Boxberg

Nabu-Gruppe Boxberg Mitglieder bringen in Zusammenarbeit mit dem Bauhof Kotbretter an / Vögel treffen in den nächsten 14 Tagen ein

Die Schwalben können jetzt einziehen

Archivartikel

Der Gasthof „Zur Sonne“ in Schweigern beheimatet auch in Zukunft eine der größten Schwalbenkolonien im Boxberger Stadtgebiet.

Schweigern. Wer vor kurzem durch die Schweigerner Ortsmitte am Gasthaus „Zur Sonne“ vorbeifuhr, wurde Zeuge eines seltenen Schauspiel. Dass drei Männer auf einem Hubsteiger an einer Dachrinne herumwerkeln, klingt zwar zunächst nicht wirklich spektakulär.

Der Grund, warum sie es taten, ist es aber doch: Mitglieder der Nabu-Gruppe Boxberg und ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs bereiteten die baldige Ankunft einer der größten Mehlschwalbenkolonien im Stadtgebiet vor.

Mehr als 20 Nester

In mehr als 20 Nestern haben sich Rauch- und Mehlschwalben unter der Dachrinne des Gasthauses in den vergangenen Jahren eingenistet. Unterhalb der Nester montierten Michael Hökel und Dieter Pfeiffer vom Nabu gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Bauhofs mehrere Kotbretter und bauten drei künstliche Nisthilfen für die Vögel ein.

„Dass die Schwalbenkolonie nach ihrem Winteraufenthalt südlich der Sahara im Schweigerner Gasthaus nach wie vor ein zuhause findet, ist alles andere als selbstverständlich“, sagt der Vorsitzende der Nabu-Gruppe in Boxberg, Michael Hökel. „Das ist eine außergewöhnliche Maßnahme. Meistens wollen die Eigentümer die Nester nicht und entfernen sie einfach, obwohl das nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht erlaubt ist.“ Umso bemerkenswerter sei auch das Verhalten vom Wirt des Gasthauses, Manfred Karbacher, der die Vögel seit mehreren Jahren beherbergt. Daraus macht er selbst aber keine große Sache: „Ich finde, das gehört sich einfach. Es soll lieber ein Gast wegbleiben, bevor ich die Vögel verscheuche“, betont Karbacher. In den vergangenen Jahren beseitigte er den Kot der Vögel noch selbst.

Das sei mit seinen 80 Jahren in Zukunft aber nicht mehr möglich. Deshalb meldete er sich bei Karl-Heinz Geier von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Dort setzte man sich mit der Nabu-Gruppe in Boxberg in Verbindung, und entschied die Kosten für den Einsatz zu übernehmen.

„Vorbildliche Zusammenarbeit“

Die Zusammenarbeit von staatlichem und privatem Naturschutz bezeichnet Hökel als „vorbildlich“. Auch die Hilfe der Stadt mit Bürgermeister Christian Kremer durch die Bereitstellung des Hubsteigers und die Fachkenntnis eines Bauhofmitarbeiters seien eine wertvolle Unterstützung gewesen.

Beschwerden von Gästen habe es in der Vergangenheit schon immer mal wieder gegeben, sagt Karbacher. Die Schwalben machen tatsächlich ordentlich Dreck: „Sie koten entweder von den Nestern runter oder klatschen die Ausscheidungen beim Fliegen gegen die Hauswand“, beschreibt Hökel.

Ortstreue Vögel

Die in Eigenregie von Nabu-Mitglied Günter Lindenau angefertigten Kotbretter sollen nun Abhilfe schaffen. „Sie werden für einen effektiven Schutz sorgen und eine Verschmutzung verhindern. Der Platz für die Schwalben ist damit langfristig gesichert. Im Herbst kann der Kot sogar als Blumendünger verwendet werden“, zeigt sich der Vorsitzende der Boxberger Nabu-Gruppe zufrieden.

Nester zu beseitigen, stelle die Vögel vor große Probleme, so Hökel. In den Schwalbennestern steckt jede Menge Arbeit: Bis zu 1200 Lehmkügelchen drücken die Mehlschwalben mit ihrem Schnabel gegen die Wand, um ihre Brutstätten zu bauen.

Auch deshalb seien die Vögel sehr ortstreu und kämen an ihren Brutplatz zurück, erklärt Hökel. Da Rauch- und Mehlschwalben für den Nestbau auf Insekten angewiesen sind, diese durch den Einsatz von Pestiziden und Dünger aber immer weniger werden, seien die bereits bestehenden Nester umso wichtiger für sie.

Die ersten Rückkehrer erwartet die Nabu-Gruppe in den nächsten 14 Tagen. „Sie fliegen am Tag ungefähr 300 Kilometer. Wir gehen deshalb davon aus, dass sie bis Ende März oder Mitte April hier sind“, sagt Michael Hökel.

Weiterhin ein Rückzugsort

Am Gasthof in der Marktstraße finden sie dann ein „gemachtes Nest“ vor. Wenn es nach Manfred Karbacher geht, soll der Rückzugsort für die Schwalbenkolonie noch lange bestehen bleiben. „Solange wir die Gaststätte führen, werden auch die Vögel bleiben“, betont der Schweigerner.

Für die Duldung der besonderen Gäste bekommt Manfred Karbacher von Michael Hökel eine Urkunde mit der Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ überreicht.