Boxberg

Denkmalschutz ln den Wäldern von Boxberg hat Anna Sophie Blesch viele Kleindenkmale ausfindig gemacht und dokumentiert

Kulturelle Schätze im Verborgenen

Archivartikel

In den Wäldern von Boxberg schlummert ein großes kulturelles Erbe. Anna Sophie Blesch hat darüber eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben.

Uiffingen. „Die Materie der Denkmale im Wald ist sehr spannend und vielfältig“, sagt die 27-jährige Anna Sophie Blesch. Für die Uiffingerin, die an der an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg studierte, ist das ein wichtiges Thema. „Denkmale wie Grenzsteine, Hohlwege, Steinbrüche, Kalköfen, Gerichtsstätten, Burgreste und vorgeschichtliche Grabhügel sind wichtige Zeitzeugen aus der Vergangenheit und transportieren ein Heimatgefühl bis heute. Sie können Fragen beantworten, woher die Vorfahren kamen und wie sie gelebt haben. Und sie gehören zur kulturhistorischen Landschaft“, so die Forstwissenschaftlerin. Deshalb hat sie dieses Thema für ihre Masterarbeit „Denkmale im Wald – Erfassung, Schutz und Nutzung in Boxberg (Baden)“ gewählt. Im Herbst vollendete sie mit dem erfolgreichen Bestehen ihr Studium. Die Abschlussarbeit, für die sie die Traumnote 1,0 erhielt, behandelte neben der Erfassung und geschichtlichen Einordnung auch die potenzielle Verbesserung des Schutzes und der Erhaltung von Denkmalen durch deren touristische Nutzung.

Und sie hat ein Ziel: „Ich will den Menschen die Augen öffnen für die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Kulturzeugnisse in unseren Wäldern. Denn besonders hier haben sich über Jahrhunderte Denkmale erhalten können. Diese müssen wir schützen“, betont sie.

Die Multifunktionalität des Waldes stelle aber eine Herausforderung für den Zustand der Denkmale dar. Des Weiteren kennen viele Einheimische die Standorte der Denkmale nicht oder sie seien in Vergessenheit geraten. Eine fehlende Wertschätzung trage auch zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands der Denkmale im Wald bei. An diesem Punkt setzt Blesch an.

Viel Feldforschung

„Die Herausforderung bestand zuerst darin, zu schauen, welche Denkmaltypen es in den Wäldern von Boxberg überhaupt gibt“, berichtet die junge Wissenschaftlerin. Die Informationen zum Thema erhielt sie aus Karten- und Literaturforschung, Expertengesprächen und Felduntersuchung. Durch Archivbesuche in Karlsruhe, Würzburg und im Stadtarchiv Boxberg konnte sie viele historische Schrift- und Kartenquellen heben. Diese wurden dann nach Denkmalen analysiert. „Das ist wie Detektivarbeit.“ Zum einen können Gebäude, die auf den historischen Karten abgebildet sind, auf noch heute bestehende Denkmale hinweisen. Des Weiteren können eingetragene Flurnamen wie „Wolfsgrube“, „Galgenbuckel“ und „Kalkofen“ Indizien auf kulturelle Objekte geben, erläutert sie. Die zahlreichen Gespräche mit Dorfältesten, Förstern und öffentlichen Ämtern erbrachten weitere Informationen. Dabei wurde auch erfragt, wie es um das Interesse an Denkmalen steht und wie man das touristische Potenzial einschätzt.

Den Hinweisen wurde in der anschließenden Feldarbeit nachgegangen. Hier hat die Uiffingerin die Denkmale nach forstwirtschaftlichen, denkmalschutzfachlichen und touristischen Aspekten dokumentiert. „Es war am Anfang wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Bei einem Untersuchungsgebiet von fast 3000 Hektar Waldfläche ist das auch kein Wunder“, stellt sie schmunzelnd fest. Ihr Dank gilt dem Engagement der Förster, Ortsvorsteher und Dorfältesten, die ihr bei der Suche halfen.

Dass es einiges zu entdecken gab, zeigen die Ergebnisse der Arbeit: 82 Denkmale hat Anna Sophie Blesch aufgenommen. „Es schlummern wohl noch viel mehr kulturelle Schätze in unseren Wäldern“, vermutet die 27-Jährige.

Der Großteil der erfassten Denkmale sind Grenzsteine, wobei der älteste die Jahreszahl 1601 trägt. Zudem wurden alte Hohlwege, Kalköfen, ein alter Galgenplatz und keltische Grabhügel dokumentiert. Den Erhaltungszustand vieler dieser Stätten stufte sie als „bedingt gut bis schlecht“ ein. „Das macht mich traurig und auch wütend, denn auch Denkmale, die schon gesetzlich unter Schutz stehen, wiesen oft einen mangelhaften Erhaltungszustand auf“, gibt sie an.

Die Analyse der wissenschaftlichen Literatur und der Expertengespräche zeigte, dass Unkenntnis und das „Nicht-Erkennen-Können“ der Denkmale Gründe für deren Zustand seien. Ein Grabhügel sei schwerer im Gelände zu finden, als ein Grenzstein und werde oft auch unwissentlich zerstört. Speziell in diesen Fällen hat Anna Sophie Blesch auch Spuren von Raubgrabungen festgestellt. Gesetzlich sei dies streng verboten.

Des Weiteren trage eine technisierte Forstwirtschaft negativ zum Erhaltungszustand der Denkmale in den Wäldern bei. Von Forstmaschinen umgefahrene oder herausgerissene Grenzsteine und beschädigte Grabhügel, konnte sie in allen Waldbesitzarten feststellen.

„Auch im Privatwald war der Erhaltungszustand vieler Denkmale schlecht. Hier ist es wichtig, dass Waldbesitzer über gesetzliche Gegebenheiten informiert sind und ihre Pflichten kennen, aber auch wissen, wo sie sich Hilfe holen können“. Blesch verweist auf Broschüren zum Erkennen von Denkmalen sowie auf Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart als Anlaufstellen.

Großes Interesse

Das Interesse der Bürger an dem Thema freut sie, jedoch würden wenige diese Kulturzeugnisse in ihrer Umgebung kennen. Hier sei eine Sensibilisierung und Information wichtig. Die Experten seien sich sicher: Denkmale symbolisieren Identität, Gemeinschaft und Kultur und seien somit schützenswert.

„Mein Ansatz zur Erhaltung der Denkmale war, sie touristisch zu nutzen. Denn nur, was man kennt und auch wertschätzt, schütz man“, ist sie sich sicher. Deshalb übermittelte sie das erstellte Fundregister dem Landesamt für Denkmalpflege.

Auch Boxbergs Bürgermeister Kremer zeigte sich erstaunt darüber, wie viele Schätze in den Wäldern verborgen sind. Anna Sophie Blesch überreichte ihm die wissenschaftliche Arbeit, damit die Stadt von den Ergebnissen profitieren kann. Bei der offiziellen Übergabe äußerte Kremer den Willen, die Denkmale zu schützen und das touristische Nutzungskonzept dem Tourismusverband des Main-Tauber-Kreises vorzustellen.