Boxberg

Pfarrkirche Herz-Jesu Außenrenovierung mit neuer Dacheindeckung nach acht Monaten abgeschlossen / Turmkreuz aufwendig restauriert und Dreipass offengelegt

Schmucke Ornamentik über dem Eingangsportal

Archivartikel

Das schwere Kreuz strahlt wieder von der Spitze des Kirchturms herab, der Dreipass an der Front ist gut zu sehen: Die Außenrenovierung der Pfarrkirche Herz-Jesu ist abgeschlossen.

Lengenrieden. Das Gerüst ist schon seit einiger Zeit verschwunden, die letzten Arbeiten erledigt. Für die Katholiken in Lengenrieden steht die Herz-Jesu-Kirche am Ortsrand wieder offen - nach mehr als einem halben Jahr der Außenrenovierung.

Die war dringend nötig, wie Pfarrer Edgar Wunsch erzählt. „Ich bin dankbar, dass wir mit Bruno Blesch einen ausgezeichneten Architekten gewinnen konnten, der mit Herzblut und großer Kompetenz unsere Herz Jesu Kirche in Lengenrieden instandgesetzt hat“, betont Wunsch.

Sanierung dringend nötig

Bereits 2015, als Glockenarbeiten durchgeführt und am Glockenstuhl die Schallläden erneuert werden mussten, waren Schäden an der Dacheindeckung des Turms aufgefallen. Die Ziegel kamen bei der Komplettsanierung 1963 auf das Dach des Kirchenschiffs. „In den fünf Jahrzehnten waren die Biberschwanzziegeln verschlissen“, erläutert Architekt Bruno Blesch, der die Sanierung geleitet hat. Da mache es auch keinen Sinn, nur einzelne Exemplare auszutauschen, was schon mehrfach erfolgt war.

Neben der kompletten Dacheindeckung, die nötig wurde, machte den Verantwortlichen auch der Naturschiefer am Turm selbst Sorgen. Der war teilweise marode. Schon bei der Schadensbeschreibung nach den Arbeiten am Glockenstuhl wurde angemerkt, dass sich einzelne Platten gelöst hatten und auch herunter gefallen waren. Zudem waren die Nägel am Schiefer korrodiert. Da blieb keine andere Wahl, als die Turmeindeckung ebenfalls komplett zu ersetzen. Der Einsatz korrosionsfreier Befestigungsstifte soll auch bei diesem Problem Abhilfe schaffen.

„Und wenn das Gerüst schon steht, wurde auch die Turmzier restauriert.“ Ein „großer Akt“, wie Blesch anfügt. Das schwere schmiedeeiserne Kreuz zeigte mehrere Risse und sonstige Beschädigungen auf, die sich im Laufe der letzten Jahre vergrößert hatten. Das Kreuz wurde somit abmontiert, die Problemzonen von Jürgen Gramlich aus Oberwittstadt fachmännisch geschweißt und wieder instand gesetzt. Nicht ganz einfach sei der Auftrag des Blattgoldes an den lilienförmigen Enden des Kreuzes gewesen, lobt Blesch die Arbeit von Matthias Berberich aus Uissigheim, der in vielen Schichten die neue Farbgebung umsetzte. Erschwert wurden die Aufbauarbeiten des Kreuzes auf der kupfernen Spitze auch dadurch, dass der Turm in sich leicht verschoben ist und somit die Position des Kreuzes zentriert werden musste. „Das renovierte Turmkreuz ist von Weitem sichtbar. Für mich sieht das vergoldete Kreuz aus wie ein großes Plus-Zeichen. Mir sagt dies: Mit Gott geht es ins Plus. Mit Gott wird alles gut – auch in Zeiten von Corona“, ergänzt der Leiter der Seelsorgeeinheit.

Schäden an der Apsis

Als im September letzten Jahres mit der Sanierungsmaßnahme begonnen wurde, hatte man auch das Kupferdach der Sakristei der 1881 aus Bruchstein erbauten Kirche unter die Lupe genommen. „Doch dort gab es keine Schäden“, so der Architekt. Anders dagegen an der Schiefereindeckung der Apsis. Auch hier mussten schadhafte Schiefer ausgewechselt werden.

Dass es seit der Renovierung 1963 auch andere Schäden am Gebäude gab, ist für den Architekten nicht verwunderlich. Vor allem die Giebelsteine aus Sandstein am Dach des Gotteshauses hatte Blesch im Blick. „Wir dachten bei der Betrachtung von unten, sie sind durch Setzungen verschoben“, berichtet er. Doch auf dem Gerüst kam dann die Ernüchterung: Einzelne Steine waren nicht nur verschoben, sondern auch gerissen und schwer beschädigt. „Nicht auszudenken, wenn Teile davon heruntergefallen wären“, fügt der Fachmann an. Also musste auch hier ein Austausch erfolgen.

Zu erneuern war die mangelhafte Verfugung der Fensterscheiben, auszubessern die schadhaften Stellen an den Sandsteingewänden sowie Fensterbänken. Im Bereich des Hauptportals musste zudem eine Vierung eingesetzt werden. Der Sandstein hatte sich durch Frostschäden gespalten. Nebenbei galt es auch, gelockertes Bruchsteinmauerwerk neu zu vermörteln und zu verfugen.

Schmuckstück freigelegt

Ein kleines Schmuckstück wurde im Rahmen der Außenrenovierung noch freigelegt: Der Dreipass über dem Haupteingang. Eine Holzverschalung hatte die Ornamentik mit den drei Kreisbögen aus Sandstein bisher verdeckt. Das Holz wurde nun entfernt und die wohl ursprüngliche Gestaltung über dem Eingangsbereich sichtbar gemacht. „Als Witterungsschutz dient nun eine Glasscheibe“, so Bruno Blesch, der sich über die Freilegung freut. Und damit die Gläubigen im Dunkeln auch sicher über die Treppe von der Straße in die Kirche gelangen, hat man im Zuge der Arbeiten auch die Außenbeleuchtung einer Modernisierung unterzogen.

Nun können in der Herz-Jesu-Kirche bald wieder Gottesdienste gefeiert werden. „Die Kirche ist nun wieder für die Gläubigen geöffnet. Das ist wunderbar, denn zusammen mit anderen zu beten und Jesus zu loben, ist etwas sehr Schönes“, freut sich der Pfarrer über die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten.