Boxberg

Pfarrhaus Unterschüpf Evangelische Erwachsenenbildung und Musikpädagogin haben hier neue Büroräume

Ort von Glaube, Bildung und Kultur

Theologie, Bildung und Kultur sind im Unterschüpfer Pfarrhaus künftig unter einem Dach vereint.

Unterschüpf. Es ist eine Kooperation: Das Unterschüpfer Pfarrhaus wird künftig nicht nur Sitz der Pfarrstelle, sondern gleichzeitig die Evangelische Erwachsenenbildung beherbergen sowie ein Ort der Kunst sein. Bei einem Tag der offenen Tür am Samstag, 20. Oktober, kann sich die Bevölkerung vom neuen Konzept selbst ein Bild machen.

Pfarrer Dr. Heiner Kücherer geht immer wieder neue Wege – nicht nur in der Verkündigung des Glaubens, sondern auch in der Projektarbeit. Ein Weg ist nun die etwas andere Nutzung des Pfarrhauses, nachdem die Pfarrersfamilie mit der Aufhebung der Residenzpflicht ihren Lebensmittelpunkt nach Bad Mergentheim verlegt hat. Das sei ein Einschnitt für die Bevölkerung gewesen, weiß der Seelsorger. Aber: „Unterschüpf bleibt die Pfarrstelle für den Schüpfer Grund und Sachsenflur.“ So ist auch das Pfarrbüro weiter im Erdgeschoss des Gebäudes gleich neben der Kulturkirche.

„Wenn ein Team von Theologen, Pädagogen und Künstlern das Pfarrhaus mit Leben erfüllt, dann wird auf neue und persönliche Weise wieder zugänglich, was das evangelische Pfarrhaus einmal war: ein Ort, an dem Glaube, Bildung und Kultur eine Einheit finden“, sagt der Pfarrer. Ein Bildungs- oder Gemeindehaus soll nicht entstehen, jedoch ein Haus, das für die Gemeinde offen steht.

Heike Kuhn, die Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung, freut sich auf die neuen Räume, in denen sich auch konzeptionell viel gestalten lässt. Der kirchliche Bildungsträger muss den bisherigen Sitz in der Boxberger Poststraße verlassen. Die ersten Kisten sind schon gepackt. Da kam die Information für die neue Nutzung des Pfarrhauses passend. In der ehemaligen Wohnung im ersten Stock stehen künftig zwei Büroräume und ein Materialraum zur Verfügung. Damit haben Heike Kuhn, Gardis Jacobus-Schoof und Iris Beyer nun ausreichend Platz und freuen sich auf den neuen Arbeitsplatz.

Die Kirchenmusikerin Susanne Oehm-Henninger erhält gleich daneben einen Raum für die gesangspädagogische Arbeit. Jede solle merken, dass es sich lohne, sich mit seinen Talenten in die Kirche einzubringen. Projekte im Übergangsbereich von Gemeinde- und Kulturkirche sollen so ermöglicht werden.

„Kunst gehört in die Mitte des Lebens“, betont Oehm-Henninger. Dass sich die Künstler im Schüpfer Grund familiär aufgenommen fühlen, freut sie. Viel habe sich zuvor im Wohnzimmer der Kirchenmusikerin abgespielt, und Pfarrer Kücherer habe häufig das Catering übernommen, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt.

Neu ist das Gästezimmer, in dem Referenten oder Künstler übernachten können. Zusätzlich hat man mit dem ehemaligen Wohnzimmer nun einen Veranstaltungs- und Seminarraum, einen Ort für Gremiensitzungen oder den Konfirmandenunterricht. Das war bisher auf verschiedene Räume verteilt.

Kreative Prozesse

Das Team ermöglicht neue kreative Prozesse, finden die Drei. „Das Haus wird ein Kristallisationspunkt zum Meinungsaustausch und ein Raum der Begegnung“, blickt Pfarrerin Kuhn auf die Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade der neu gewonnene Veranstaltungsraum bietet für sie sehr viel Potenzial. „Es ist ein idealer Ort, zu dem auch der große Garten miteinbezogen werden kann“, findet Pfarrerin Kuhn.

Das Konzept kann funktionieren. Die Sehnsucht der Menschen und ihre Erwartungshaltung an Kirche und Religion seien auf dem Land nicht anders als in der Stadt. „Wir wollen bewusst zuhören, was die Menschen brauchen und sich von der Kirche wünschen.“ Mit Angeboten und einem neuen Denken wolle man dann auf die Leute zugehen.

Neues Denken hört für Pfarrer Kücherer an der Kirchentür nicht auf. Das Prinzip der Kulturkirche mit vielen Veranstaltungen im kirchlichen Raum gehört dazu. Er will auch bei den Gottesdiensten neue Wege gehen. „Der Regelgottesdienst ist ein aussterbendes Modell“, befürchtet Kücherer. Deshalb will er die Inspirationskraft von Kunst und Kultur in der Mitte der Kirche spürbar werden lassen. Eine Open-Stage, eine offene Bühne mit Musik und Kunst, Lesung und Theater will er in den Gottesdienst integrieren und so dynamischer werden – hier will er Impulse setzen. „Kommt der Mensch in seiner Befindlichkeit in der Kirche vor?“ Kücherer ist überzeugt, dass das Empfinden der heranwachsenden Generation derzeit nur schwer im Gottesdienst abgebildet werde.

Antworten formulieren

Auch Heike Kuhn sieht in diesen Überlegungen die Chance, Antworten zu formulieren, um die Kirche für die Zukunft zu öffnen und zu gestalten. Sie freut sich auf das, was hier beginnt. Zeitlich wurde zunächst ein Rahmen von fünf Jahren abgesteckt. „Es ist etwas Experimentelles. Wir müssen sehen, ob es so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.“