Boxberg

„Batnight“ auf dem Schloßberg Nabu erkundete mit 50 Teilnehmern die Welt der Fledermäuse / Fledermausexperte der Naturschutzbehörde nannte interessante Fakten

Fliegende „Blutsauger“ sind fast alle Vegetarier

Archivartikel

Mit einer Fledermauswanderung auf den Boxberger Schloßberg sowie zahlreichen Fledermaus-Aktionenbeteiligte sich die Boxberger Nabu-Gruppe wieder an der internationalen „Batnight“.

Boxberg. Mehr als 50 große und kleine Naturfreunde waren der Nabu-Einladung nach Boxberg gefolgt. Von der Mediothek aus sollte es gemeinsam auf den Schloßberg gehen, um Fledermäuse aus der Nähe zu beobachten. Einige der Teilnehmer hatten extra für den Aktionstag eine ganz schön lange Anreise in Kauf genommen.

Eine Familie aus Regensburg war rund drei Stunden mit ihren Kindern Lilian und Jonathan unterwegs. Der Zehnjährige ist ein riesiger Fledermaus-Fan, nicht erst seit er sie einmal ganz nah im Münchener Tiergarten gesehen hat. Doch nicht nur Jonathan ist von den Fledermäusen fasziniert. Das zeigten die unzähligen Fragen, welche die Teilnehmer Fledermaus-Experten Stephan Hielscher von der Naturschutzbehörde des Landratsamts Main-Tauber stellten.

Aufspürung mit „Bat-Detektor“

Gemeinsam mit Michael Hökel, Leiter der Boxberger Nabu-Gruppe, führte er die Wandergruppe auf den Schloßberg. Mit dabei hatte Hielscher einen sogenannten „Bat-Detektor“. Mit diesem lassen sich Fledermäuse anhand ihrer Ultraschallsignale orten, die sie zur Orientierung aussenden. Das handliche Messgerät verwandelt die Signale in für den Menschen hörbare akustische Signale. Bevor die Wanderung losging, gab es von Stephan Hielscher erst einmal eine kleine Einführung zum Thema Fledermäuse. So erfuhren die Teilnehmer etwa, dass in hiesigen Breiten rund 20 verschiedene Arten heimisch sind. Und dass die nachtaktiven Kreaturen bis zu 40 Jahre alt werden können. „Für ein so kleines Säugetier ist das ziemlich ungewöhnlich“, merkte Hielscher an.

Bei der Gelegenheit räumte der Fachmann auch gleich mit dem „Vampir-Mythos“ auf. Denn Fledermäuse sind keineswegs bösartige Blutsauger, die ihren Opfer den Lebenssaft stehlen wie die Romanfigur Graf Dracula.

Nur zwei von insgesamt rund 1000 Arten ernähren sich nämlich tatsächlich von Blut, wie Stephan Hielscher erläuterte. Heimisch sind diese in Südamerika. „Die meisten Arten sind aber Vegetarier oder ernähren sich von Insekten“, so der Experte. Ein Junge wollte wissen, ob Fledermäuse auch einen Winterschlaf halten. Die Antwort: Ja – und zwar weil es im Winter schlicht keine Insekten für sie zum Fressen gibt. Deswegen futtern sie sich im Herbst auch noch mal ordentlich Winterspeck an. „Sie können dann bis zu ihrem eigenen Körpergewicht in Insekten verzehren“, erklärte Hielscher.

Gefahr Windkraftanlagen

Eine weitere gestellte Frage war: Haben die Tiere eigentlich auch Augen, oder orientieren sie sich nur per Ultraschall? Die Lösung des „Rätsels“: Sie haben Augen. „Deswegen ist es auch eine schlechte Idee, alle öffentlichen Gebäude zu beleuchten“, betonte Stephan Hielscher. Denn die Fledermäuse hätten dort oftmals ihre Sommerquartiere und würden durch das Licht gestört.

Ein anderer Teilnehmer wollte wissen, ob Windkraftanlagen für Fledermäuse eine Gefahr darstellen. Der Experte bestätigte diese Annahme. Rund 200 000 der Tiere würden demnach jedes Jahr durch direkte Kollisionen mit Windkraftanlagen oder durch die enormen Druckunterschiede in der Nähe derselben umkommen, führte Hielscher aus.

Angekommen auf dem Schloßberg dauerte es nicht lange, bis die Teilnehmer die ersten Fledermäuse erspähen konnten. Kaum war die Abenddämmerung angebrochen, machten die Tiere sich nämlich auf der Suche nach Beute. In einigen Metern Höhe kreisten sie über der Waldlichtung, auf welcher sich die Gruppe um Stephan Hielscher und Michael Hökel versammelt hatten und nun gespannt den Blick nach oben wandten.

Zwergfledermäuse am Himmel

Die Flugtiere tatsächlich auch zu Gesicht zu bekommen, war allerdings gar nicht leicht, so schnell wie diese durch den Nachthimmel flitzten. An dieser Stelle kam Hielschers „Bat-Detektors“ zum Einsatz. Mit lauten Klacker-Geräuschen verriet das Gerät, wenn sich eines der Tiere näherte. Was es dann doch ein wenig einfacher machte, im richtigen Moment einen Blick zu erhaschen. Zu sehen gab es auf der rund zweistündigen Exkursion zahlreiche Zwergfledermäuse, aber auch einige der größeren Breitflügelfledermäuse.