Boxberg

Kirchliche Sozialstation Boxberg Im Rahmen der Mitgliederversammlung gab es Neuwahlen zum Aufsichtsrat / Verdiente Mitarbeiter verabschiedet

Mit Kettemann geht „der Steuermann von Bord“

Archivartikel

Dass Mitgliederversammlungen in Corona-Zeiten Herausforderungen darstellen, wurde bei jener der Kirchlichen Sozialstation Boxberg im Dorfgemeinschaftshaus in Kupprichhausen deutlich.

Kupprichhausen. Vorsicht und Umsicht haben die Sozialstation sicher durch Corona gebracht. Dass die Sozialstation insgesamt gut aufgestellt ist und mit Optimismus nach vorn blicken kann, wurde bei der Begrüßung des Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram Kettemann deutlich, der die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden aus Boxberg, Ahorn und Assamstadt und weitere Gäste willkommen hieß.

In seinem Rückblick auf 2019 zog Kettemann eine positive Bilanz in der Entwicklung der Sozialstation – sowohl personell als auch wirtschaftlich. Schwerpunkt und arbeitsintensiv sei die Einrichtung der Tagespflege in Assamstadt, deren Betrieb im Juli aufgenommen werde. Positiv habe sich die seit 2018 angebotene Tagespflege in Boxberg entwickelt, die oft voll ausgelastet sei. Auch in den Bereichen Pflege, hauswirtschaftliche Betreuung und Essen auf Rädern stelle sich die Entwicklung positiv dar. Umfassend war der Geschäftsbericht des Vorstandes von Andrea Dittmann mit einem Überblick über die Arbeit und Entwicklung der Sozialstation für 2019 und einem aktuellen Sachstand sowie einem Blick auf die weitere Entwicklung gab.

Aktuell arbeiteten 80 Personen in Teilzeit bei der Sozialstation, die bei 25 Touren rund 320 Kunden betreuten. Dazu kämen alljährlich 500 Beratungsgespräche. Ein großer Positivposten seien auch die Tätigkeiten der 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die 2019 mehr als 2500 Stunden im Ehrenamt geleistet hätten. Sie hätten einen großen Anteil am Erfolg der Sozialstation.

Arbeitsreich sei das Jahr 2019 gewesen, in dem die Leitung der Kirchlichen Sozialstation durch die erfolgte Satzungsänderung neu strukturiert und dafür viel Energie und Arbeit investiert worden sei. Besonderen Dank sagte sie Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram Kettemann und seinem Stellvertreter Adolf Dörzbacher sowie dem gesamten Gremium für die Unterstützung.

Recht gut entwickelt

Insgesamt gut entwickelt habe sich die Tagespflege in Boxberg und auch bei den übrigen Pflege- und Betreuungsangeboten hätten Zuwächse verzeichnet. Auch die Einrichtung der Tagespflege in Assamstadt werde realisiert. Doch Corona sei nicht spurlos vorübergegangen. Im März sei in der Tagespflege nur noch eine Notbetreuung mit sechs bis acht Gästen möglich gewesen, doch aktuell sei wieder eine weitere Öffnung möglich, so dass wieder bis zu 14 Gäste betreut werden könnten.

Ein großer Einschnitt sei auch der Wegfall der Betreuungsgruppe Lichtblicke gewesen. Ziel sei es, die Betreuungsgruppe Lichtblicke mit Einschränkungen ab Ende Juli wieder zu starten. Ihr Fazit: „Alles Jammern nützt nichts. Wir müssen uns darauf einstellen, noch längere Zeit mit Corona zu leben und zu arbeiten. Aber gemeinsam und mit guten Willen schaffen wir auch diese weniger guten Tage.“

Wie erfolgreich die Arbeit der Sozialstation war und ist, wurde in dem vom Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram Kettemann vorgetragenen Jahresabschluss für 2019 deutlich. Bei einer Bilanzsumme von mehr als 2,3 Millionen Euro, darunter mehr als 1,6 Millionen Euro Personalkostenanteil sei ein positives Wirtschaftsergebnis erzielt worden.

