Boxberg

„Tag des offenen Denkmals“ Abwechslungsreiches Programm zum 200. Geburtstag der Uiffinger Weinbrenner-Kirche

Kirche ein lebendiger und offener Raum

Einiges geboten war am „Tag des offenen Denkmals“ rund um die evangelische Kirche. Führungen boten Wissenswertes und vielerlei Aktionen luden zu einem kurzweiligen Besuch ein.

Uiffingen. Mit einem Gottesdienst startete der Nachmittag. Pfarrer Philipp Hocher erinnerte in seiner Ansprache an die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Denkmal“ und lud die Zuhörer zu Wortspielen ein. Damit war ein gelungener Einstieg geboten.

Nach der Andacht nutzen zahlreiche Besucher aus nah und fern die Gelegenheit, die extra für diesen Tag zusammengestellte Ausstellung in der Kirche anzuschauen. Mehrere Kirchengemeindemitglieder und die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft hielten Ausstellungsstücke und Tafeln zur Ansicht bereit. Alte Kirchenbücher, historische Kelche sowie alte Fotos und Zeichnungen rund um die Geschichte der Kirchengemeinde und die Entstehung der 200-jährigen Weinbrenner-Kirche waren im Kirchenraum ausgestellt.

Im ganzen Kirchenschiff verteilte sich die große Anzahl an Menschen. „Friedrich Weinbrenner hätte sich an diesem Tag gefreut“, schmunzelte ein Besucher deshalb. Denn wie man später in mehreren Führungen durch die Kirche erfahren konnte, war es dem Konstrukteur und Planer der Kirche, Friedrich Weinbrenner, besonders wichtig, offene Räume zu kreieren, in denen sich Menschen treffen.

„Gelebten Raum zu erschaffen, ist die wesentliche Intension seiner Arbeit“, erläuterte Ulrich Maximilian Schumann von der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft aus Karlsruhe. Er leitete die sehr gut besuchten Führungen. „In seinen Plänen verzichtete Weinbrenner auf viel„Schnörkel und Prunk“, so Schumann. „Doch Weinbrenner musste anscheinend in Uiffingen einige Kompromisse machen“, erklärte er weiter. Denn der zum Teil vergoldete Altar oder die barock bis romantisch anmutenden Ornamente schließen eher auf den Geschmack der ausführenden Handwerker zurück.

„Die Vorgänge um den Bau der Uiffinger Kirche füllen viele Aktenbestände, wurden aber weniger von baulichen Fragen bestimmt als von politischen und finanziellen Auseinandersetzungen“, sagte Schumann. Insbesondere zwischen dem dort bis 1806 regierenden Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim und der nachfolgenden badischen Verwaltung habe es Unstimmigkeiten gegeben. Die Bauzeit der Kirche habe zwei Jahre betragen, was hinsichtlich der damaligen Zeit eine gewaltige Leistung sei. Aus Fragen des Publikums und Antworten Schumanns ging hervor, dass der Bau der Kirche 1819 nach einer besonders unruhigen Zeit entstand. Denn 1816/17 habe es eine Hungersnot gegeben. Außerdem sei die Bevölkerung Badens besonders von den napoleonischen Kriegen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Malaktion „Ich mal mir meine Kirche“ der Kinder von Uiffingen fand besonderen Anklang. Die verschiedensten Modelle kamen hier zum Ergebnis: von realistisch genau nachgezeichnet, bis bunt und fantasievoll gestaltet – jede Kirche hatte ihren eigenen Charme. „Die Kinder haben genau das wesentliche dieser Kirche in ihren Zeichnungen erkannt und wiedergegeben“, freute sich auch der Weinbrenner-Experte. Den monumentalen Eingang mit offener Halle und den eingestellten Säulen haben viele der Kinder dargestellt. Auch der helle und großzügige Innenraum lasse sich hier und da widererkennen.

Später am Nachmittag erfreute Bezirkskantor Hyon Soo Park mit einem kleinen, aber feinen Orgelkonzert. Mit Werken von Bach bis Whitworth und Buxtehude brachte er die Steinmeier-Orgel gehörig zum Klingen. Das Gehäuse der Orgel sei das älteste der Landeskirche in Baden, ließ Evelyn Wagner-Reichert wissen. Bereits 1612 sei es damals für die Stuttgarter Hospitalkirche gefertigt worden und 1821 in die Uiffinger Kirche eingebaut worden.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgten die Konfirmanden: Unter anderem wurde Bibelbrot zum Verkauf angeboten. Die Zutatenliste konnte dazu mitgenommen werden. Ein Hauptbestandteil des Brots ist beispielsweise 800 Gramm der Zutat, die unter dem 1. Buch Samuel im Kapitel 28, Vers 24 in der Bibel zu erlesen ist. Das Team des „Pfarrhauscafés“ bot Kaffee und Kuchen an, die zum Austausch und Verweilen einluden.

Ein rundum gelungener „Tag des offenen Denkmals“ fand gegen Abend sein Ende.

Im November soll das Jubiläum „200 Jahren Weinbrenner-Kirche“ noch einmal extra gefeiert werden. Gemeinsam mit dem Sportverein werden während der „Kerwe“ wieder vielerlei Aktionen rund um den Geburtstag der Weinbrenner-Kirche stattfinden. suso