Bodenbeschaffenheit, Zusammensetzung des jeweiligen Baumbestands, Waldinnenklima, Naturverjüngung, Verbiss-Schäden und die Ausfälle durch die Einwirkung von Hitze, Trockenheit, Käferbefall und Sturm. Dabei wurde immer wieder der Vorteil durch die Artenvielfalt der Bestände hervorgehoben.

Besonders anfällig und labil zeigte sich (auch an sogenannten „Sahnestandorten“) die Fichte, die bei Extremereignissen wie Trockenheit und Rotfäule durch Sturm und Käferbefall sehr schnell an ihre Grenzen stößt. In jüngster Zeit beobachten die Forstleute auch vermehrt -Trockenschäden in Buchenbeständen, wie sie vor allem im Ahornwald vorkommen.

Bei ihren langjährigen Beobachtungen kommen Mechler und Löffler zu der Beurteilung, dass gerade die Fichte an die örtlichen Klimaverhältnisse nicht angepasst ist und mit einer etwaigen Verschärfung der Klimasituation nicht zu Recht kommt. Ziel müsse es sein, die vorhandenen Bäume in „guten Zeiten“ gezielt zu ernten und eine neue Generation aus klimatoleranten Baumarten zu begründen.

Dass dies auch ein gewisses Risiko in sich birgt, wurde nicht verschwiegen. Relativ gut überstanden bisher die Douglasien Wärme und Trockenheit. Örtlich sind aber auch in diesen Beständen erhebliche Schäden aufgetreten. Da auch für diese Nadelbaumart Grenzen abzusehen sind, will man bei der Neupflanzung auf Mischbaumarten umsteigen, um das Risiko zu minimieren.

Bei den sonstigen Nadelbaumarten hat sich die Weißtanne in den letzten Trockenperioden „unbeeindruckt“ gezeigt. Das verschiedentlich beobachtete rasche Absterben dieser Baumart 2019, bringen die Forstleute mit dem Befall durch einen speziellen Tannen-Borkenkäfer in Verbindung.

Die gravierenden Trockenschäden an älteren Buchen wurden vor allem an Waldrändern und auf „flachgründigen“ Standorten festgestellt. Da sich das Holz in den Kronenteilen sehr schnell zersetzt besteht in diesem Falle auch eine erhebliche Gefährdung durch herabfallende Äste. Die natürliche Verjüngung der Buche in den absterbenden Altbeständen sieht man positiv.

Die Eichen kommen mit den speziellen Verhältnissen in den letzten Jahren gut zurecht. Es gab in der Vergangenheit aber immer wieder Rückschläge (Raupenfraß, Frostschäden, Mehltau und Prachtkäfer). Bestehende Eichenbestände sollen durch waldbauliche Eingriffe stabilisiert werden. Möglichst die Samenjahre („Mastjahre“) ausnutzen, um einen Vorrat an natürlich verjüngten Eichen zu sichern.

Es ist aber sehr schwer, die jungen Eichen gegen die Konkurrenz anderer Baumarten zu sichern. Besonders gute Entwicklungsbedingungen bei Hitze und Trockenheit haben Schädlinge wie der Schwammspinner und der Eichenprozessionsspinner, der vermehrt an besonnten Stellen und Waldrändern aktiv wird.

Eschen können Trockenheit zwar gut überstehen, leiden aber seit ungefähr zehn Jahren an der Pilzerkrankung, die das Eschentriebsterben verursacht. Junge Bäume sterben rasch ab, bei älteren Bäumen dauert das Absterben länger. Doch ist die Esche als heimische Baumart deshalb keine Alternative im Klimawandel.

Alternativen aufgezeigt

Während der Waldbegehung zeigten Mechler und Löffler aber auch immer wieder Alternativen auf und informierten über mögliche Auswirkungen. Baumarten, die mit trockeneren Verhältnissen gut zurechtkommen seien Feldahorn, Spitzahorn, Kirschen, Elsbeere, Speierling, Walnuss, Baumhasel, Esskastanien, Zedern, Schwarzkiefern, gegebenenfalls auch Bäume aus Asien oder Amerika. Wissenschaftlich abgesicherte Ergebnisse liegen allerdings nicht vor, nur einzelne Erfahrungen. Es sei deshalb sinnvoll, diese Baumarten zur Risikostreuung nicht in großflächigen Beständen, sondern nur in Mischungen einzubringen.

Nach den bisherigen Erfahrungen haben sich Eichen mit Mischbaumarten und Douglasien mit eingemischten Begleitbaumarten auf größeren Flächen bewährt. Wegen der Produktionsdauer von 60 (Douglasien) bis 160 Jahren (Eichen) ist das Risiko bei stark ändernden Ausgangsbedingungen relativ hoch. Je „riskanter“ eine Baumart eingeschätzt wird, umso vielfältiger und kleinflächiger sollte die Mischung sein.

Auch die wirtschaftlichen Aspekte wurden angesprochen: Wassermangel dämpft das Wachstum (Holzzuwachs) deutlich. „Stabile“ Alternativbaumarten wachsen in der Regel langsam und haben zurzeit häufig (noch) keine Wertschätzung und noch keinen Markt. Absterbende Bäume verursachen einen hohen Aufwand für die Ernte (zum Beispiel Buche, Fichte) bieten aber nur geringe Verkaufserlöse aufgrund der Überlastung des Holzmarkts.

Die in die Zukunft gerichteten Fragen von Revierförster Löffler: „Müssen wir unser Bewirtschaftungsziel ändern und den Fokus mehr auf Walderhaltung richten anstatt auf das Wirtschaftliches Ergebnis?“ blieben offen. Einen „Silberstreif am Waldhorizont“ sieht Forstdirektor Karlheinz Mechler. Er hofft, dass sich die Holzpreise wieder erholen, wenn die Schadholzmenge kleiner wird.

Im Schlusswort brachte der Boxberger Bürgermeister Christian Kremer den Dank der Stadtverwaltung und des Gemeinderates für die seit Jahren harmonische und vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Ausdruck. Wohin die Reise in der Waldbewirtschaftung gehe, wisse niemand so genau. Er rechne aber auch in Zukunft mit einem positiven Ergebnis aus der Stadtwaldbewirtschaftung.