Einstimmig erfolgten die Annahme des Jahresabschlusses 2019 und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Dass auch das laufende Wirtschaftsjahr trotz Corona auf Erfolgskurs sei, wurde im Wirtschafts- und Stellenplan deutlich. Mit einem Gesamtvolumen von 2,575 Millionen Euro und einem Personalkostenanteil von nahezu 1,9 Millionen Euro wird klar, dass die positive Entwicklung der Sozialstation fortgeführt werde. Aufgrund des positiven Jahresergebnisses könne auf die Erhebung der in der Satzung vorgesehenen Mitgliederbeiträge verzichtet werden.

Die Wahl des Aufsichtsrates stand weiter auf der Tagesordnung. Nachdem Vorsitzender Bertram Kettemann sowie die Mitglieder Pfarrerin Julia Ehret, Rosemarie Rieger und Margot Ebert nicht mehr kandidierten, wurden die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Adolf Dörzbacher, Elmar Wetterich, Pfarrer Steffen Kolb und Alois Halbmann und als neue Mitglieder Jürgen Kilian, Pfarrer Philipp Hocher, Pfarrer Dr. Dietmar Reizel und F. Mühleck (Assamstadt) gewählt.

In der Wahl durch den Aufsichtsrat wurde Jürgen Kilian als Nachfolger von Bertram Kettemann als Vorsitzender gewählt und Adolf Dörzbacher als desen Stellvertreter bestätigt.

Dem neuen Rat gratuliert

Jürgen Kilian gratulierte den wieder- bzw. neugewählten Aufsichtsratsmitglieder und wünschte ihnen für die Zukunft eine erfolgreiche Arbeit zum Wohle der Kirchlichen Sozialstation Boxberg. Besonders dankte er Rosemarie Rieger, die seit 40 Jahren im Vorstand der Sozialstation tätig sei, und überreichte ihr die vom Erzbischof des Bistums Freiburg, Stephan Burger, verliehene Dankurkunde sowie ein Blumengebinde.

Eine Laudatio gab es vom stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Adolf Dörzbacher für den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram Kettemann, der nach 40 Jahren aus dem Vorstand bzw. Aufsichtsrat der Kirchlichen Sozialstation ausscheidet. „Der Steuermann geht von Bord“, bezeichnet Adolf Dörzbacher das Ausscheiden von Bertram Kettemann, als dessen Lebenswerk er die Sozialstation bezeichnete. Vier Jahrzehnte an vorderster Front und stets unermütlich im Einsatz, hätten die Sozialstation dahin geführt, wo sie heute stehe, worauf er und alle recht stolz sein dürften.

Was 1980 mit zwei Mitarbeitern als zentraler Katholischer Krankenverein begonnen habe und 1996 mit der evangelischen Kirche zur Kirchlichen Sozialstation zusammengeführt worden sei, habe sich unter seiner Führung bis zum heutigen Tag zu einem beachtlichen mittelständischen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern entwickelt. Eine Lebensleistung, die man nicht genug würdigen könne und für er Bertram Kettemann die Dankurkunde der Sozialstation sowie ein Präsent für die jetzt beginnende, ruhigere Zeit überreichte. Dank sagte er auch Ehefrau Anneliese, die in diesen vier Jahrzehnten stets ein starker Rückhalt und große Unterstützung für ihren Mann bei seiner Arbeit für die Sozialstation gewesen sei.

Gerne, so Dörzbacher, hätte man Verabschiedung und Würdigung sowohl von Kettemann als auch Rosemarie Rieger in einem ansprechenderen Rahmen gefeiert, doch Corona habe dies nicht zugelassen. Man hoffe aber, dies nach Corona bei der Jubiläumsfeier anlässlich des 40. Geburtstages der Kirchlichen Sozialstation Boxberg nachholen zu können.