Boxberg

Im Februar wurde hierzulande noch Fasching gefeiert Eubigheimer Student schrieb just in Shanghai seine Masterarbeit, als Corona in China seinen Anfang nahm

Markus Heim mitten drin im Corona-Geschehen

Archivartikel

Die ersten Corona-Fälle gab es in China, ehe sich das Virus um dem Globus ausbreitete. Markus Heim hat die Anfangszeit dort hautnah miterlebt.

Eubigheim.Februar 2020. Während man in Deutschland noch ausgiebig Fasching feierte und ahnungslos war, welche Folgen das neuartige Virus mit sich bringen würde, kämpfte das Reich der Mitte schon längst gegen die Ausbreitung von Covid-19 an. Auch in der Megastadt Shanghai wurde früh auf die Krankheit reagiert. Doch inwiefern wurden die Bürger dort eingeschränkt? Der Student Markus Heim aus Eubigheim besuchte zurzeit des Ausbruchs eine Universität in Shanghai – und blickt jetzt zurück.

Eigentlich studierte der 26-Jährige am Karlsruher Institut für Technologie Maschinenbau. Dank der guten Kontakte des Instituts zur chinesischen Tongji-Universität wurde es ihm aber ermöglicht, seine Masterarbeit in Shanghai zu schreiben. So reiste Heim im Oktober letzten Jahres in die 20-Millionen-Einwohner-Metropole.

Lage verschärft sich zusehends

Als nach einigen Wochen Wuhan abgeriegelt wurde, verschärfte sich auch die Lage in Shanghai zunehmend. Frühzeitig seien Maßnahmen getroffen worden, die streng kontrolliert wurden, wie zum Beispiel eine Ausgangssperre, berichtet der Student im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Nach der Regelung habe jeder nur einmal pro Tag nach draußen gehen dürfen. Wärter seien an den Ausgängen der Wohnkomplexe, bestehend aus einigen Gebäuden, positioniert worden, um dies zu überwachen. Mit Hilfe der App „WeChat“, die im dortigen Alltag unverzichtbar sei, überprüften die Männer, ob sich eine Person offiziell in Quarantäne befand oder Kontakt zu Infizierten hatte. In diesem Falle hätten sie die Menschen wieder fortgeschickt.

Für manche Studenten hatte dies unvorhergesehene Folgen. Da der Besuch an der Universität nun nicht mehr möglich gewesen sei, hätten einige ihre angefangene Masterarbeit aufgeben und sich stattdessen ein neues, den Umständen angepasstes Thema einfallen lassen müssen. Glücklicherweise habe er, Markus Heim, selbst jedoch von vorneherein eine computerbasierte Arbeit ausgesucht, so dass er von seiner Wohnung aus habe arbeiten können.

Des Weiteren hätten Kontrolleure an den Eingängen sowie in den Supermärkten stets Fieber gemessen. „Geräte und Personal wurden hierbei schnell bereitgestellt.“ Interessanterweise sei in den Shanghaier Läden nicht etwa Klopapier, wie in Deutschland, gehamstert worden, sondern vor allem Seife und Snacks.

Eine in Deutschland unvorstellbare Maßnahme sei wohl die Deaktivierung jeglicher Geldautomaten. Im Allgemeinen sei die Verwendung von Bargeld nämlich die Ausnahme. Stattdessen werde meist mit QR-Codes über „WeChat“ gezahlt. Sogar kleine Straßenstände mit Obst und Gemüse verfügten über diese Möglichkeit der Bezahlung. „Das funktioniert auch richtig gut“, erzählt der Eubigheimer. Die Menschen dort seien generationenübergreifend offen für neue Technologien.

Zudem sei eine allumfassende Maskenpflicht eingeführt worden – auch draußen auf den Straßen. Diese sei von den Bürgern rasch angenommen und akzeptiert worden. Menschen, die, wie hier in Deutschland, die Maske unter der Nase oder gar nur am Kinn tragen, seien dem Studenten dabei nicht über den Weg gelaufen.

Im Übrigen seien zu Beginn auch die meisten Restaurants und Läden geschlossen worden. Zum „Corona-Höhepunkt“ habe ohnehin das chinesische Neujahrsfest stattgefunden, so dass viele Geschäfte unabhängig von der Pandemie geschlossen gewesen seien. Allerdings seien die Regelungen erst im April wieder gelockert worden, Bars, Imbisse und Ähnliches hätten öffnen können. Feiern in Clubs seien ab Juni wieder ermöglicht worden.

Eindämmung versucht

Im Gegensatz zu Deutschland, wo versucht wurde, das Virus möglichst einzudämmen, habe die chinesische Regierung das Ziel vor Augen gehabt, die Krankheit mit einem kurzen, aber strengen Lockdown auszurotten – allerdings unter einem massiven Einschnitt in die Grundrechte der Menschen. „Da drüben war es einfach so“, berichtet der Maschinenbaustudent. „Sie sind da kompromisslos.“

Zwar habe diese Strategie Erfolge vorweisen können, menschenrechtlich gesehen sei es jedoch fraglich gewesen, blickt der 26-Jährige zurück. Innerhalb von kürzester Zeit habe sich das Leben aller stark verändert. So sei auch der Rückflug der Karlsruher Studenten zunächst gecancelt worden. Als die Ausreise schließlich wieder erlaubt gewesen war, sei pro Woche und Airline ungefähr ein Flugzeug abgehoben, was das Reiseerlebnis dementsprechend prägte. „Der ganze Flughafen leer, kein einziger Mensch unterwegs“, fasst Heim zusammen. Die Einreise nach Deutschland sei schnell und ohne große Einschränkungen verlaufen. Dagegen sei es zu diesem Zeitpunkt umso schwieriger gewesen, nach China zu gelangen.

Während hierzulande zu Beginn von Corona aus Asien stammende Menschen oftmals diskriminiert worden seien, da einige Bürger zumeist unbegründet Sorge trugen, sie seien infiziert, stieß auch Heim auf eine Art Rassismus. Als sich die Lage in Shanghai allmählich beruhigt hatte, dachten die Menschen dort, Ausländer könnten das Virus wieder ausbreiten. So sei es ihm einmal sogar verweigert worden, in die U-Bahn einzusteigen, obwohl er sich schon seit mehreren Monaten in der Stadt befunden habe und gesund gewesen sei.

Trotz alledem bereue er sein halbes Jahr in China nicht. „Es war auf jeden Fall interessant“, findet der 26-Jährige. Zwar sei es nicht so abgelaufen wie geplant, aber dafür habe er „live“ miterleben können, wie die chinesische Regierung und das Volk mit dem Virus umgehen.