Boxberg

Sanierung abgeschlossen Ehrenamtliche investierten viele Stunden, um die letzte Ruhestätte des Schriftstellers Wilhelm Weigand in Gissigheim zu erneuern

Grabkapelle wieder ein Schmuckstück

Archivartikel

Die letzte Ruhestätte des berühmten Gissigheimer Schriftstellers Wilhelm Weigand ist dank des großen Einsatzes des „Heimatvereins Brehmbachtal“ wiederhergestellt.

Gissigheim. Die Weigand-Grabkapelle im Gissigheimer Friedhof präsentiert sich wieder als Schmuckstück. Fast auf den Tag genau zum 70. Todestag des Ehrenbürgers Wilhelm Weigand, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller war, wurden die vom Heimatverein „Brehmbachtal“ initiierten Sanierungsarbeiten kurz vor Weihnachten abgeschlossen.

Für die Gemeinde halten sich Kosten für die Erneuerung des kleinen Andachtsgebäudes, in der Wilhelm Weigand und seine zweite Frau Emmy ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, in Grenzen. Das lag vorallem am Einsatz der Helfer, die viele Stunden unentgeltlich im Einsatz waren, und der erheblichen Sach- und Geldspenden.

Seit Jahren ein Anliegen

Es war dem „Heimatverein Brehmbachtal“ und nicht wenigen Gissigheimern seit Jahren ein Anliegen, die Kapelle zu sanieren, nachdem der Zahn der Zeit zusehends an dem in den 1930er Jahren errichteten Bauwerk genagt hatte: Vor allem das mit Schiefer gedeckte Dach war dringend sanierungsbedürftig, aber auch Verputz und Anstrich bedurften der Erneuerung.

Nachdem der Heimatverein zuvor bei der Gemeinde mehrere vergebliche Vorstöße bezüglich einer Renovierung unternommen hatte, fand er schließlich bei Bürgermeister Ludger Krug ein offenes Ohr, so dass im Königheimer Gemeindehaushalt für 2019 dann 14 000 Euro für die Dachsanierung eingeplant wurden.

Dass der Königheimer Gemeinderat nach kontroverser Debatte letztlich mehrheitlich grünes Licht für die Sanierung gab, resultiert aus der Zusage des Heimatvereins, dass die Ausgaben für die Gemeinde durch unentgeltliche Arbeitsleistungen und durch Spenden weit unter den Kostenvoranschlägen liegen würden.

So fand nach etlichen Vorgesprächen zwischen Heimatverein, Bürgermeister und Handwerkern am 18. September ein erster großer Arbeitseinsatz statt, bei dem die Helfer unter der fachlichen Anleitung des örtlichen Zimmermeisters Felix Rapp in teils mühsamer und staubiger Handarbeit das mit Schieferplatten versehene Dach abdeckten und die darunter liegende Dachpappe entfernten.

Rückblick Erneuerungsarbeiten

In den folgenden Tagen überprüfte man die Dachkonstruktion auf Schäden, ehe nach der Ausbesserung schadhafter Stellen in der Lattung und an den Balken das Dach von der Gissigheimer Firma Steinbach mit robustem Blech neu gedeckt wurde.

Aus Kostengründen waren Heimatverein und Gemeinde übereingekommen, auf eine erneute Schiefereindeckung zu verzichten, zumal die Kapelle nicht unter Denkmalschutz steht. Auch ein als Alternative ins Auge gefasstes Kupferdach hätte die Kosten in die Höhe getrieben.

Wie das Dach erstrahlen nun auch Außen- und Innenwand in neuem Glanz. Nach der gründlichen Reinigung des Verputzes und der Ausbesserung rissiger und abgeplatzter Stellen wurde die Grabkapelle mit einem dezenten neuen Anstrich versehen. Die Marienstatue im Innern wurde sorgsam gereinigt, und auch die Namensinschriften der hier bestatteten Verstorbenen Willhelm und Emmy Weigand wurden erneuert. Zudem wurde im bergseitigen rückwärtigen Bereich der Kapelle Erdreich abgetragen, um das Mauerwerk vor Feuchtigkeit zu schützen.

Dank des engagierten Einsatzes der versierten Helfer gingen alle Arbeiten zügig voran, so dass die gerade angesichts der Dachkonstruktion durchaus aufwändige Sanierung der Grabkapelle, abgesehen von kleinen Restarbeiten, noch kurz vor Weihnachten abgeschlossen werden konnte.

Zum Gelingen beigetragen haben die ehrenamtlichen Helfer Josef Baumann, Bernhard Berberich, Felix Dörr, Willi Künzig, Erwin Schlegelmilch, Bernd Stang, Gerhard Withopf und Jürgen Zorn, die zusammen weit über 100 Arbeitsstunden für die Sanierung geleistet haben sowie der Zimmermeister Felix Rapp und der Spengler Alexander Steinbach.

Unterstützung gab es von Seiten mehrerer Bürger, die Gerätschaften oder Anhänger bereitgestellt haben, und von Mitarbeitern des Gemeindebauhofs, die bezüglich der Entwässerung zur Hand gingen.

Zum Abschluss der Arbeiten lud Bürgermeister Krug die Beteiligten zu einem Essen ins Gissigheimer Gasthaus „Engel“ ein, um ihnen Dank und Anerkennung für ihr Engagement abzustatten. Krug sprach von einem tollen Projekt und vorbildlichem Bürger- und Gemeinschaftsgeist.

Erinnerungen wachhalten

Wie von Bürgermeister Krug und von Seiten des Vereins von Gerhard Withopf, dem die Koordination der Arbeiten oblag, in diesem Zusammenhang beim Blick auf die End-Abrechnung dankbar herausgestellt wurde, hat Felix Rapp Arbeitsstunden und Material im Wert von über 2300 Euro nicht berechnet, sondern als Spende eingebracht.

Auch von der Firma Steinbach seien mehrere Arbeitsstunden unentgeltlich geleistet worden. Der Heimatverein schließlich steuerte 5000 Euro zur Sanierung bei. Damit verblieb der der Gemeinde ein Kostenanteil von 2963 Euro.

Er würdigte zugleich das Bestreben des Heimatvereins, den 1947 zum Gissigheimer Ehrenbürger ernannten Schriftsteller Weigand (geboren 1862 in Gissigheim, gestorben 1949 in München) und dessen umfangreiches Werk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit der Sanierung der Kapelle, in der der berühmte Dichter und seine Frau Emmy (gestorben 1936) die letzte Ruhestätte gefunden haben, habe man dazu beigetragen, die Erinnerung an den Heimatsohn wachzuhalten.

Gartelkapelle sanierungsbedürftig

Vertreter des Heimatvereins und Bürgermeister Krug brachten zum Abschluss des Projekts „Weigand-Kapelle“ die Hoffnung zum Ausdruck, dass es in absehbarer Zeit gemeinsam gelingen wird, auch die Gartelkapelle am westlichen Eingang der Schulstraße in Königheim zu sanieren. Bislang haben die Auflagen des Denkmalschutzes die dringende Sanierung des maroden Daches verhindert.