Boxberg

Amtsgericht Motorradfahrer kommt bei Unfall ums Leben

Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Archivartikel

Wertheim.Wegen fahrlässiger Tötung hat das Amtsgericht Wertheim einen 63-jährigen Lkw-Fahrer aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg zu einer Geldstrafe von 150 Mal 25 Euro verurteilt. Das Gericht verhängte zusätzlich ein Fahrverbot von zwei Monaten. Der Mann hatte im Mai 2019 mit seinem Lkw ein Motorrad erfasst, dessen Fahrer in der Folge dieses Unfalls später verstarb.

Der Paketauslieferer mit täglicher Fahrleistung von „mehreren hundert Kilometern“ kam bezüglich des Führerscheins günstig davon, da er „30 Jahre unfallfrei“ unterwegs war.

Am, 23. Mai 2019 um 15.25 Uhr stand an der 90-Grad-Einmündung ein Lkw, der von Guggenberg gekommen war. Der Fahrer schaute in die vorfahrtsberechtigte L 521 hinein und bog nach links Richtung Riedern ab. Von dort näherte sich ein Motorrad, und dessen Fahrer wollte erfaufwärts Richtung Hardheim. Der Lkw erfasste das Motorrad, der Fahrer wirbelte durch die Luft, prallte gegen die Hangböschung und verstarb später.

Die Gemarkung Külsheim, auf der der Unfall passierte, erstreckt sich nach Westen über die Messhöfe hinaus bis hinunter ins Erftal und zum Ortsrand Riedern. Im Tal verläuft die Landesstraße 521, und flussaufwärts unweit von Riedern führt von Guggenberg die Kreisstraße Mil 24 den linken Erfhang herunter. Sie quert die Erf, überschreitet die Landesgrenze Bayern/Baden-Württemberg beziehungsweise Kreisgrenze Miltenberg/Main-Tauber-Kreis und mündet in die L 521.

In der Verhandlung rekonstruierte der Technische Sachverständige aus Heilbronn den Unfallhergang. Laut seinen Berechnungen näherte sich das Krad bei eingeschaltetem Abblendlicht mit etwa 100 Stundenkilometern. Der Lkw erreichte beim Einbiegen die rechte Fahrbahnseite der L 521, das Krad wich nach links aus, und der Zusammenstoß erfolgte mit noch 73 Stundenkilometern. Das Motorrad prallte dabei gegen die vordere rechte Kante des schrägstehenden Lkw.

Der Sachverständige stellte klar: Beim Losfahren des Lkw befand sich das Motorrad innerhalb der 160-Meter-Sichtstrecke. Im weiteren Verlauf der Verhandlung verdichtete sich die Vermutung, dass die schmale Silhouette des Motorrads durch den großen linken Außenspiegel des Lkw verdeckt war. Aus technischer Sicht könne man das durch Körperbewegungen ausgleichen, so der Sachverständige.

Der Staatsanwalt nannte den Unfall vermeidbar, selbst wenn das Motorrad schneller als 100 Stundenkilometer gewesen sein sollte. Befremdlich wirkte das Schlusswort des Verteidigers aus Dieburg. Er meinte, der Mandant habe geschaut und den Körper nach vorn gebeugt: „Was sollte er noch machen?“ Der Anwalt sprach bezüglich des Unfalls von „allgemeinem Lebensrisiko“ (O-Ton: „So etwas passiert halt mal“) und beantragte wegen Unvermeidbarkeit des Unfalls einen Freispruch für seinen Mandanten.

Dem Gericht begründete das die Vermutung, dass beim Angeklagten die Unrechtseinsicht nicht sehr groß ist. Andererseits sei so ein Augenblicks-Versagen wohl schon jedem Autofahrer passiert, und meistens gehe es gut aus. Wenn aber etwas passiere, trage man Schuld, begründete das Gericht sein Urteil. goe